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Deutschland-Serie: Lösung für den Lehrlingsmangel

von Stefani Hergert

Die Handwerkskammer für Schwaben führt vor, wie Betriebe Migranten gewinnen, um dem Lehrlingsmangel zu begegnen.

Weiterbildungsleiter Bottlang (links), Lehrmeister Wolfgang Engert: "Das Interesse war riesig" Quelle: Armin Brosch für WirtschaftsWoche
Weiterbildungsleiter Bottlang (links), Lehrmeister Wolfgang Engert: "Das Interesse war riesig" Quelle: Armin Brosch für WirtschaftsWoche
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In seiner Heimat leitete Ali Sadre* eine Schuhfabrik. Der Iraker war hoch qualifiziert und sehr erfahren – doch auf dem deutschen Arbeitsmarkt zunächst ohne Chance. „Er kann hier sicher nicht mehr als Betriebsleiter arbeiten“, erkannte Markus Bottlang, Geschäftsbereichsleiter Bildung der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg. Dafür konnte der Iraker etwas, wonach Betriebe in Deutschland händeringend suchen: Schuhe von Hand fertigen. Das macht er jetzt wieder – in einem orthopädischen Fachgeschäft in Schwaben.

Bildungsexperte Bottlang ist der Mann für Migranten in der Augsburger Handwerkskammer. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, Einwanderer fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu machen und seine Kollegen für das Thema zu sensibilisieren. „Hat der nichts Wichtigeres zu tun?“, fragten am Anfang skeptische Kollegen.

Nein, das hat Bottlang nicht. Denn ohne Migranten, so viel steht fest, werden er und seine Handwerker bald ganz schön Probleme bekommen – in der Stadt wie im ganzen Land. Mit 16,7 Prozent ist Augsburg die Großstadt mit dem größten Ausländeranteil Deutschlands, selbst Berlin rangiert mit 14 Prozent dahinter. Rechnet man die Aussiedler etwa aus der ehemaligen Sowjetunion hinzu, hat ein Drittel der knapp 275.000 Augsburger Bürger einen Migrationshintergrund, bei den Kindern und Jugendlichen ist es sogar fast jeder Zweite.

Migranten als qualifizierte Mitarbeiter entdeckt

Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, warnte bereits vor einem bundesweiten Lehrlingsmangel durch rückläufige Geburtenzahlen und Schulabgänger. Doch während Schleyer den Betrieben empfiehlt, Lehrlinge aus EU-Staaten anzuwerben, konzentriert Bottlang sich so beharrlich wie vorbildlich auf die potenziellen Mitarbeiter vor der eigenen Haustür: auf die unzähligen Fachkräfte anderer Herkunft, bei denen es mit der Sprache hapert oder deren Ausbildung hierzulande nicht anerkannt wird.

„Die Handwerkskammer hat begriffen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Migranten qualifizierte Mitarbeiter sind“, lobt Robert Vogl, Integrationsbeauftragter der Stadt Augsburg, den wackeren Handwerksvertreter. Sogar im fernen Düsseldorf sind die bayerischen Schwaben ein Vorbild: „Die Kammer ist die erste, die sich durch und durch interkulturell geöffnet hat“, sagt Wolfgang Fehl, Projektkoordinator in der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk (ZWH) in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

In Augsburg haben Bottlang und seine Kollegen erkannt, dass sie neue Wege gehen müssen, um Migranten als Arbeitskräfte für das Handwerk zu gewinnen. Dazu schalteten sie – bis dahin unvorstellbar in ihrem Metier – Anzeigen in russisch- und türkischsprachigen Zeitungen und besuchten Festveranstaltungen der Migranten. „Es geht oft nur über den persönlichen Kontakt“, sagt Bottlang.

Gleichzeitig stellte er in Kindergärten mit hohem Migranten-Anteil kostenlose Kurse zur Weiterbildung von Gebäudereinigern vor. „Das Interesse bei den Müttern der Kinder war riesig“, erinnert sich Bottlang. Genauso groß war aber auch die Angst der Frauen vor der fremden Umgebung, in der sie sich zu den Vorträgen einfinden sollten. Kurse in der Handwerkskammer, erkannte Bottlang schnell: unmöglich.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.10.2008, 10:24 UhrAnonymer Benutzer: EMIC

    Tut mir leid aber hier wurde abartig schlecht Recherchiert, liebe Wirtschaftswoche.

    1. Der Artikel wurde unter baden-Württemberg verschlagwortet. Augsburg ist aber die Hauptstadt des bayrischen Regierungsbezirkes Schwaben. Der hat mit baden-Württemberg rein gar nichts zu tun.

    2. Der Ausländeranteil in Augsburg, meiner Heimatstadt, ist mitnichten der Höchste in der Republik. Richtig ist: in Norddeutschland ist entgegen des dortigen Selbstbildes (man sei ja so multikulturell und soviel internationaler als das "tiefste bayern") der Ausländeranteil generell erheblich geringer als im Süden. in München beträgt der Ausländeranteil fast 24%, in Stuttgart etwas mehr als 23%, Frankfurt etwas mehr als 21%, Düsseldorf knapp 18 und Köln knapp 17%. Auch Ausländer ziehen natürlich dorthin wo der Wohlstand am höchsten ist und nicht unbedingt ins Armenhaus der Republik (->die bundeshauptstadt), auch wenn sich berlin selbst natürlich als weltläufig sieht. Und rechnet man die vielen Zugezogenen "Preußen" mit ein so sind die Einheimischen hier eh schon lange in der Minderheit.

    3. Richtig ist dass derlei integrationsbemühungen in Augsburg weder neu sind noch auf die Handwerkskammer beschränkt. Die Wirtschaft ist hier eher ein Nachzügler während andere bereiche, zb die Schulen, da schon viel weiter sind.

  • 06.10.2008, 09:56 UhrAnonymer Benutzer: walter

    Die gute Seite der Globalisierung: Arbeitnehmer suchen sich besser bezahlte und mit weniger Abgaben belastetete Jobs im Ausland; bislang vorwiegend nur Ärzte und Studenten. Wenn in Deutschland die Abgabenbelastung nicht sinkt und die Gehälter nicht steigen so bricht der binnenmarkt zusammen.

  • 05.10.2008, 19:27 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Hmm. Wenn "die Migranten" sich nicht integrieren, werden wir Türkisch lernen, damit sie für die Pennies und Groschen arbeiten, die ein Arbeiter in diesem Lande netto herausbekommt. irgend etwas stimmt hier nicht. Das erinnert mich an die polnischen Spargelstecher, die früher jedes Jahr nach Deutschland zur Erntezeit kamen, weil deutsche Arbeitslose lieber vor der Glotze mit einer bierflasche hockten. Meine intuition sagt mir, dass wir für die schwäbische Wendehalsigkeit noch bitter bezahlen werden.

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