DFL-Chef Seifert : "Bei einem Totalverbot würde auch Lotto kollabieren"

DFL-Chef Seifert : "Bei einem Totalverbot würde auch Lotto kollabieren"

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Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert

von Peter Steinkirchner

Der Chef der Deutschen Fußball Liga über die Zukunft der Sportwetten, über die die Bundesländer kommende Woche beraten, und die Zerstückelung des Liga-Spielplans.

WirtschaftsWoche: Herr Seifert, nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, der Anfang September das Monopol des Staates auf Glücksspiele wie Lotto und Sportwetten infrage gestellt hat, muss Deutschland das Glücksspiel neu regeln. Bis dahin herrscht ein rechtliches Vakuum. Was passiert, wenn jetzt ein Bundesligist im Stadion für private Wettanbieter wirbt?

Seifert: Zurzeit wäre das eher kontraproduktiv, da es das Klischee der gierigen Proficlubs bedienen würde. Auszuschließen ist es nicht – ebenso, dass der eine oder andere Club aus einer der anderen Profiligen wie Eishockey, Handball oder Basketball in nächster Zeit einen Versuch startet. Und dann wird es spannend sein, zu sehen, ob jemand Klage dagegen einreicht und wie ein Gericht entscheiden würde.

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Beim Profisport knallten nach dem Urteil die Sektkorken, weil viele nun mit der Zulassung privater Sportwettenanbieter rechnen. Schnell kursierten 400 Millionen Euro Mehreinnahmen, die die Fußballclubs von den Wettanbietern bekommen – ist das nicht viel zu optimistisch?

Die Clubs der Bundesliga erzielen mit Werbung und Merchandising jetzt schon Einnahmen von fast 500 Millionen Euro jährlich – vor diesem Hintergrund kann ich mir kaum vorstellen, dass mögliche Werbe-Mehreinnahmen aus dem Bereich Sportwetten gleich in solche Größenordnungen vorstoßen. Allerdings halte ich eine deutliche Steigerung der Werbe-Erlöse für möglich. Zwar werden sich die Werbeflächen rund um den Fußball nun nicht vervielfachen. Aber die einzelnen Verträge werden sicher werthaltiger.

Was passiert, wenn die Politik ihr Wettmonopol betoniert?

Dann geht es weiter wie bisher oder wird sogar noch schlimmer – und das wäre völlig absurd. Denn natürlich gäbe es die Möglichkeit, das bisherige Lotto- und Sportwetten-Monopol auch noch auf die bislang ausgesparten Bereiche Pferdewetten und Automatenspiele auszuweiten, um dem Urteil des EuGH zu folgen. Allerdings würde es dann wirklich kurios: Der Staat betriebe dann womöglich eigene Spielhallen – das kann ich mir auch als Bürger schlecht vorstellen.

Käme es so, würden private Sportwettenanbieter weiter draußen bleiben?

Ja, und die Folgen wären fatal: Dem Staat entgingen weiter Steuereinnahmen in Millionenhöhe und zugleich die Möglichkeit, über ein Lizenzverfahren und Konzessionen wirklich manipulationsgefährdete Wettangebote...

...wie Wetten auf den nächsten Einwurf...

...zu verbieten – gleichzeitig gingen dem Profi- und auch dem Breitensport weiter viel Geld verloren. Und schließlich würde der Sportwettkunde weiterhin massenhaft auf im Ausland lizenzierte Internet-Anbieter ausweichen. Entscheidender ist aber: Ohne jede Werbung und bei einem totalen Internet-Verbot würde nach der staatlichen Sportwette auch Lotto kollabieren. Und da geht es nicht mehr um Millionen, sondern um Milliarden.

Was geschieht mit dem derzeitigen Wett-Monopolisten Oddset?

Wenn die Entwicklung so weitergeht, ist Oddset in wenigen Jahren wahrscheinlich Geschichte – ob mit oder ohne private Konkurrenz. Noch wird ja damit argumentiert, dass Oddset immerhin 35 Prozent Steuern zahlt. Oddset hatte aber vor einigen Jahren noch einen Umsatz von 500 Millionen Euro – heute liegt der bei 185 Millionen. Wenn das so weitergeht, kann ich nur sagen: 35 Prozent von nichts sind nichts.

Was wäre der Ausweg?

Man wäre klüger beraten, zwei getrennte Staatsverträge zu verabschieden – einen Lotto-Staatsvertrag, der dem Staat das Monopol für Lotto belässt und damit die Sicherheit für einen etwa acht Milliarden Euro schweren Markt. Und einen anderen für Sportwetten, einen Markt, der auf einen Umsatz von fünf bis sieben Milliarden Euro geschätzt wird.

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