Deutsche Telekom: Dunkle Wolken über der Telekom-Bilanz

Deutsche Telekom: Dunkle Wolken über der Telekom-Bilanz

Bild vergrößern

Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender der Telekom AG, bekam im Jahr 2009  2,73 Millionen Euro. Macht Platz 20.

 

Foto: dapd

von Jürgen Berke

Die TV-Kabelgesellschaften überholen die Deutsche Telekom mit noch schnelleren Anschlüssen – mit gravierenden Umsatzeinbußen in den kommenden Jahren.

Die Deutsche Telekom erweckt gelegentlich den Eindruck einer Wander-Baustelle. Immer wieder – meist völlig überraschend - tun sich irgendwo im breit gefächerten Magenta-Konzern Löcher in der Bilanz auf, die Telekom-Chef René Obermann zu heftigen Ausweichmanövern zwingen. Ein Trupp bewährter Topmanager rückt dann zum Feuerwehreinsatz raus. Auf diese Art konnte Obermann schon Schieflagen in Deutschland und Großbritannien beseitigen. Im Moment läuft der größte Löscheinsatz bei der  Mobilfunk-Tochter in den USA. Gespannt wartet die Finanzwelt, ob der neue US-Statthalter Philipp Humm tatsächlich seine Versprechen halten und den Giganten AT&T und Verizon mit einer neuen Mehrmarken- und Discount-Strategie Kunden und Marktanteile abnehmen kann.

Jetzt scheint es fast so, als ob sich Geschichte wiederholt. Denn ausgerechnet auf dem Heimatmarkt Deutschland meldet die Deutsche Telekom Probleme. Schon einmal, in den Jahren 2005 und 2006 stürzte der Marktanteil im Neukundengeschäft so stark ab, dass Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke seinen Chefsessel räumen musste. So dramatisch ist es zwar dieses Mal nicht. Doch Analysten betrachten mit Sorge, dass die Deutsche Telekom immer mehr Festnetzkunden an die TV-Kabelnetzbetreiber verliert. Nur weil reumütig eine größere Zahl von Kunden von DSL-Konkurrenten wie Vodafone, O2 oder 1&1 zur Telekom zurückkehrt, halten sich die Marktanteilsverluste im Neukundengeschäft noch in erträglichen Grenzen.

Anzeige

Dramatische Folgen für die Telekom

Im zweiten Quartal in Folge ist vor allem im Geschäft mit schnellen DSL-Internetanschlüssen der Neukundenzuwachs hinter den Erwartungen zurückgeblieben.  Im dritten Quartal war der Marktanteil im Neugeschäft auf 17,8 Prozent abgestürzt, und auch im vierten Quartal, also dem Weihnachtsgeschäft, lag der Marktanteil mit 30,1 Prozent deutlich hinter den Vorjahreswerten – und blieb damit weit hinter den internen Vorgaben zurück.

Für die Deutsche Telekom hat insbesondere Siegeszug der TV-Kabelnetzbetreiber dramatische Folgen. Sie verliert nicht nur wichtige Kunden, sondern auch nicht zu vernachlässigende Miet-Einnahmen. Denn wechselt ein Kunden zu einem DSL-Konkurrenten wie Vodafone, O2 oder 1&1, bekommt die Deutsche Telekom gut die Hälfte des Umsatzes für die Mitbenutzung der Telekom-Leitungen. Bei den TV-Kabelgesellschaften sinken diese Einnahmen auf unter zehn Prozent des Umsatzes, denn diese Konkurrenten benutzen überwiegend eigene Infrastrukturen.

Geringe Zahlungsbereitschaft

Den TV-Kabelgesellschaften kann die Deutsche Telekom nur Paroli bieten, wenn sie mit einem noch schnelleren Glasfasernetz kontert. Der Ausbau verschlingt aber einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag – mit äußerst ungewissen Aussichten, ob sich diese Investition jemals bezahlt macht. Ein Umfrage von United Internet ergab: Viele Haushalte wünschen sich zwar eine höhere Bandbreite, also noch schnelleres Internet. Doch die Zahlungsbereitschaft ist eher gering. Die Hälfte der Deutschen akzeptiert lediglich einen Aufpreis von fünf Euro. Mit solch einer geringen Zusatzeinnahme lässt sich kein Glasfaseranschluss refinanzieren.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%