Also organisierte er für die Mütter, die im Kindergarten lernten, eine Betreuung für die Sprösslinge – sonst nicht unbedingt Hauptaufgabe einer Handwerkskammer. Aus den Kursen entwickelten er und seine Kollegen im Laufe der Zeit Bausteine für die Weiterbildung. Inzwischen sind daraus normale Seminare geworden, für die die Teilnehmer auch bezahlen.
Das alles setzte bei den Augsburger Handwerkern Selbsterkenntnis voraus. „Für viele Migranten sind wir eine Behörde, die bedrohlich wirkt und Ängste auslöst“, sagt Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben. Das mussten seine Leute erfahren, als sie Migranten auf herkömmlichem Weg für Weiterbildung gewinnen wollten.
Handwerker bilden sich selbst in interkulturellen Fragen aus
Wie es sich gehört, hatten die Kammermitarbeiter potenzielle Kandidaten mit Migrantenhintergrund bürokratisch korrekt angeschrieben. Rückmeldungen gab es so gut wie keine. Im Gegenteil: Die sich bei der Kammer meldeten, fragten erschrocken, ob sie etwas falsch gemacht hätten. Diese Schwellenangst, verbunden mit Respekt vor Behörden, versucht Handwerksfunktionär Bottlang auf seine Weise abzubauen. Während andere Kammern noch immer vom Standesdenken geprägt sind, nehmen die Augsburger Partner ins Boot, die sich um die Eingliederung von Migranten bemühen, etwa die örtlichen Vereine „Tür an Tür“ oder „Integration durch Sprache“. Der Vorteil: Jeder Beteiligte macht das, was er am besten kann. Der Flüchtlingsverein hat die Kontakte zu Migranten, die Sprachschule die ausgebildeten Lehrer, und die Handwerkskammer bringt ihre Erfahrung in der Weiterbildung ein.
Auf diese Weise wurden Projekte wie „Handwerkliche Grundqualifizierung für Flüchtlinge“ oder „Weiterbildung zur kaufmännischen Büroassistentin für Frauen mit Zuwanderungshintergrund“ angeschoben. Etliche Teilnehmer fanden dadurch einen Job, drei von ihnen arbeiten bei der Handwerkskammer selbst. Die Projektfinanzierung durch die EU ist zwar ausgelaufen, doch Bottlang und seine Mitstreiter kämpfen gerade um Bundesmittel für ein Anschlussprojekt zur Anpassungsqualifizierung von Migranten.
Auch für ein anderes Vorzeigeprojekt fehlt noch die Finanzierung: Bottlang und andere wollen in Augsburg ein Integrationszentrum schaffen, das die erste Anlaufstelle für Migranten werden soll. Hier sollen Mitarbeiter der Vereine, der Migrantenorganisationen aber auch der Handwerkskammer einziehen.
Die Augsburger Handwerker gehen noch einen Schritt weiter – sie bilden sich selbst in interkulturellen Fragen weiter. 125 Mitarbeiter, vom Lehrmeister bis zur Geschäftsführung, sowie etliche Handwerksunternehmer nahmen in einem Seminar die eigenen Vorurteile und Wertvorstellungen unter die Lupe.
Für viele seien die zwei Tage ein „Aha-Erlebnis“ gewesen, sagt Hauptgeschäftsführer Wagner. Deshalb hat die Kammer entschieden, das Selbsterfahrungsseminar weiter anzubieten. „Die kleinen Betriebe fangen an zu begreifen“, sagt der Augsburger Integrationsbeauftragte Vogl, „dass ihre eigene interkulturelle Kompetenz gefragt sein wird, wenn sie gute Leute haben wollen.“
* Name von der Redaktion geändert














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Alle Kommentare lesen07.10.2008, 10:24 UhrAnonymer Benutzer: EMIC
Tut mir leid aber hier wurde abartig schlecht Recherchiert, liebe Wirtschaftswoche.
1. Der Artikel wurde unter baden-Württemberg verschlagwortet. Augsburg ist aber die Hauptstadt des bayrischen Regierungsbezirkes Schwaben. Der hat mit baden-Württemberg rein gar nichts zu tun.
2. Der Ausländeranteil in Augsburg, meiner Heimatstadt, ist mitnichten der Höchste in der Republik. Richtig ist: in Norddeutschland ist entgegen des dortigen Selbstbildes (man sei ja so multikulturell und soviel internationaler als das "tiefste bayern") der Ausländeranteil generell erheblich geringer als im Süden. in München beträgt der Ausländeranteil fast 24%, in Stuttgart etwas mehr als 23%, Frankfurt etwas mehr als 21%, Düsseldorf knapp 18 und Köln knapp 17%. Auch Ausländer ziehen natürlich dorthin wo der Wohlstand am höchsten ist und nicht unbedingt ins Armenhaus der Republik (->die bundeshauptstadt), auch wenn sich berlin selbst natürlich als weltläufig sieht. Und rechnet man die vielen Zugezogenen "Preußen" mit ein so sind die Einheimischen hier eh schon lange in der Minderheit.
3. Richtig ist dass derlei integrationsbemühungen in Augsburg weder neu sind noch auf die Handwerkskammer beschränkt. Die Wirtschaft ist hier eher ein Nachzügler während andere bereiche, zb die Schulen, da schon viel weiter sind.
06.10.2008, 09:56 UhrAnonymer Benutzer: walter
Die gute Seite der Globalisierung: Arbeitnehmer suchen sich besser bezahlte und mit weniger Abgaben belastetete Jobs im Ausland; bislang vorwiegend nur Ärzte und Studenten. Wenn in Deutschland die Abgabenbelastung nicht sinkt und die Gehälter nicht steigen so bricht der binnenmarkt zusammen.
05.10.2008, 19:27 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt
Hmm. Wenn "die Migranten" sich nicht integrieren, werden wir Türkisch lernen, damit sie für die Pennies und Groschen arbeiten, die ein Arbeiter in diesem Lande netto herausbekommt. irgend etwas stimmt hier nicht. Das erinnert mich an die polnischen Spargelstecher, die früher jedes Jahr nach Deutschland zur Erntezeit kamen, weil deutsche Arbeitslose lieber vor der Glotze mit einer bierflasche hockten. Meine intuition sagt mir, dass wir für die schwäbische Wendehalsigkeit noch bitter bezahlen werden.