Deutsche Telekom: Obermanns globale Rückzugstour

KommentarDeutsche Telekom: Obermanns globale Rückzugstour

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Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender der Telekom AG

von Jürgen Berke

Die Börsen feiern zwar René Obermann für den Verkauf seiner US-Tochter an AT&T. Doch für den Telekom-Chef ist es das Eingeständnis einer schweren Niederlage.

Wer René Obermann persönlich kennt, der weiß, dass der oft als "Bulldozer" beschriebene Telekom-Chef sensibler ist, als es nach außen den Anschein hat. Niederlagen steckt der Telekom-Chef ganz schwer weg. Auch persönliche Attacken verzeiht er selten. Insofern kann er jetzt ganz gelassen vor die Hauptversammlung am 12. Mai treten. Der wichtigsten Forderung seiner Kritiker, nämlich den Verkauf des US-Geschäfts, ist Obermann gefolgt. Der Beifall der Aktionäre ist ihm gewiss, wie die heutigen Freudensprünge der T-Aktie zeigen – die teilweise 15 Prozent zulegte.

Der überraschend hohe Verkaufserlös in Höhe von 39 Milliarden US-Dollar verdeckt aber, dass Obermann gerade seine schwerste Niederlage eingesteckt hat. Trotz der vielen Rückschläge hatte der Telekom-Chef immer mit viel Herzblut für einen Verbleib in den USA gekämpft. Wieder und wieder stellte er die tollen Wachstumschancen jenseits des Atlantiks heraus. Obermann hatte auch mehr als andere Vorstände den globalen Expansionskurs von Vor-Vorgänger Ron Sommer unterstützt – selbst dann noch, als der schon mit dem Rücken zur Wand agierte und den Rückhalt im Aufsichtsrat verlor.

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Obermanns persönliche Tragödie

Dass ausgerechnet Obermann nun als der Telekom-Chef in die Geschichte eingeht, der Sommers viel zu teure Akquisitionen zurück abwickelt, ist seine persönliche Tragödie.

Die Mobilfunk-Tochter in Großbritannien hatte Obermann bereits im vergangenen Jahr in ein Joint-Venture mit France Télécom eingebracht. Jetzt folgt die vorläufig letzte und vielleicht schmerzlichste Etappe auf dieser globalen Rückzugstour: Der Verkauf von T-Mobile in den USA.

Auch wenn Obermann bis zuletzt an einer alternativen, weniger radikalen Lösung gearbeitet hat, dem in allen Punkten überlegenen Übernahmeangebot von AT&T konnte der Telekom-Chef nichts entgegensetzen. Gegen nackte Zahlen können auch Emotionen nichts ausrichten, selbst wenn sie – wie bei Obermann – von der Spitze des Konzerns kommen.

Insofern war es nur folgerichtig, dass Obermanns Zahlenmeister Timotheus Höttges heute Morgen gegenüber den Medien die wesentlichen Bestandteile des Milliardendeals erläutert hat. Normalerweise wäre das Chefsache gewesen. Doch so trocken wie Finanzvorstand Höttges hätte Obermann seine Lieblings-Tochter nicht verkaufen können.

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