Diehl Aerosystems: Harmonisch gewachsener Flugzeugausstatter

Diehl Aerosystems: Harmonisch gewachsener Flugzeugausstatter

von Rüdiger Kiani-Kreß

Das Joint Venture Thales des Nürnberger Diehl Konzerns und Thales zeigt, dass deutsch-französisches Management durchaus konfliktfrei funktionieren kann - wenn eine Seite die klare Führung hat.

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Diehl Aerosystems

Wer bei einem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen ausschließlich Machtkämpfe erwartet, der war noch nie in Laupheim. In der kleinen Stadt knapp 20 Kilometer südlich von Ulm praktiziert Diehl Aerosystems das Gegenmodell zu den von Airbus und EADS gewohnten franko-germanischen Kleinkriegen. „Bei uns läuft die Zusammenarbeit praktisch reibungslos und extrem sachlich“, sagt Rainer von Borstel. Der 51-Jährige leitet seit dem vergangenen Oktober die Tochter des Nürnberger Technologie- und Rüstungskonzerns Diehl.

Bei Diehl Aerosystems sind die zwei großen der insgesamt drei Sparten ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Thales. Das Unternehmen mit seinen 3000 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von 600 Millionen Euro und einem – so Konzernchef Thomas Diehl – „ordentlichen Gewinn“ ist einer der wichtigsten Zulieferer im Flug- und Rüstungsgeschäft. Diehl produziert Flugelektronik und Kabineneinrichtungen für alle großen Zivilhersteller wie Airbus und Boeing sowie für militärische Programme wie Tornado, Eurofighter und A400M.

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Von Borstel hat in seiner Karriere erlebt, dass es auch ganz anders laufen kann als bei Diehl. Schließlich war er bis zum Jahr 2008 einer der führenden Manager bei Airbus, der wichtigsten Tochter des deutsch-französischen Luftfahrtkonzerns EADS, den ständig binationale Konflikte ereilen.

Macht teilen macht zufrieden

Dass Geschäfte statt Grabenkämpfen den Alltag in Oberschwaben, in den Fabriken am Bodensee und den rund zwölf weiteren Standorten von Diehl Aerosystems, dominieren, ist kein Zufall. „Letztlich haben Diehl und Thales meistens das Gegenteil dessen getan, was beim Aufbau der EADS gemacht wurde“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Wichtigster Grund für das Gelingen ist, dass die Machtverhältnisse eindeutig geklärt sind. Während bei EADS Deutsche und Franzosen gleichberechtigt sind, setzt Diehl auf Vertrauen und Kontrolle. Darum ist Thales nicht am ganzen Teilkonzern der Diehl Aerosystems beteiligt, sondern nur an zwei der drei Töchter, und auch das nur mit weniger als der Hälfte der Anteile.

Das trägt auch dazu bei, dass vom Einfluss der französischen Mutter bei der Projektarbeit wenig zu spüren ist. „Laupheim oder der Bodensee liegen zwar geografisch nicht so weit weg von Paris“, formuliert es ein Insider. „Aber im gelebten Alltag des Unternehmens ist es bis nach Paris schon eher eine Weltreise.“

Zudem ist die Zusammenarbeit langsam gewachsen – und nicht wie bei der EADS von Politikern beschlossen und schnell umgesetzt worden. Diehl und Thales starteten vor gut 20 Jahren auf kleiner Flamme mit ein paar gemeinsamen Projekten. Als die gut liefen, gab es 1997 ein Gemeinschaftsunternehmen, in dem Diehl seinem französischen Partner Thales immer größere Anteile überließ – aber auch einen großen Teil der nötigen Investitionen. Dabei ist das Gemeinschaftsunternehmen letztlich nicht nur zu klein, um darüber einen Streit zu beginnen, sondern auch zu wertvoll.

Denn Thales erhält über Diehl nicht nur Zugang zum deutschen Markt, sondern ergänzt über den Zivilflugbereich hinaus auch sein Verteidigungsgeschäft. Obendrein kann Thales aufgrund der Innovationskraft von Diehl Aerosystems und der Erfahrung der Deutschen etwa bei der besonders innovativen Kabinenbeleuchtung als Systemanbieter für Flugzeug-Inneneinrichtungen auftreten. Auf diese Weise dürfte die Kooperation noch eine Weile wachsen und gedeihen.

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