Die SAP-Chefs Kagermann und Apotheker im Interview: "SAP ist im Mittelstand erfolgreich"

Die SAP-Chefs Kagermann und Apotheker im Interview: "SAP ist im Mittelstand erfolgreich"

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SAP-Manager Henning Kargermann und Léo Apotheker

SAP in der Krise? Mitnichten, sagen Henning Kagermann und Léo Apotheker, die beiden Chefs des weltgrößten Herstellers von Unternehmenssoftware.

Wirtschaftswoche: Herr Apotheker, erst die Verschiebung eines lange angekündigten neuen Produkts, dann eine Enttäuschung bei den jüngsten Quartalszahlen sowie ein dümpelnder Aktienkurs – Ihren Einstand als Co-Chef von SAP hätten Sie sich doch gewiss unter anderen Vorzeichen vorgestellt?

Léo Apotheker:  Ich beurteile die Situation gar nicht so, wie Sie es andeuten. SAP ist hervorragend aufgestellt. Das Kerngeschäft der SAP läuft sehr gut, auch im Mittelstand sind wir sehr erfolgreich, unsere Profitabilität bauen wir kontinuierlich aus – daher bin ich sehr zufrieden, gerade jetzt Co-CEO von SAP geworden zu sein.

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Da unterscheidet sich Ihre Wahrnehmung doch sehr von der Ihrer Investoren.

Apotheker:  Meine Sichtweise ist: Wenn SAP keine Herausforderungen hätte, dann wäre dieser Job nicht interessant, und dann glaube ich nicht, dass mich das Unternehmen brauchen würde. Die Softwarebranche insgesamt befindet sich in einer äußerst interessanten Zeit. Fast alle Lebensbereiche werden heute von Software durchdrungen und SAP kann als Marktführer die Zukunft mitgestalten.

Herr Kagermann, Sie führen jetzt SAP gemeinsam mit Léo Apotheker. Sie haben in Sachen Doppelspitze eine gewisse Erfahrung: Bevor Sie 2003 alleiniger Vorstandsvorsitzender wurden, haben Sie SAP zusammen mit SAP-Mitgründer Hasso Plattner geleitet. Wozu überhaupt eine Doppelspitze?

Henning Kagermann: Durch die Doppelspitze schaffen wir einen fließenden Übergang. Im Laufe der nächsten Monate kann ich so nach und nach mehr Aufgaben auf Léo übertragen. Wir beide fokussieren uns natürlich gemeinsam auf die Geschäftsziele 2008. Aber Léo wird sich zusätzlich verstärkt Gedanken machen über die Strategie von SAP über unsere mittelfristigen Ziele hinaus.

Herr Apotheker, düpiert es Sie nicht, dass man Ihnen den Job als Kagermann-Nachfolger nicht aus dem Stand zutraut, sondern dass Sie sich gewissermaßen erst mal ein Jahr an der Seite Ihres Vorgängers warmlaufen müssen?

Apotheker:  Nein, ich sehe das als ein Privileg. Die gleitende Übergabe mit einer Doppelspitze gibt auch dem Unternehmen Sicherheit und hat im Übrigen auch Tradition bei SAP. Das ist für alle Beteiligten – Kunden, Mitarbeiter und auch mich selbst – die beste Lösung. Henning Kagermann ist ein außerordentlicher CEO und Mensch, ich freue mich jeden Tag, dass ich mit ihm zusammenarbeiten darf. 

Sie haben sich kürzlich von Ihrem Ziel verabschiedet, bis 2010 eine Milliarde Dollar Umsatz mit Ihrer neuen Mittelstandssoftware Business By Design zu machen. Das soll erst 12 bis 18 Monate später passieren. Warum?

Apotheker:  Mit Business By Design wollen wir ja nicht nur ein neues Produkt auf den Markt bringen, sondern gleichzeitig auch ein komplett neues, Internet-basiertes Geschäftsmodell etablieren. Dafür müssen wir einen reibungslosen Vertrieb sowie die Nutzung des Systems über das Web sicherstellen. Denn nur so können wir die Gesamtkosten reduzieren, damit Preis und Marge stimmen. Wir sind bereits gut unterwegs. Um aber alles nahtlos hinzubekommen, brauchen wir etwas mehr Zeit als ursprünglich veranschlagt – das ist eigentlich alles.

Dennoch hat Ihre Ankündigung, weniger in Ihre Mittelstandslösung zu investieren, die Märkte erschreckt.

Kagermann: Was haben wir denn genau getan? Wir haben uns entschieden, ein moderateres Tempo bei der Markteinführung zu wählen. Denn wir wollen mit der neuen Software ja Geld verdienen. Gleichzeitig werden wir die Zeit nutzen und noch einige Details genauer bearbeiten, bevor wir mit dem Volumengeschäft starten.

Welche Dinge sind das?

Apotheker: Wir haben uns beispielsweise auf die Fahne geschrieben, die operativen Kosten des neuen Produkts für unsere Kunden um den Faktor zehn zu reduzieren. Das bedeutet aber, dass es jede Menge Automatisierung im Ablauf der Systeme geben muss. Da sind wir noch nicht, wo wir sein wollen. Gleiches gilt für den Vertrieb: Um ein derartiges Geschäft für uns profitabel zu betreiben, muss es möglichst wenige menschliche Schnittstellen zwischen dem System und einem potenziellen Kunden geben. Auch da müssen wir noch Abläufe verbessern – aber das sind alles Dinge, die lösbar sind.

Und das dauert anderthalb Jahre?

Kagermann: Wir benötigen das Feedback unserer bestehenden Referenzkunden. Ohne das geht es nicht, wir müssen das Konzept eines Produkts, des Vertriebsmodells im Markt testen – so etwas kann man nicht im Labor simulieren. Ein Beispiel für den Test am Markt ist die Performance über das Internet, die wir noch verbessern werden. Aber diese Zeit müssen wir uns auch nehmen, da wir einen vollkommen neuen Markt angehen.

Aber es gibt doch schon Anbieter wie etwa Salesforce.com, die ihre Software über das Internet anbieten. Neu ist das Geschäft da doch wohl nur für SAP.

Kagermann: Business By Design ist nicht vergleichbar mit anderen Lösungen auf dem Markt. Wir bieten ein komplettes Softwarepaket mit viel mehr Funktionalitäten, größerer Flexibilität und einer ganz neuen Technologie an – und das per Internet. Das macht bisher noch niemand.

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