Deutschland-Serie: Lösung für den Lehrlingsmangel

Deutschland-Serie: Lösung für den Lehrlingsmangel

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Weiterbildungsleiter Bottlang (links), Lehrmeister Wolfgang Engert: "Das Interesse war riesig"

Die Handwerkskammer für Schwaben führt vor, wie Betriebe Migranten gewinnen, um dem Lehrlingsmangel zu begegnen.

In seiner Heimat leitete Ali Sadre* eine Schuhfabrik. Der Iraker war hoch qualifiziert und sehr erfahren – doch auf dem deutschen Arbeitsmarkt zunächst ohne Chance. „Er kann hier sicher nicht mehr als Betriebsleiter arbeiten“, erkannte Markus Bottlang, Geschäftsbereichsleiter Bildung der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg. Dafür konnte der Iraker etwas, wonach Betriebe in Deutschland händeringend suchen: Schuhe von Hand fertigen. Das macht er jetzt wieder – in einem orthopädischen Fachgeschäft in Schwaben.

Bildungsexperte Bottlang ist der Mann für Migranten in der Augsburger Handwerkskammer. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, Einwanderer fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu machen und seine Kollegen für das Thema zu sensibilisieren. „Hat der nichts Wichtigeres zu tun?“, fragten am Anfang skeptische Kollegen.

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Nein, das hat Bottlang nicht. Denn ohne Migranten, so viel steht fest, werden er und seine Handwerker bald ganz schön Probleme bekommen – in der Stadt wie im ganzen Land. Mit 16,7 Prozent ist Augsburg die Großstadt mit dem größten Ausländeranteil Deutschlands, selbst Berlin rangiert mit 14 Prozent dahinter. Rechnet man die Aussiedler etwa aus der ehemaligen Sowjetunion hinzu, hat ein Drittel der knapp 275.000 Augsburger Bürger einen Migrationshintergrund, bei den Kindern und Jugendlichen ist es sogar fast jeder Zweite.

Migranten als qualifizierte Mitarbeiter entdeckt

Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, warnte bereits vor einem bundesweiten Lehrlingsmangel durch rückläufige Geburtenzahlen und Schulabgänger. Doch während Schleyer den Betrieben empfiehlt, Lehrlinge aus EU-Staaten anzuwerben, konzentriert Bottlang sich so beharrlich wie vorbildlich auf die potenziellen Mitarbeiter vor der eigenen Haustür: auf die unzähligen Fachkräfte anderer Herkunft, bei denen es mit der Sprache hapert oder deren Ausbildung hierzulande nicht anerkannt wird.

„Die Handwerkskammer hat begriffen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Migranten qualifizierte Mitarbeiter sind“, lobt Robert Vogl, Integrationsbeauftragter der Stadt Augsburg, den wackeren Handwerksvertreter. Sogar im fernen Düsseldorf sind die bayerischen Schwaben ein Vorbild: „Die Kammer ist die erste, die sich durch und durch interkulturell geöffnet hat“, sagt Wolfgang Fehl, Projektkoordinator in der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk (ZWH) in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

In Augsburg haben Bottlang und seine Kollegen erkannt, dass sie neue Wege gehen müssen, um Migranten als Arbeitskräfte für das Handwerk zu gewinnen. Dazu schalteten sie – bis dahin unvorstellbar in ihrem Metier – Anzeigen in russisch- und türkischsprachigen Zeitungen und besuchten Festveranstaltungen der Migranten. „Es geht oft nur über den persönlichen Kontakt“, sagt Bottlang.

Gleichzeitig stellte er in Kindergärten mit hohem Migranten-Anteil kostenlose Kurse zur Weiterbildung von Gebäudereinigern vor. „Das Interesse bei den Müttern der Kinder war riesig“, erinnert sich Bottlang. Genauso groß war aber auch die Angst der Frauen vor der fremden Umgebung, in der sie sich zu den Vorträgen einfinden sollten. Kurse in der Handwerkskammer, erkannte Bottlang schnell: unmöglich.

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