Ein solches Verfahren dürfte sich aber gleich aus mehreren Gründen als stumpfes Schwert erweisen. Gewährt die Deutsche Post zum Beispiel extreme Rabatte, werden diese nicht ohne Weiteres an die Öffentlichkeit gelangen. „Daran hat zunächst weder das Unternehmen, das um diese Rabatte fürchten muss, noch die Post ein Interesse“, sagt BIEK-Chef Wojtek. Deshalb blieben Großrabatte „auf mittlere Sicht erst einmal geheim“, glaubt Günter Thiel, Vorstandschef der Pin Group. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen ist neben TNT der zweite große Player im deutschen Briefgeschäft und gehört mehreren Verlagen, darunter die Holtzbrinck-Gruppe, in der auch die WirtschaftsWoche erscheint. Doch selbst wenn„irgendwann einmal irgendjemand in der Branche über die Rabatte redet“, wie Thiel prophezeit, braucht Post-Briefchef Gerdes deswegen nicht gleich zu zittern. Denn dann muss die Bundesnetzagentur der Post erst einmal nachweisen, dass diese tatsächlich ihre Marktmacht missbraucht – und im konkreten Fall vielleicht doch nicht mit supergünstigen Kosten arbeitet. Wie geschickt Gerdes auf diese Weise die Konkurrenz auszubremsen versteht, bewies er bereits als Deutschland-Chef der Post-Briefsparte. Wettbewerber wie der Kurierdienst Jurex in Erkelenz bei Düsseldorf hatten der Post im Laufe der Zeit 30 Prozent der sogenannten Postzustellaufträge, wie sie etwa Gerichte und Behörden millionenfach verschicken, weggeschnappt: indem sie ganz einfach weniger als die Hälfte Porto verlangten. Da schlug Gerdes zurück. Er beantragte 2006 bei der Bundesnetzagentur, dass er das Porto kräftig senken dürfe. Die Beamten gaben dem statt. „Natürlich“ nicht, ohne die Kostenunterlagen der Post „sehr eingehend angesehen und geprüft“ zu haben, wie der damalige Behördenvize Martin Cronenberg versicherte. Folge: Die Post geht inzwischen mit einem Porto von nur 2,21 Euro statt vorher 5,60 Euro in den Markt. Die Konkurrenten trifft das teilweise existenziell. Die Bundesnetzagentur habe „Kampfpreise“ genehmigt, schimpft Rudolf Pfeiffer vom Bundesverband Kurier-Express-Postdienste. Dadurch könnten es Wettbewerber mit der Post „kaum noch aufnehmen“. Jurex sowie die Pin Group haben deshalb Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen die Bundesnetzagentur erhoben. Das Verfahren kann sich bis zu zwei Jahre hinziehen. Der Rechtsstreit droht symptomatisch für die Zeit nach dem Briefmonopol zu werden, wenn andere Player versuchen sollten, möglicherweise missbräuchliche Niedrigpreise der Post per Gericht zu kippen. „Das wird ein zäher Stellungskrieg“, prophezeit Verbandschef Wojtek.
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Die Aussichten, dass Berlin den Neulingen zu Hilfe eilt, sind gering. Bei den Politikern und Beamten ist die Klausel aus Bötschs Zeiten noch nicht recht ins Bewusstsein gedrungen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos verwendet zurzeit seine Kraft vor allem darauf, das Briefmonopol EU-weit möglichst bald zu beenden. Seine Lust scheint gering, das Paragrafenwerk eines alten Parteifreundes zu ändern, die Post künftig zur Veröffentlichung ihrer Rabatte zu zwingen oder ihr weiterhin das gesamte Porto vorzuschreiben. Eine Gesetzesänderung lieferte der SPD nur den unerwünschten Vorwand, das im Postgesetz festgeschriebene Ende des Briefmonopols Anfang 2008 infrage zu stellen. Dass die Post künftig ihre Pfründen sichern kann, war sowieso Bötschs Wunsch vor zehn Jahren. Ihm reichte es, wenn der bisherige Monopolist im Kampf um die Geschäftskunden das Porto senken und damit Gewinne einbüßen würde. Das Wohl der Konkurrenten war ihm zweitrangig: „Wir wollten Wettbewerb“, räumt er ein, „aber nicht auf den Ruinen der Post.“













