
Die Telekom räumt ein, dass eine „technische Beschränkung der Zugriffsmöglichkeiten auf Daten der von TPH betreuten Kundengruppe zum fraglichen Zeitpunkt noch nicht möglich war“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Ein Missbrauch sei aber nicht festzustellen, auch eine Massendatenabfrage sei nicht möglich gewesen. Inzwischen sei die technische Anpassung des Systems erfolgt.
Damit legte die Telekom den Grundstein für ein kaum zu kontrollierendes Einfallstor für Datenmissbrauch. Denn die Vereinbarung mit TPH enthielt eine zweite Geheimklausel. In einer „Nebenabrede“ lockerte T-Mobile das bis dahin bestehende vertragliche Verbot für TPH, externe Subunternehmer für die Telefonakquise und für Haustürgeschäfte einsetzen zu dürfen. TPH sollte wie andere Großhändler und Hauptvertriebspartner von der Verkaufsoffensive der Telekom bei Mobilfunkverträgen und DSL-Anschlüssen profitieren. TPH wurde damit Teil der pyramidenförmigen Vertriebsmaschine, die der Telekom 2007 völlig entglitt.
Verantwortlich für die Verträge und Sonderabsprachen mit TPH war T-Mobile-Chef Humm. Ihm waren die Vereinbarungen so wichtig, dass er sich über Bedenken der konzerneigenen Datenschützer hinwegsetzte. „Faktisch hat TPH damit Zugang zu den personenbezogenen Daten aller T-Mobile-Kunden“, heißt es in einer E-Mail am 27. Juli 2007, in der der Konzerndatenschutz die Verträge bewertete. Dabei stellten die internen Datenschützer ausdrücklich fest: „Die Zugriffsmöglichkeit stellt aus unserer Sicht ein nicht kalkulierbares Risiko dar.“
Telekom-Führungsspitze in der Kritik
Vor allem aber machten die Datenschützer unmissverständlich klar, dass die T-Mobile-Geschäftsführung durch ihre Vorgehensweise den Kern des Unternehmens gefährde: „Der Kundendatenbestand ist das Fundament des T-Mobile-Geschäfts. Das zugriffsoffene System schafft damit letztlich die Möglichkeit zur unfreiwilligen Preisgabe eines der wesentlichen Geschäftsgeheimnisse des Unternehmens.“
In die Kritik gerät damit die Führungsspitze der Deutschen Telekom. Konzernchef Obermann, berichten Insider, sei über die Verhandlungen mit seiner Ex-Firma informiert gewesen. Der damalige Vertriebsvorstand und heutige Finanzchef Timotheus Höttges nahm zeitweise selber an Gesprächen mit dem TPH-Management und der britischen Muttergesellschaft Carphone Warehouse teil. Ohne Rückendeckung von oben, sagen Telekom-Manager, hätte Humm nicht seine Unterschrift unter dieses hochbrisante Vertragswerk gesetzt.
Auch Datenschutz-Vorstand Manfred Balz, der sich in der Spitzelaffäre als Aufklärer profiliert, beim Aufarbeiten der Datenskandale aber viel weniger Elan zeigt, gerät durch den Fall in die Schusslinie. Damals gab er als Leiter der Rechtsabteilung, die alle wichtigen Verträge vorgelegt bekam, seinen Segen zu den Klauseln, die im Verdacht stehen, gegen geltende Datenschutzgesetze zu verstoßen.
Bundesdatenschutzbeauftragte will die Sachlage prüfen
Die Telekom weist die Vorwürfe zurück: „Die namentlich genannten Personen beziehungsweise die höheren Management-Ebenen generell waren nicht mit den Datenschutz-Bedenken befasst“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Die Telekom gibt aber zu: „Heute würde unser Haus eine solche Entscheidung alleine im Vertrauen auf das vertragskonforme Verhalten eines externen Vertriebspartners nicht mehr treffen.“
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, dem die WirtschaftsWoche das Vertragswerk vorlegte, will den Fall untersuchen. „Es gibt Klärungsbedarf“, sagt Schaar. „Ein unbeschränkter Zugriff auf sämtliche Kundendaten wäre unzulässig. Die Telekom müsste in solchen Fällen den Zugriff auf die tatsächlich zu betreuenden Kunden beschränken.“
Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom, will ebenfalls vom Vorstand wissen, „von welchen Stellen und aus welchen Gründen die Vorbehalte des Konzerndatenschutzes ausgeschlagen worden sind“.
Auch die Bundesnetzagentur kündigt eine intensive Prüfung an.














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Alle Kommentare lesen25.02.2010, 15:32 UhrAnonymer Benutzer: Telekom-Geschädigter
Die Telekom bleibt eine kriminelle Organisation: Anlegerbetrug bei der T- Aktie, Abrechnungsbetrug, Vertragsbrüche durch Umstellung von Kundenverträgen etc., Abhörskandale etc. Es ist keine Frage der Zeit, wann jemand diesem Laden das Handwerk legt. Dieser kriminelle Laden bleibt und Obermann auch. Sie haben es noch nicht mal mehr nötig, symbolische bauernopfer zu bringen. Hurra Deutschland!
Der Kunde sollte entscheiden...
25.02.2010, 12:20 UhrAnonymer Benutzer: Experte 2
@ Experte
persönlicher Rachefeldzug? Das ist doch wohl ein Witz. Es wird zeit, dass sich mehr Journalisten mit der T befassen und üner die Zustände offen berichten. Seitens der T wird doch immer nur das zugegeben, was eh schon bekannt ist. Offene Kommunikation? Fehlanzeige. Der Aufwand der bei der T für Verneblung und Schönrederei bezahlt wird geht allen verloren. Kunden, Mitarbeitern und Aktionären. Die ganze T ist doch nur noch ein Scherbenhaufen der von Obermann und Co systematisch ausgenommen wird. Zum Glück geht es nicht um Menschenleben oder Verkehrssicherheit wie bei der Db. Aber das System ist völlig gleich. Ausbluten lassen zum Wohle der Aktionäre und Manager.
25.02.2010, 09:07 UhrAnonymer Benutzer: Udo
Mafia in Deutschland; bei uns geht es in Sachen Wirtschaftsverbrechen fast schon schlimmer zu wie in Neapel.