Deutsche Post: Zumwinkels Stern sinkt

Deutsche Post: Zumwinkels Stern sinkt

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel

Eines kann Post-Chef Klaus Zumwinkel nicht behaupten, nämlich er habe es nicht gewusst.

Ausgerechnet seine Freunde bei der US-Investmentbank Morgan Stanley, in deren Aufsichtsrat er sitzt, hatten ihm vor dem Deal dringend abgeraten. Doch Zumwinkel ignorierte die Warnung und kaufte im März 2003 für rund eine Milliarde Euro den kleinen dahin dümpelnden US-Expressdienst Airborne. Wer in den Vereinigten Staaten diesen Service nicht anbiete, bringe sich auf Dauer um Milliardengeschäfte mit US-Konzernen - und um den eigenen Anspruch, weltgrößter Logistikkonzern zu werden.

So richtig der Gedanke auch war. Seit Zumwinkel ins US-Geschäft eingestiegen ist, verblasst sein Nimbus des Konzernschmieds, der die einstige Mammutbehörde zu einem Global Player umbaute und an die Börse führte. Obwohl die Beförderung von Paketen und termingebundenen Sendungen in den USA nur etwa fünf Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt knapp 61 Milliarden Euro ausmacht, bekommt er das Geschäft dort nicht in Griff, sondern entwickelt sich zum Kapitalvernichter. Alles in allem verbrannte Zumwinkel in den Vereinigten Staaten in den vergangenen gut viereinhalb Jahren Geld und Unternehmenswerte, die sich langsam auf einen Betrag von zwei Milliarden Euro zubewegen dürften.

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Man muss nicht so weit gehen wie die US-Investmentbank Morgan Stanley, die in Zumwinkels Engagement in den Vereinigten Staaten eine Parallele zum Milliardenfiasko des Stuttgarter Autobauers Daimler sieht, der vergeblich versucht hatte, den US-Konkurrenten Chrysler zu einem wichtigen Standbein jenseits des Atlantiks zu machen. Doch der Vergleich mit dem Kleinstwagen Smart drängt sich auf, den die Schwaben seit Jahren mitschleppen und dadurch Milliarden von Euro versenkten. Kaschiert wurde das am Neckar nur durch die fast unerschütterliche Profitmaschine der Mercedes-Limousinen und -Nutzfahrzeuge.

Doch genau darin liegt der Unterschied zur Post. Dass Zumwinkel die verbrannten Milliarden in den USA bisher so gut wegstecken oder verstecken konnte, hat er weniger seiner Leistung an anderer Stelle des Konzerns zu verdanken, sondern in erster dem langjährigen Briefmonopol - sprich: seiner überaus erfolgreichen Lobbyarbeit bei den Politikern. Sieht man von der Beteiligung an der Postbank ab, bescherte ihm die staatlich gerantierte Monopolstellung im Briefgeschäft auch 2006 noch immer etwa 70 Prozent des Konzerngewinns (vor Abzug der Zinsen). Und nachdem er Ende vergangenen Jahres den Lohn bei der Post letztlich als Mindestlohn auch für alle anderen Briefräger durchgesetzt und die Geschäftsmodelle der Konkurrenz untergraben hat, kann Zumwinkel auch künftig ungehindert mit seiner Profitquelle von Staatsgnaden Löcher wie das US-Geschäft stopfen. Dass damit sein Stern als Deutschlands Starsanierer und Superstratege sinkt, darf ihn dann allerdings nicht verwundern.

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