_

Deutsche Post: Streit ums Briefmonopol der Post

von Christian Schlesiger

Vom Urteil über den Mindestlohn für Briefzusteller hängt das Schicksal der ganzen Branche ab. Kippt wie erwartet der Mindestlohn und fällt auch das Steuerprivileg, wird die Post wohl Marktanteile abgeben müssen.

Ein Briefträger von First Quelle: dpa
Ein Briefträger von First Mail: Billigtochter der Deutschen Post Quelle: dpa

Auf diesen Tag warten die Wettbewerber der Deutschen Post seit zwei Jahren. Am Mittwoch entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über den Mindestlohn für Briefzusteller. Derzeit liegt er bei 9,80 Euro je Stunde. Den Satz hatte 2008 das damals SPD-geführte Bundesarbeitsministerium festgeschrieben – auf Drängen des von der Deutschen Post dominierten Arbeitgeberverbandes Postdienste und der Gewerkschaft Verdi. Die Post wollte so ihre Konkurrenten schwächen, die sich einen solch hohen Mindestlohn nicht leisten können, wie sie sagen.

Anzeige

Inzwischen rechnen aber selbst bei der Post viele damit, dass die Richter den bisherigen Mindestlohn kippen. Es wäre ein weiterer Angriff auf das faktische Monopol des einstigen Staatsriesen im Briefgeschäft. Denn im Juli verliert die Post voraussichtlich ein weiteres Privileg. Dann muss wohl auch sie für Geschäftsbriefe Mehrwertsteuer abführen, was sie bis zu 500 Millionen Euro im Jahr kostet. Zudem startet die konkurrierende Mail Alliance, die Pin Mail, TNT und Madsack gegründet haben, ihre bundesweite Zustellung. Intern bereitet die Post sich schon auf die Verschärfung des Wettbewerbs vor – mithilfe ihrer Düsseldorfer Konzerntochter First Mail, die 190 Mitarbeiter beschäftigt. Die zahlt ihren Zustellern zwar den noch geltenden Mindestlohn von 9,80 Euro, aber kein Weihnachts- und kein Urlaubsgeld. Wer bei der Post direkt angestellt ist, verdient schon als Einsteiger mehr als elf Euro, im Schnitt bekommen Zusteller dort 15 Euro. Kein Wunder, dass die Billigtochter bei der Post „als wichtigstes Instrument“ im Kampf gegen die Konkurrenten angesehen wird, so ein hochrangiger Manager.

Post-Tochter First Mail soll mitmischen

Im ersten Schritt soll First Mail ins Ruhrgebiet expandieren. Als Subunternehmen übernimmt sie dann Aufträge von der WAZ Mediengruppe, die sich aus dem Briefgeschäft zurückzieht. First Mail sucht derzeit mehrere Hundert Beschäftigte. Ein Ausgliedern ganzer Zustellbezirke von der Post an die Billigpost ist tarifvertraglich bis Ende 2011 zwar ausgeschlossen. Aber über Neukunden wie Konzerne und Behörden würde das „Geschäft sehr schnell wachsen“, heißt es im Konzern.

Trotzdem wird die Post ihren Marktanteil von 90 Prozent kaum halten können. Experten erwarten, dass er auf 70 Prozent schrumpft — wie im Paketmarkt, wo es zahlreiche Konkurrenten gibt – und keinen Mindestlohn. Für Briefzusteller wie TNT bliebe es voraussichtlich bei einem Kostenvorteil, zahlt die Tochter der holländischen Post doch nur 7,60 Euro. Pin Mail strebt künftig 8,50 Euro an. Zurzeit zahlt das Unternehmen Briefträgern noch 9,80 Euro. Bliebe es jedoch beim bisherigen Mindestlohn, würden einige Wettbewerber wohl den Rückzug antreten.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.01.2010, 00:44 UhrAnonymer Benutzer: Dressierter Affe

    Deutschland braucht keine Mindestlöhne.
    Deutschland braucht einen Maximallohn von 1 Euro pro
    Stunde. Nur so werden wir international wettbewerbsfähig bleiben und neue Arbeitsplätze schaffen. Sozial ist, was Arbeit schafft!

  • 26.01.2010, 20:54 UhrAnonymer Benutzer: Dieter

    Kann mich da Hans-Jörg nur anschliessen!
    Es sollten alle Geschäftsmodellen,die nur auf Grund einer skandalösen bezahlung existieren, verboten werden. Das hat mit Unternehmertum nix mehr zu tun.

  • 26.01.2010, 10:56 UhrAnonymer Benutzer: Anpassen!

    LERNT WAS iN DER SCHULE, DANN WERDET iHR AUCH WAS ! immer das blöde Gesülze über Produktionsverlagerung ins Ausland wos billiger ist. blablabla..
    Das sind sowiso Arbeiten die von dressierten Affen gemacht werden können und keinen Stundenlohn von über 10 € rechtfertigen.

    Deutschland und die übrigen industriestaaten müssen sich halt der Gegebenheit anpassen dass die industrie ein nichtzukunftsfähiger Sektor mehr ist.

    Es gibt aber auch noch den Tertialsektor.

    Wenn die Welt globalisiert, dann ist es ja logisch dass die Fabriken in die für sie interessanten Regionen ziehen.. Da wo die industrie verschwindet wird sich anderswie spezialisiert.

    beispiel Luxemburg. Grosse Stahlindustrien in den 60gern und 70gern. Dann zog die industrie grÖsstenteils weg. was haben die Luxemburger gemacht? Sich auf banken spezialisiert.

    Man muss sich eben anpassen können und nicht den alten Zeiten nachweinen. Das klappt nie!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.