
Rational ist bei der Rational AG auf den ersten Blick nur der Name. Denn das, was die Großküchengeräte des Unternehmens aus dem bayrischen Landsberg am Lech können, grenzt für den Laien ein wenig an Zauberei. Ob gefüllte Ente, Krustenbraten, Spareribs, Hähnchen, Forelle, Brokkoli oder Spiegelei: Das Self Cooking Center, wie der Ofen von Rational neudeutsch heißt, gart alles vollautomatisch auf den Punkt. Die Bayern stellen Edelstahlschränke her, die backen, braten, grillen, dämpfen, dünsten, blanchieren und pochieren können. Fünf verschiedene Heißluftgeschwindigkeiten lassen selbst heikle Kreationen wie Soufflés, Windbeutel oder Biskuits gelingen – auf Wunsch sogar über Nacht. Ein Ofen, der ganze Küchenbrigaden ersetzt, jede Menge Platz spart und sich nach getaner Arbeit selbst reinigt. Die Kunden von Rational sind Profiköche: Chefs von Kantinen, Großküchen, Caterern und Spitzenrestaurants. Die bis zu 30.000 Euro teuren Gargeräte stehen im Kreml und in der Kantine einer peruanischen Goldmine, in den Küchen des Top-hotels Burj al Arab in Dubai und der Lufthansa, auf dem Kreuzfahrtdampfer Aida, bei den Nato-Truppen in Afghanistan und in den Spitzenrestaurants von Paul Bocuse oder Alfons Schuhbeck. Mit 900 Mitarbeitern und mehr als 280 Millionen Euro Umsatz ist Rational zwar kein großes Unternehmen. Aber auf seinem Gebiet ist es unangefochten Spitze: Der Weltmarktanteil liegt bei 53 Prozent. Rational ist ein Weltmeister – und nur ein Beispiel unter Hunderten. Es sind schon lange nicht mehr nur die Konzerne wie DaimlerChrysler, ThyssenKrupp, Metro oder Henkel, die mit Exportschlagern die globalen Märkte erobern, Niederlassungen im Ausland gründen oder ihre Produktion dorthin verlagern. Auch der deutsche Mittelstand und selbst Kleinstunternehmen beherrschen die Klaviatur der Globalisierung. Ein Großteil des deutschen Exportbooms geht auf das Konto mittelständischer Unternehmen. Wie viele deutsche Weltmeister es tatsächlich gibt, das herauszufinden hat sich Bernd Venohr, Professor für Strategisches Management an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin, zur Lebensaufgabe gemacht. In jahrelanger Arbeit hat er in seiner Datenbank weltweit führende Unternehmen zusammengetragen: kleine und große, börsennotierte und familiengeführte, Maschinenbauer und Logistiker, Hersteller von mobilen Toilettenanlagen, Panzern, Glockenspielen und Gefäßprothesen. Allein bei Unternehmen ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz zählt Venohr rund 1300 deutsche Weltmarktführer.
Daneben gebe es „sicherlich noch weit über 1000 Mikro-Weltmarktführer“ in Kleinstnischen, schätzt der Wissenschaftler. Eine Übersicht über die je fünf größten Weltmeister in ihren Branchen aus Venohrs Datenbank finden Sie in den Tabellen auf den folgenden Seiten. Von Beiersdorf – mit Nivea führend bei Hautpflegeprodukten – über die Lübecker Drägerwerk AG mit Geräten für die Notfallmedizin bis zu den optisch-elektronischen Systemen von Carl Zeiss in Oberkochen, ob die badische Herrenknecht AG als weltgrößter Hersteller von Tunnelbohrmaschinen, Glasbau Hahn aus Frankfurt als Lieferant für Vitrinen in allen großen Museen dieser Welt oder die Trumpf-Gruppe aus Ditzingen im Bereich industrieller Lasertechnik: In der Mehrzahl profitieren die hiesigen Unternehmen von der Globalisierung, also der weltweiten Öffnung der Märkte für Waren, Kapital und Dienstleistungen. Und legen damit die Basis für den aktuellen Wirtschafts- und Jobboom in Deutschland. Venohrs Forschungsschwerpunkt sind die Erfolgsstrategien vor allem mittelständischer Weltmarktführer. Neben volkswirtschaftlichen Gründen hat Venohr vor allem drei betriebsinterne Faktoren identifiziert, die Unternehmen in die Weltspitze führen: die Beherrschung profitabler Nischen, die Kombination aus Familienbesitz und professionellem Management sowie eine operative Exzellenz, die höchste Qualität sicherstellt. Wie gut wir dastehen, zeigt eine Studie der Harvard Business School: Ihr zufolge haben deutsche Unternehmen in den meisten Branchen von 1997 bis 2005 (jüngere Zahlen liegen noch nicht vor) trotz der zunehmenden Konkurrenz der Schwellenländer Marktanteile im weltweiten Export hinzugewonnen. Besonders stark legte Deutschland zu bei Luftfahrt und Rüstung, Flugzeugmotoren, Baudienstleistungen und Automobilen. „Dennoch überwiegt in Deutschland immer noch die negative Wahrnehmung“, klagt Venohr. So hat sich der Anteil der Deutschen, die in der Globalisierung mehr Risiken als Chancen sehen, nach einer Allensbach-Umfrage seit Ende der Neunzigerjahre fast verdoppelt: von 25 Prozent 1998 auf 47 Prozent im vergangenen Jahr. Sie fürchten sinkende Einkommen oder Arbeitslosigkeit durch die billiger produzierende Konkurrenz aus dem Ausland. „Diese Skepsis könnte zu einem neuen Protektionismus führen“, warnt Jürgen Matthes, Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaftspolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Matthes hat Thesen der Globalisierungskritiker auf den Prüfstand gestellt. Und belegt in einer aktuellen Studie, dass die Bundesrepublik weiter zu den Gewinnern der Globalisierung zählen wird.










