ADAC: Der ADAC ist auf dem richtigen Weg

KommentarADAC: Der ADAC ist auf dem richtigen Weg

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Der ADAC ist auf dem richtigen Weg, findet Franz Rother.

von Franz W. Rother

Das 10 Punkte Reform-Programm kann nur ein Anfang sein. Der Club braucht ein wirksames Controlling und einen Aufsichtsrat, der sich nicht allein aus altgedienten Funktionären zusammensetzt.

Alice Schwarzer und Helmut Lienssen sei Dank – die Aufregung um die Gelben Engel, um die Manipulation eines eher zweitklassigen Autopreises und um einen Automobilclub im Zwiespalt zwischen Gemeinnützigkeit und Profitstreben, scheint allmählich abzuebben. Tatsächlich gibt es derzeit wichtigere Dinge in Deutschland als die Frage, wie es geschehen konnte, dass ein Kommunikationschef eines Großunternehmens möglicherweise über Jahre hinweg schalten und walten konnte, ohne dass ihm der Vorgesetzte oder das Controlling dazwischen fuhr. Immerhin haben uns die Ereignisse einiges gelehrt über Europas größten und angeblich so mächtigen Automobilclub: Der ADAC ist einerseits ein Idealverein mit dem Zweck der „Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrtwesens, des Motorsports und des Tourismus“, der nach seiner Satzung die Interessen der Verkehrsteilnehmer als Verbraucher wahrnimmt und sich ganz offen und unverblümt seit jeher bemüht, auf die Verkehrspolitik im Interesse der Autofahrer und anderer Verkehrsteilnehmer Einfluss zu nehmen. Und andererseits ist der ADAC in den zurückliegenden 30 Jahren ein Wirtschaftskonzern geworden, der mit dem Verkauf von Dienstleistungen und Versicherungen aller Art inzwischen Milliardengeschäfte macht.

Der Club selbst, das muss man ihm zugute halten, hat weder um das eine, noch um das andere ein Geheimnis gemacht. Die Satzung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs kann jedes Mitglied im Internet ebenso einsehen wie die Konzernbilanz. Und in Berlin ist seit Jahren bekannt, wofür der ADAC steht und wer für die Interessen der Autofahrer in diesem Land noch kämpft – Monica Berg, die Leiterin des ADAC-Präsidialbüros in Berlin, ist bei Parteien wie Verbänden so bekannt wie ein bunter Hund und kämpft mit offenem Visier. Und für die Geschäfte und Bilanzen des Clubs und seiner Wirtschaftstöchter haben sich lange Zeit nur eine Handvoll Wirtschaftsjournalisten interessiert, für die Satzung allenfalls nur ein paar Funktionäre und Wirtschaftsprüfer.

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Insofern hat die Affäre um die Goldenen Engel auch etwas Gutes: Sie sorgt für Transparenz und motiviert die Mitglieder vielleicht auch, sich den Club, dem sie aus welchen Gründen auch immer beigetreten sind, einmal genauer anzusehen. Einige könnten sich dadurch veranlasst sehen, sich aktiver am Clubleben zu beteiligen und sich stärker einzumischen – der ADAC-Führung, aber auch dem Club selbst täte eine Verjüngung auf jeden Fall gut.

Reformplan ADAC beschließt 10-Punkte-Plan zur Erneuerung

Nach den Manipulationen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ und anderen Vorwürfen hat der Autoclub einen 10-Punkte-Plan zum angekündigten Reformkurs beschlossen. Der Club lobt Besserung.

Der ADAC hat einen Reformplan entwickelt. Quelle: dpa

Zu tun gibt es in den kommenden Wochen und Monaten noch genug, nicht nur in Clubzentrale in München. Die Affäre hat manche Wucherungen und Fehlentwicklungen aufgedeckt, die im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass sich die Organisation in den zurückliegenden drei Jahrzehnten nicht in gleichem Maße entwickelt hat wie das Geschäft – der Club ist darüber außer Kontrolle geraten. Überwacht wird die 1981 gegründete, milliardenschwere Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH zwar von hauptamtlichen Profis und Vollzeitkräften.

Die Aufsicht obliegt aber einer Runde aus ehrenamtlichen und gewählten Teilzeitfunktionären des Präsidiums sowie des Verwaltungsrats, die zwar Erfahrungen als Vorsitzende von Ortsclubs einbringen, bei hochkomplexen Sachverhalten wie der Finanzierung von Großprojekten aber überfordert sind und mitunter etwas hemdsärmelig agieren. So hat sich das Unternehmen zwar durchaus löbliche Compliance-Regeln gegeben. Doch ausgelegt wurden sie generös. Und manchmal, so scheint es, ließ man sie auch völlig außer Acht – Augen zu und durch, schien das Motto.

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