Deutsche Post: Warum die Post am Briefgeschäft festhält

Deutsche Post: Warum die Post am Briefgeschäft festhält

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Internet bedroht das Geschäftsmodell der Deutschen Post

Noch sichert das Briefgeschäft dem Konzern hohe Gewinne. Doch das Internet bedroht das bisherige Modell. Eine Abspaltung ist trotzdem nicht in Sicht.

Post-Chef Frank Appel rennt die Zeit davon. Im traditionellen Kernbereich, dem Briefgeschäft, sinken die Einnahmen. Doch im Dezember sollen die Löhne der 130.000 Beschäftigten dieser Sparte um drei Prozent steigen. So haben es der Postvorstand und die Gewerkschaft Verdi Ende 2008 vereinbart. Nun fordert Appel einen Aufschub der Lohnerhöhung. Und ein Druckmittel hat er auch zur Hand: Er könnte das Zustellen der Briefe auslagern – an kostengünstigere Subunternehmen. Noch verbietet das ein Vertrag, den die Post mit Verdi geschlossen hat. Doch der läuft Ende dieses Jahres aus.

Appels Vorgehen zeigt, wie sehr die Zukunft des Briefgeschäfts gefährdet ist. Wo er kann, senkt er die Kosten. So strich er die Nachtflüge für die innerdeutsche Briefbeförderung und setzte dafür Lastwagen ein. Er schloss vorübergehend sonntags Verteilzentren und dehnte zeitweise die Zustellbezirke aus, um zu prüfen, was solche Maßnahmen auf Dauer brächten. Klar ist: Die Arbeitskosten pro Mitarbeiter steigen seit Jahren an, gleichzeitig sinken die Einnahmen pro Beschäftigten.

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Schuld daran ist nicht nur die Konjunkturkrise, sondern auch das Internet. Privatleute schicken kaum noch Briefe und Postkarten. Lieber versenden sie E-Mails oder Kurznachrichten per SMS. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken, wenn demnächst rechtsverbindliche E-Mails möglich sind. Dann korrespondieren beispielsweise Versicherungen, Banken und Kunden vornehmlich elektronisch miteinander.

Hohe Gewinne gehören der Vergangenheit an

Zwar ist unklar, wie schnell sich der Wandel vollzieht, sicher aber ist: Er ist nicht mehr aufzuhalten. Die einst üblichen hohen Gewinne der Briefsparte gehören dann definitiv der Vergangenheit an. Und die trugen allein im vergangenen Jahr 70 Prozent zum operativen Gesamtgewinn des Konzerns bei. Das geplante Briefportal, mit dem die Deutsche Post eigene E-Mail-Funktionen anbieten will, müsste mit einem gigantischen Werbeetat populär gemacht werden. Kommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom oder Web.de werden in dem Bereich eigene Produkte anbieten und so ins Briefgeschäft einsteigen. Hohe Gewinne der Post wären dann Makulatur.

Wäre da nicht die Logistikdivision DHL. Der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel vererbte Appel ein starkes Unternehmensportfolio. Natürlich leiden die Bereiche Express, Kontraktlogistik und Spedition unter dem Konjunktureinbruch — wie alle Logistiker. Aber die Divisionen gehören in ihren Segmenten zu den weltweiten Marktführern. Appel erntet damit die Früchte von Zumwinkels Expansionsdrang.

Zwar fordern einige Aktiengurus, die Bereiche Logistik und Brief zu trennen und als eigene Unternehmen zu führen. Doch der Vorteil für Appel liegt in einer anderen Logik: Jetzt, im Konjunkturabschwung, bietet die Briefsparte der Logistikdivision trotz allem noch eine sichere Basis. Schwächt der Strukturwandel später die Briefsparte, könnten die Gewinne von DHL die Probleme abfedern und helfen, dort das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln.

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