Deutsche Telekom: Obermann stoppt Anti-Spionage-Truppe

Deutsche Telekom: Obermann stoppt Anti-Spionage-Truppe

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Der Telekom-Vorstandsvorsitzende Rene Obermann wartet am Donnerstag (30.04.2009) in Köln auf den Beginn der Hauptversammlung.

Der Telekom-Chef will anderen Unternehmen nicht länger bei der Spionageabwehr helfen.

Wollten Vorstände großer deutscher Unternehmen bisher ihr Büro nach Wanzen und anderen Abhörinstallationen durchsuchen lassen, riefen sie oft die Deutsche Telekom zu Hilfe.

Der Konzern hat in Darmstadt eine Sondereinheit stationiert, die dann mit Spürgeräten anrückte und in Gebäuden sowie Kommunikationsnetzen nach Indizien für illegale Lauschangriffe fahndete. Das Team galt in puncto Spionageabwehr und Abhörschutz als das beste, was der deutsche Markt zu bieten hat. Viele Dax-Konzerne arbeiteten schon mit den Experten zusammen, als die Telekom noch dem Staat gehörte und Teil der Bundespost war. In Sicherheitsabteilungen genießen sie den Ruf, alle Tricks ausländischer Geheimdienste zu kennen.

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Doch das Geschäft ist Geschichte, wie es jetzt aus Sicherheitskreisen heißt. Kurz nachdem die Spitzelaffäre in der Telekom publik wurde, wies Vorstandschef René Obermann die „Group Business Security“ überraschend an, die Arbeiten für andere Unternehmen einzustellen und sich ganz auf den Abhörschutz im eigenen Konzern zu konzentrieren.

Nun arbeitet das Team nur noch daran, die Sicherheitsstandards, die für die Zentrale in Bonn und die deutschen Niederlassungen entwickelt wurden, auf alle ausländischen Telekom-Töchter auszudehnen. Anfragen von Fremdunternehmen weist es ab. Der Rückzug der Telekom-Spürtruppe aus externen Unternehmen hinterlässt eine Lücke, die noch kein anderer Dienstleister schließen konnte.

Attacken ausländischer Nachrichtendienste nehmen zu

Auf ausländische Spezialisten wollen viele nicht zugreifen – aus Angst, so auch Betriebsspione ins Unternehmen zu holen.

Und in Deutschland gibt es nur drei öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Abhörsicherheit. Zwei der drei arbeiten bei der Telekom – und gehören zu dem Team in Darmstadt, dessen Mitarbeiter alle eine staatliche Sicherheitsprüfung durchlaufen mussten.

Doch gerade in Krisenzeiten nutzen ausländische Geheimdienste und gut organisierte Kriminelle Sicherheitslücken, um Firmengeheimnisse auszuspähen. Erst kürzlich warnte das Bundeskriminalamt mehr als 100 Manager auf einer nicht öffentlichen Veranstaltung vor zunehmenden Attacken ausländischer Nachrichtendienste.

Telekom-Chef Obermann blieb allerdings keine Wahl. Spitzelaffäre und Datenschutzpannen machten auswärtige Einsätze des Abhörschutzes zu riskant.

Denn natürlich gab es Kontakte zwischen Mitarbeitern des Spürtrupps und dem Bereich Konzernsicherheit in der Bonner Konzernzentrale, der Spitzelaufträge vom damaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und vom damaligen Vorstandschef Kai-Uwe Ricke erhalten haben soll. „Im Sinne unserer Kunden, die eine so sensible Dienstleistung von uns fordern, warten wir die vollständige Aufklärung durch die Ermittlungsbehörden ab“, heißt es in einer Stellungnahme der Telekom. Insider aber erwarten, dass die Abteilung nie wieder für fremde Unternehmen aktiv sein wird.

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