Deutsche Post: Post verpatzt Start des E-Briefs

Deutsche Post: Post verpatzt Start des E-Briefs

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PDF E-Postbrief

von Christian Schlesiger

Zahlreiche Fehler und fragwürdige Nutzungsbedingungen belasten den Marktstart des E-Postbriefes der Deutschen Post. WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Schlesiger hat ihn getestet.

Das Versprechen ist groß: Der E-Postbrief sei der "Mercedes unter den Briefen". Die Deutsche Post werde mit der verbindlichen, vertraulichen und verlässlichen E-Mail das "Briefgeheimnis ins Internet" bringen.

Das gefällt mir. Es klingt nach Innovation, nach Revolution, nach Zeitenwende. Ich registriere mich, verschicke den ersten E-Postbrief — und erlebe ein Desaster.

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Der fünfseitige PDF-Anhang — zerschossen: Der Text überlappt Bilder, Absätze sind abgeschnitten, Grafiken zerhacken Überschriften. Keine Seite der eigentlich simplen Vorlage ist lesbar. Preis für das E-Gemurkse: 1,60 Euro. Der erste Selbstversuch endet in einem Fiasko.

Der Start der größten Marktoffensive der Post im Briefgeschäft seit Jahrzehnten, so mein Eindruck nach einer Woche Test, könnte zum Bumerang werden. Twitter-Nutzer nörgeln über zähe Anmeldeprozesse, ich bekomme Fehlermeldungen. Hinzu kommen Warnungen von Experten vor zweifelhaften Details der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Ein Misserfolg wäre fatal für die Post. Der E-Postbrief ist ihr Hoffnungsträger. Im Fernsehen kurz vor der "Tagesschau" im Ersten, auf Plakaten an Straßenkreuzungen und in doppelseitigen Anzeigen in Zeitungen wirbt ein Postbote für die neue Art der Kommunikation: "Adresse sichern". Geschätzte 80 Millionen Euro investiert der Konzern in das Marketing.

"Es ist ein Fehler aufgetreten"

Im Prinzip ist der E-Postbrief eine feine Sache. Ich würde gern in Zukunft Behördengänge per Mausklick erledigen, Arztrechnungen an die Krankenversicherung mailen, meine Gehaltsmitteilung als sichere E-Mail erhalten und eingehende Rechnungen aus dem System heraus überweisen — so klingt Zukunft. Und wenn ich einen Brief verschicken will, aber keine Marken zur Hand habe, lade ich den Brief kurz hoch, lasse ihn von der Post ausdrucken und zustellen.

Wenn es denn nur funktionieren würde. Adressiert an Kollegen und Freunde, lade ich in PDF-Dateien umgewandelte Artikel der WirtschaftsWoche über das epost-Portal hoch und klicke auf "Klassisch zustellen". Die meisten haben noch keine E-Postbrief-Adresse, sodass die rein elektronische Zustellung nicht geht.

Auf den ersten Blick macht das Portal einen guten Eindruck. Nachrichten erscheinen als Brief-Symbol, eine Vorschau zeigt an, wie der Brief aussehen soll, wenn ich ihn auf Papier zustellen lasse. Über eine Rechtschreibprüfung vermeide ich die peinlichsten Patzer im Vorfeld.

"Bitte entschuldigen Sie"

Doch ich muss meinen Plan aufgeben, bevor ich richtig starten kann – der E-Postbrief-Versand stockt. "Bitte entschuldigen Sie", funkt mir ein virtueller Post-Mann in hellblauem Hemd und gestreifter Krawatte dazwischen, als ich meine Nachrichten verschicken will. "Bitte versuchen Sie es später noch einmal".

Noch häufiger bekomme ich folgende Warnung auf den Bildschirm: "Es ist ein Fehler aufgetreten." Zum Beispiel, als ich die Kontakte, die ich bereits angelegt habe, anklicken will. Oder als ich vor dem Absenden einer Nachricht die Preisinformation anwähle. Oder als ich versuche, PDF-Dateien anzuhängen — was das System wohl überfordert und darum beleidigt ablehnt. Versuche mit anderen Internet-Browsern ändern nichts.

Das Portal bleibt ein Feld unangenehmer Überraschungen — nicht immer, aber viel zu oft. Manchmal verschwindet im Adressfeld der Firmenzusatz. Zweimal erscheint beim Absenden eine bedrohlich klingende Meldung in gleich dutzendfacher Ausfertigung: "Es konnte nicht sichergestellt werden, dass diese Anfrage wirklich von Ihnen ausgelöst wurde. Es könnte sich möglicherweise um eine böswillige Anfrage handeln."

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