Deutsche Telekom: Obermann gerät ins Visier des Datenschutzbeauftragten

Deutsche Telekom: Obermann gerät ins Visier des Datenschutzbeauftragten

Geheime Unterlagen der Telekom, die der WirtschaftsWoche vorliegen, geben den Datenskandalen der jüngsten Vergangenheit eine Wendung: Sonderabsprachen mit der einst von Telekom-Chef René Obermann gegründeten Ladenkette The Phone House (TPH) werfen Fragen nach der Mitverantwortung des Telekom-Top-Managements auf und legen einen massiven Verstoß der Telekom gegen die Datenschutzbestimmungen im Telekommunikationsgesetz nahe.

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Logo der Deutschen Telekom auf dem Hauptquartier in Bonn

Die Hintergründe: In einem Kooperationsvertrag, den die Konzerntochter T-Mobile am 2. August 2007 mit TPH abschloss, besiegelten beide Unternehmen, dass TPH künftig kein selbstständiger Mobilfunk-Anbieter mit eigenen Kunden und Tarifen mehr ist, der das Handynetz der Telekom nutzt. Stattdessen sollte TPH künftig als (Groß-) Händler für T-Mobile arbeiten.

In als „streng vertraulich“ gekennzeichneten Zusatzvereinbarungen und Nebenabreden räumte T-Mobile dabei TPH einen Sonderstatus ein: Die mit dem Kundenservice betrauten Callcenter von TPH bekamen uneingeschränkten Zugriff auf die gesamte Datenbank von T-Mobile mit allen persönlichen Daten von 16 Millionen Kunden.

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Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, dem die WirtschaftsWoche das Vertragswerk vorlegte, will den Fall untersuchen. „Es gibt Klärungsbedarf“, sagt Schaar. „Ein unbeschränkter Zugriff auf sämtliche Kundendaten wäre unzulässig. Die Telekom müsste in solchen Fällen den Zugriff auf die tatsächlich zu betreuenden Kunden beschränken.“ Auch die Bundesnetzagentur, ebenfalls von der WirtschaftsWoche informiert, kündigt nach der ersten Durchsicht der Unterlagen eine intensive Prüfung an. Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Vorsitzender des Datenschutz-Beirats der Telekom, zeigte sich gegenüber der WirtschaftWoche erstaunt. Es stelle sich vor allem die Frage, „von welchen Stellen und aus welchen Gründen die Vorbehalte des Konzerndatenschutzes ausgeschlagen worden sind“.

Unterschrieben hat die Verträge und Sonderabsprachen mit TPH der ehemalige Deutschland-Chef von T-Mobile Philipp Humm, der heute Europa-Vorstand von T-Mobile ist. Er setzte sich über Bedenken des Konzerndatenschutzes hinweg, der eine Woche vor der Unterschrift ausdrücklich vor dem Vertragsabschluss warnte: „Die Zugriffsmöglichkeit stellt aus unserer Sicht ein nicht kalkulierbares Risiko dar“, heißt es in der Stellungnahme des Konzerndatenschutzes, die der Wirtschaftswoche vorliegt.

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