Deutsche Telekom: Datenskandal: Händler sollen alle Telekom-Daten löschen

Deutsche Telekom: Datenskandal: Händler sollen alle Telekom-Daten löschen

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Überwachungskameras vor der Telekom-Zentrale in Bonn

Der neue Datenschutz-Vorstand der Telekom verlangt, dass die Vertriebspartner alle Kundendaten löschen – die Betroffenen sind empört.

Eigentlich hat Manfred Balz nur eine Aufgabe: Seit er Ende Oktober in den Vorstand der Deutschen Telekom aufrückte und die Verantwortung für den Datenschutz übernahm, durchleuchtet er alle Prozesse und Geschäftsbereiche des Konzerns, um einen neuen Datenskandal zu vermeiden. Schwachstellen hat Balz nicht nur innerhalb der Sparten T-Mobile und T-Home entdeckt. Auch bei den 1130 selbstständigen Vertriebspartnern, den sogenannten Telekom-Partnern, stieß er auf Probleme. Ultimativ hat die Telekom Anfang Dezember alle Händler aufgefordert, alle „auf lokalen Datenträgern gespeicherten personenbezogenen Daten unserer Kunden unverzüglich zu vernichten beziehungsweise datenschutzrechtlich zu löschen“. Die Telekom setzte ihnen dazu eine Frist bis zum 19. Dezember. Bis dahin sollten die Händler schriftlich bestätigen, dass sie die Daten gelöscht haben.

Doch vier Wochen nach dem Ende der Frist hat Balz die strengeren Datenschutzvorgaben längst nicht bei allen Händlern durchgesetzt. Für die Telekom tätige Großhändler wie die Komsa Kommunikation Sachsen melden, dass sich nur jeder vierte Händler zum Löschen der Daten bereit erklärt hat. Beim Konkurrenten Herweck liegt die Quote nach eigenen Angaben nur bei „mehr als 50 Prozent“. Die Telekom räumt inzwischen ein, dass nicht alle Vertriebspartner der Aufforderung zum Löschen der Daten nachgekommen seien. Genaue Zahlen will der Konzern nicht nennen. „Es gibt noch Diskussionen“, heißt es. Die Telekom überlegt, wie sie den Widerstand brechen kann. Doch die Widerspenstigen sind schlecht auf den Konzern zu sprechen.

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Beim Fachblatt „Telecom-Handel“ türmen sich die Protestbriefe. „Ich habe so eine Wut im Bauch“, schreibt eine Fachhändlerin aus Nordrhein-Westfalen. „Wir alle verlieren Provision durch die Löschung der Daten.“ Sie will die Telekom-Aufforderung nicht erfüllen. „Das sind meine Datensätze, die ich mir mühsam zusammengestellt habe.“ Andere Händler werfen der Telekom vor, sie entziehe ihnen die Geschäftsgrundlage für die Pflege der Bestandskunden. „Als erfolgreicher T-Partner schreiben wir unsere Kunden persönlich an. Das scheint nicht mehr gewollt zu sein“, wettert ein Händler und glaubt, dass die Telekom nur Händlerprovisionen sparen will. „Vielleicht ist es eine willkommene Taktik von T-Mobile, die Händler zu dezimieren und alles über die eigene Hotline abzuwickeln.“ 

Doch Telekom-Vorstand Balz gibt nicht nach. Er will die Kontrolle über die Kundendaten in den Konzern zurückholen – etwas, was die Telekom bisher schleifen ließ. Mit einer Vertriebsoffensive wollte Konzernchef René Obermann den Kundenschwund im Festnetz stoppen und die Marktführerschaft im Mobilfunk behaupten. Für die Werbung per Telefon konnten die Fachhändler auch auf sensible Kundendaten zugreifen, denn die konzerneigenen T-Shops und Callcenter reichten als Vertriebskanal nicht aus. Die Telekom drückte beide Augen zu, als die Fachhändler den Verkauf per Telefon ausbauten, ihrerseits – mitunter dubiose – Callcenter einschalteten und alle verfügbaren Kundendaten an Subunternehmer weiterreichten. So kamen Daten von Telekom-Kunden in Umlauf und teilweise auf den Schwarzmarkt.

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