Deutsche Telekom: Telekom-Chef Obermann setzt in den USA alles auf eine Karte

Deutsche Telekom: Telekom-Chef Obermann setzt in den USA alles auf eine Karte

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann, stellt am Donnerstag, 6. August 2009, in der Konzernzentrale in Bonn, Nordrhein-Westfalen, auf der Bilanzpressekonferenz die Konzernergebnisse fuer das erste Halbjahr 2009 vor. (AP Photo/Hermann J. Knippertz) --- The CEO of Deutsche Telekom Rene Obermann speaks during a news conference in the company headquarter in Bonn, Germany, on Thursday, Aug. 6, 2009. Germany's Deutsche Telekom AG said Thursday that its second-quarter profit rose 32 percent as it reaped the benefits of acquiring Greek company OTE. The company confirmed its outlook for the rest of the year. (AP Photo/Hermann J. Knippertz)

von Matthias Hohensee und Jürgen Berke

Telekom-Chef René Obermann kämpft gegen einen Verkauf der US-Mobilfunktochter – und setzt damit seine Karriere aufs Spiel.

René Obermann nahm sich 37 Minuten Zeit, um alle Spekulationen über einen Rückzug aus den USA zu zerstreuen. „Gerüchte kommen und gehen“, sagte der Telekom-Chef in New York auf dem jährlichen Treffen der Telekom-Konzernchefs bei der Investmentbank Goldman Sachs. Dann bekannte er sich deutlich wie lange nicht zum umstrittenen Mobilfunk-Engagement in den USA. „Der amerikanische Markt ist sehr attraktiv“, erklärte Obermann den Bankern. „Das mobile Internet wächst schneller als in vielen anderen Ländern und gleicht das unter Druck geratene Telefongeschäft mehr als nur aus.“

Damit lehnt sich Obermann weit aus dem Fenster. Zum wiederholten Mal hatten Vorstand und Aufsichtsrat auf ihrer Klausurtagung nach den Sommerferien über die Zukunft von T-Mobile USA debattiert. Wie in den Vorjahren konnte der Telekom-Chef die Kontrolleure nach langer Diskussion überzeugen, dass sich die derzeitige Schwächephase mit sinkenden Umsätzen und Marktanteilen überwinden lasse. Das mobile Datengeschäft biete noch ein riesiges Potenzial. Einen Verkauf des US-Mobilfunkgeschäfts werde es mit ihm an der Spitze daher nicht geben.

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Erstmals knüpft Obermann sein Schicksal an einen Erfolg der US-Tochter – und geht ein hohes Risiko ein. T-Mobile USA wuchs zwar in den vergangenen Jahren schneller als andere Auslandsgesellschaften der Deutschen Telekom. Allein im vergangenen Jahr schaffte die US-Tochter mit vier Millionen Neukunden 14 Prozent plus. Doch die Aufholjagd hat nicht viel gebracht. T-Mobile USA ist mit 34 Millionen Kunden weiter die kleinste unter den vier landesweit operierenden Mobiltelefongesellschaften. In den vergangenen Monaten vergrößerte sich der Abstand zu den mehr als doppelt so großen Marktführern Verizon Wireless (87,7 Millionen Kunden) und AT&T Wireless (79,6 Millionen Kunden) sogar wieder.

Sinkende Marge

Marktforscher wie die kanadische IE Market Research erwarten, dass Verizon und AT&T in den kommenden drei Jahren die Marke von 100 Millionen knacken, während T-Mobile im gleichen Zeitraum weniger stark zulegt und mit einem Nettozuwachs von gerade mal sechs Millionen Neukunden weiter Anteile verliert.

Die vor drei Jahren verabschiedete Mittelfristplanung wäre dann Makulatur. Der vom damaligen T-Mobile-Chef Obermann mitverantwortete und vom Vorstand als „solide“ gekennzeichnete Plan ging davon aus, dass sich mehr Investitionen in den USA lohnen, wenn die Mobilfunktochter bei allen wichtigen Kennziffern zulegt. Marktanteil, Gesamtumsatz und Umsatz pro Kunde sollten durch die Einführung mobiler Datendienste steigen. Dann wäre „langfristig“, laut Geschäftsplan, eine operative Gewinnmarge von über 35 Prozent realistisch.

Davon ist die US-Tochter weit entfernt. Der Umsatz sinkt, der Umsatz pro Kunde stagniert, und die operative Gewinnmarge fiel zuletzt auf unter 28 Prozent. Hinter vorgehaltener Hand fragen sich Großaktionäre wie der Finanzinvestor Blackstone, ob aus dem US-Engagement noch ein solides Geschäft wird.

Obermanns Möglichkeiten

Obermann ist in einer schwierigen Lage; alle Optionen haben einen Haken:

- Ein Verkauf von T-Mobile USA würde zwar rund 30 Milliarden Euro einbringen und einen Großteil des Schuldenbergs in Höhe von 45 Milliarden Euro abtragen. Doch für Obermann wäre der Rückzug das Eingeständnis einer Fehlentscheidung. Denn von dem in den USA eingesetzten Kapital in Höhe von 61 Milliarden Euro (siehe Grafik) würde die Telekom weniger als die Hälfte zurückbekommen.

- Ein Zukauf des Konkurrenten Sprint Nextel würde auf dem Papier zwar eine starke Nummer drei mit insgesamt 80 Millionen Kunden schaffen. Doch Experten warnen vor dem Deal. Denn der drittgrößte US-Player ist ein Sanierungsfall mit schwindenden Kundenzahlen. Entsprechenden Übernahmespekulationen ist Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges kürzlich entgegengetreten.

- Macht T-Mobile USA alleine weiter, müsste Obermann erneut 10 bis 15 Mil-liarden Dollar in die Infrastruktur investieren, damit aus dem Netz eine konkurrenzfähige Datenautobahn wird. Doch auch dann ist es schwer, sich gegen Verizon Wireless und AT&T durchzusetzen. Beide bieten Telefon, Mobilfunk, Internet und Kabelfernsehen in günstigen Komplettpaketen aus einer Hand an.

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