Deutsche Telekom: Spitzelaffäre: Aufsichtsrats-Vize Schröder mit Aufklärung durch Vorstandschef Obermann unzufrieden

Deutsche Telekom: Spitzelaffäre: Aufsichtsrats-Vize Schröder mit Aufklärung durch Vorstandschef Obermann unzufrieden

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Verdi-Vertreter und Telekom-Aufsichtsratsvize Lothar Schröder

Der Vize-Vorsitzende des Telekom-Aufsichtsrates, Lothar Schröder, wertet die Bespitzelungsaffäre des Konzerns als Anschlag auf die Tarifautonomie.

Das Telefon klingelte gegen 18 Uhr. Lothar Schröder hob ab – und war überrascht. Am Apparat war Telekom-Chef René Obermann. Es tue ihm Leid, sagte Obermann, aber Schröder müsse damit rechnen, dass er zu den Bespitzelungsopfern in der Telekom-Affäre gehöre. Schröder war schockiert. Schließlich ist er stellvertretender Vorsitzender des Telekom-Aufsichtsrates und gehört dem Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an.

Damit zieht die Spitzel-Affäre der Telekom weitere Kreise.

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„Mir kann keiner erzählen, dass die Bespitzelung der Aufsichtsräte ein zufälliges Abfallprodukt ist“, empört sich Schröder. Schließlich ist er nicht der Einzige im Telekom-Aufsichtsrat, der betroffen ist. Ähnliche Anrufe erhielten auch Wilhelm Wegner, Lothar Holzwarth, Josef Falbisoner und das frühere Mitglied Franz Treml sowie Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Bei einigen meldete sich Obermann selbst, andere informiert er über die Rechtsabteilung der Telekom.

Bis auf Treml sitzen alle Betroffenen derzeit als Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat. Deshalb schimpft Schröder: „Für uns ist das ein Anschlag auf die Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie. Wie sollen wir unsere Interessen wirksam vertreten, wenn auf der Gegenseite Buch darüber geführt wird, mit welchen Mitgliedern, Politikern und Journalisten wir Kontakt haben?“

Für Schröder ist die Bespitzelungsaffäre „Ausfluss einer Unternehmenskultur, der jedes Mittel zur Durchsetzung der Unternehmensinteressen recht ist und in der einigen offensichtlich das Rechtsstaatsbewusstsein fehlt.“

Wer wann genau ausspioniert wurde, weiß Schröder allerdings immer noch nicht. Da half ihm auch der Anruf des Telekom-Chefs nicht weiter. „Wir wissen weder, welche Anschlüsse und Telefonate ausgespäht wurden und wie lange die Aktion gedauert hat“, klagt Schröder. „Und wieso muss ich von dem Unternehmen von einer neuen Dimension erfahren, das diesen Rechtsbruch vertreten hat? Wieso verständigt der Staatsanwalt nicht als Erstes die Betroffenen? Was würde Obermann wohl sagen, wenn er von mir über weitere Details informiert worden wäre?“

Alarmiert sind die Aufsichtsräte zudem über die von der WirtschaftsWoche aufgedeckte Abhöraffäre. Damals berichtete das Magazin, dass die Regulierungsbehörde die Telekom bis 2001 nicht auf die Einhaltung der Vorschriften überwacht habe, und die Telekom 1997 eigene Geräte für Abhöraktionen anschaffen wollte. „Warum sollten Leute, die es mit den Telefondaten nicht so genau nehmen, dabei haltmachen?“, fragt Schröder jetzt. Auch Ex-Innenminister Gerhart Baum, der als Rechtsanwalt die betroffenen Aufsichtsratsmitglieder berät, fordert Aufklärung: „Ich verstehe nicht, warum die Staatsanwaltschaft die von der WirtschaftsWoche aufgedeckten Abhörmaßnahmen und den in den Jahren danach offensichtlich in Angriff genommenen Aufbau eigener Abhöreinrichtungen nicht verfolgt. Auch wenn die Vorfälle verjährt sein sollten“, so Baum weiter, „bedarf dieser Komplex dringend einer umfassenden Aufklärung, weil möglicherweise Rückschlüsse auf die in jüngster Zeit begangenen Straftaten zu ziehen sind.“

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