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Deutsche Telekom: Datenskandal: Händler sollen alle Telekom-Daten löschen

von Jürgen Berke

Der neue Datenschutz-Vorstand der Telekom verlangt, dass die Vertriebspartner alle Kundendaten löschen – die Betroffenen sind empört.

Überwachungskameras vor der Quelle: dpa
Überwachungskameras vor der Telekom-Zentrale in Bonn Quelle: dpa
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Eigentlich hat Manfred Balz nur eine Aufgabe: Seit er Ende Oktober in den Vorstand der Deutschen Telekom aufrückte und die Verantwortung für den Datenschutz übernahm, durchleuchtet er alle Prozesse und Geschäftsbereiche des Konzerns, um einen neuen Datenskandal zu vermeiden. Schwachstellen hat Balz nicht nur innerhalb der Sparten T-Mobile und T-Home entdeckt. Auch bei den 1130 selbstständigen Vertriebspartnern, den sogenannten Telekom-Partnern, stieß er auf Probleme. Ultimativ hat die Telekom Anfang Dezember alle Händler aufgefordert, alle „auf lokalen Datenträgern gespeicherten personenbezogenen Daten unserer Kunden unverzüglich zu vernichten beziehungsweise datenschutzrechtlich zu löschen“. Die Telekom setzte ihnen dazu eine Frist bis zum 19. Dezember. Bis dahin sollten die Händler schriftlich bestätigen, dass sie die Daten gelöscht haben.

Doch vier Wochen nach dem Ende der Frist hat Balz die strengeren Datenschutzvorgaben längst nicht bei allen Händlern durchgesetzt. Für die Telekom tätige Großhändler wie die Komsa Kommunikation Sachsen melden, dass sich nur jeder vierte Händler zum Löschen der Daten bereit erklärt hat. Beim Konkurrenten Herweck liegt die Quote nach eigenen Angaben nur bei „mehr als 50 Prozent“. Die Telekom räumt inzwischen ein, dass nicht alle Vertriebspartner der Aufforderung zum Löschen der Daten nachgekommen seien. Genaue Zahlen will der Konzern nicht nennen. „Es gibt noch Diskussionen“, heißt es. Die Telekom überlegt, wie sie den Widerstand brechen kann. Doch die Widerspenstigen sind schlecht auf den Konzern zu sprechen.

Beim Fachblatt „Telecom-Handel“ türmen sich die Protestbriefe. „Ich habe so eine Wut im Bauch“, schreibt eine Fachhändlerin aus Nordrhein-Westfalen. „Wir alle verlieren Provision durch die Löschung der Daten.“ Sie will die Telekom-Aufforderung nicht erfüllen. „Das sind meine Datensätze, die ich mir mühsam zusammengestellt habe.“ Andere Händler werfen der Telekom vor, sie entziehe ihnen die Geschäftsgrundlage für die Pflege der Bestandskunden. „Als erfolgreicher T-Partner schreiben wir unsere Kunden persönlich an. Das scheint nicht mehr gewollt zu sein“, wettert ein Händler und glaubt, dass die Telekom nur Händlerprovisionen sparen will. „Vielleicht ist es eine willkommene Taktik von T-Mobile, die Händler zu dezimieren und alles über die eigene Hotline abzuwickeln.“ 

Doch Telekom-Vorstand Balz gibt nicht nach. Er will die Kontrolle über die Kundendaten in den Konzern zurückholen – etwas, was die Telekom bisher schleifen ließ. Mit einer Vertriebsoffensive wollte Konzernchef René Obermann den Kundenschwund im Festnetz stoppen und die Marktführerschaft im Mobilfunk behaupten. Für die Werbung per Telefon konnten die Fachhändler auch auf sensible Kundendaten zugreifen, denn die konzerneigenen T-Shops und Callcenter reichten als Vertriebskanal nicht aus. Die Telekom drückte beide Augen zu, als die Fachhändler den Verkauf per Telefon ausbauten, ihrerseits – mitunter dubiose – Callcenter einschalteten und alle verfügbaren Kundendaten an Subunternehmer weiterreichten. So kamen Daten von Telekom-Kunden in Umlauf und teilweise auf den Schwarzmarkt.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.05.2009, 15:51 UhrAnonymer Benutzer: Dominik

    Und was sind das für "hochbrisante" Daten, die man als T-Shop Mitarbeiter einsehen kann ? Kontaktdaten, bankverbindung, aktueller Tarif.

    bei Löschung derer kann man dem Kunden auch gleich direkt kündigen

  • 19.01.2009, 20:27 UhrAnonymer Benutzer: Klaus

    ich kann den Artikel nur bestätigen - im letzten Jahr bekam ich zweimal eine bestätigung über die (frei erfundene) bestellung eines neuen (natürlich teureren) Tarifs. Nach Reklamation wurde zwar umgehend storniert, aber solch ein Vorgehen ist einfach unglaublich! Gott sei Dank habe ich mit der Telekom mittlerweile nichts mehr zu tun.
    An sich ist die angestrebte Kontrolle über die Daten wahrscheinlich sogar zu begrüssen, aber durch solche Aktionen sowie die Preis- und Monopolpolitik der vergangenen Jahre hat man eben viel kaputtgemacht. Sollen die ruhig mal die Konsequenz ihrer Arroganz zu spüren bekommen. Wenn denen nicht die Kunden in Scharen davongelaufen wären, wäre bis heute nichts passiert.

  • 19.01.2009, 17:40 UhrAnonymer Benutzer: Der Passwortwechsler345

    Hallo Christian,
    ein Passwort kann man innerhalb weniger Sekunden wechseln! Mein Verdacht ist eher, daß Du auf die Mail eines üblen bauernfänges hereingefallen bist. Da hilft z.b. die Verbraucherzentrale.

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