Deutsche/Postbank vs. Commerz-/Dresdner Bank: Das Duell der Banken

Deutsche/Postbank vs. Commerz-/Dresdner Bank: Das Duell der Banken

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Deutsche Bank mit Postbank im Vergleich zu Commerzbank und Dresdner Bank (Zur vollen Ansicht bitte die Tabelle anklicken)

In den USA tobt die Finanzkrise, in Deutschland ist ein wichtiger Startschuss gefallen: Wer wird langfristig die erste Privatadresse in Geldangelegenheiten, die Deutsche Bank mit der Postbank oder die Commerz- mit der Dresdner Bank?

Manchmal sind zwei, die sich näherkommen, wie von einem anderen Stern. Die Filiale der Deutschen Bank am Frankfurter Roßmarkt residiert in einem wuchtigen Kasten. In der Mitte des Raums stehen schwarze Ledersessel, an der Seite ein Flachbildschirm. Top-gestylte Jungbanker blicken zu allem entschlossen auf ihren PC. Die Kunden sehen aus, als könnten auch sie hinter dem Tresen stehen. Kostüm und Anzug scheinen Pflicht. Am Eingang hängen Angebote für Immobilien – für das „Wohnen im Schloss“, die „Wohnetage der Spitzenklasse“, ein „einzigartiges Villenanwesen“. Preisklasse: 600.000 Euro aufwärts.

Auch die Postbank in dem Glasbau schräg gegenüber hat so einiges im Angebot. Hier gibt es das Barbie-Malset für 4,99 Euro, rosafarbene Herzchen-Sticker für 1,49 oder Postkarten mit Ferkeln, Welpen oder Entenküken für 1,75 Euro, samt Umschlag. In der Mitte der Filiale steht ein Sonnenschirm, in Regalen lagern Klebestifte, Paketschnüre und Schnellhefter. Der Angestellte hinterm Schalter trägt ein hellblaues Hemd mit kurzen Ärmeln, eine blau-gelb gestreifte Krawatte und Vollbart. Kunden in Turnschuhen oder Sandalen mit Tragetüten von Rewe oder Plus treten ein, einer plumpst erst mal auf einen Stuhl und sortiert seine Einkäufe.

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Wächst hier zusammen, was zumindest dem Augenschein nach überhaupt nicht zusammengehört? Bei Redaktionsschluss der WirtschaftsWoche am späten Donnerstagabend waren die letzten Details des Einstiegs der Deutschen Bank bei der Postbank noch nicht geklärt. Selbst ein Zeitplan war bereits durchgesickert. Zunächst würde die Deutsche Bank einen Anteil von knapp unter 30 Prozent kaufen. Zudem sollte sie ein Vorkaufsrecht erhalten. Zwar hatte am Donnerstag offiziell auch die spanische Santander ein „unverbindliches Angebot“ abgegeben. Dennoch zweifelte in Frankfurt niemand mehr am Zuschlag für die Deutsche Bank.

Mit deren Einstieg fällt der Startschuss. Deutschlands Bankmanager und ihre Kunden können sich auf ein Duell freuen, wer neben Sparkassen und Genossenschaftsinstituten künftig die große Nummer drei bei Girokonten und Sparbüchern, bei Wertpapieren und im Geschäft mit Mittelstandskunden ist. Die Startbedingungen sind ungleich, ebenso die Handicaps. Am Zieleinlauf jedenfalls zweifelt keiner. Wenn die Deutsche Bank die Postbank in einigen Jahren komplett übernimmt, wird sie mit Abstand die größte Geschäftsbank auf dem heimischen Markt sein.

Fundamentale Unterschiede

Die Transaktion zwischen ihr und der Postbank unterscheidet sich fundamental von dem nicht einmal zwei Wochen zuvor verkündeten Kauf der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Während hier zwei Institute mit ähnlichem Geschäftsmodell, ähnlichen Kunden und ähnlicher Größe zusammenfanden, sind es hier zwei vollkommen verschiedene. Auf der einen Seite die weltweit aktive, stark vom Investmentbanking geprägte und stets unter Arroganzverdacht stehende Deutsche Bank. Auf der anderen Seite die auf Deutschland konzentrierte, eher biedere Postbank, deren Mitarbeiter zu mehr als einem Drittel Beamte sind.

Auch die Vorstandsvorsitzenden der blauen und der gelben Banken sind von unterschiedlichem Naturell. Deutschbanker Josef Ackermann ist Opernfan. Das Herz von Postbank-Chef Wolfgang Klein, wie viele seiner Führungskräfte ein ehemaliger McKinsey-Berater, schlägt für den Ruhrpott-Mythos Schalke 04. Hochrangige Deutsche-Bank-Manager geben freimütig zu, dass beide Institute eine „vollkommen unterschiedliche DNA“ haben.

Das muss kein Nachteil sein. „Transaktionen, mit denen Banken neue Kundengruppen und Geschäftsfelder dazugewinnen, sind grundsätzlich erfolgreicher als Zusammenschlüsse, die nur Kosten sparen sollen“, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Zugleich ist jedoch klar: Es werden sich mittelfristig nur unterdurchschnittliche Synergieeffekte erzielen lassen. Das blaue Quadrat mit Diagonale und die rot-gelben Streifen auf Postauto-gelbem Grund lassen sich nicht zusammenlegen. Einsparungen sind in der zentralen Verwaltung, durch vereinzelte Schließungen von Standorten und durch einen zögerlichen Mitarbeiterabbau möglich. Experten geben diesem Zusammenschluss dennoch fast einhellig bessere Chancen als dem gelb-grünen Bündnis.

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