ADAC-Hauptversammlung: So wichtig und doch so falsch

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KommentarADAC-Hauptversammlung: So wichtig und doch so falsch

von Florian Zerfaß

Der ADAC wirbt bei seiner Hauptversammlung für einen Neuanfang, der kommissarische Chef August Markl zeigt sich demütig, selbstkritisch, spricht viele wichtige Punkte an – und setzt doch die falschen Schwerpunkte.

Sogar die Konkurrenz war gekommen, um beim Neuanfang des ADAC dabei zu sein. Vor dem Ort der ADAC-Hauptversammlung, dem Kongresszentrum in Saarbrücken, parkte der weit kleinere Konkurrent Auto Club Europa (ACE) einen silberfarbenen Abschleppwagen mit blinkenden orangenen Warnlichtern. Daneben platzierte der ACE als besonderen Gruß ein großformatiges Plakat: „Lieber ADAC, für die Zukunft wünschen wir Euch eine pannenfreie Fahrt.“ Ganz gleich wie viel in diesem grammatisch nicht ganz unfallfrei formulierten Wunsch an Aufrichtigkeit steckte und wie viel an Provokation: Die nächste Panne ließ nicht lange auf sich warten.

Sechs Seiten Manuskript hatte August Markl schon vorgetragen, der Erste Vizepräsident und derzeit kommissarische Präsidiumschef des ADAC, als er vom Vordruck abwich. Kurzerhand rief er die Delegierten zur Abstimmung, „natürlich außerhalb des Protokolls“, und bat um Handzeichen derjenigen, die seine zuvor beschriebene „Reform für Vertrauen“ unterstützen. Es gingen viele Hände nach oben, wie viele war kaum erfassbar, so schnell wie Markl ein „Ich danke Ihnen“ einwarf –und fertig war er. Wie die Delegierten hier in wenigen Sekunden überfahren wurden sagte viel aus über den Ablauf der ganzen Veranstaltung: Wohl klingende Worte gab es viele, Selbstkritik und hehre Absichten auch, aber eigentlich schienen es viele vor allen Dingen hinter sich bringen zu wollen – Augen zu und durch.

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Es gab einige erstaunte Gesichter nach der spontanen Abstimmung, die nichts weiter war als Symbolpolitik. Dass keine tief greifenden Reformbeschlüsse wie etwa Satzungsänderungen zu erwarten sein würden, war von vornherein klar. Das ist sogar verständlich, eine Organisation mit 19 Millionen Mitgliedern und 8900 Mitarbeitern lässt sich nun mal nicht im Schnelldurchgang runderneuern. Und doch blieb es erstaunlich, wie wenig Konkretes Markl und seine Vorstandskollegen zu liefern hatten. Vor allem aber, wie wenig der viel beschworene Geist der Veränderung gelebt wurde. Markls spontaner Aufruf zum Handzeichen war schon alles, was die Delegierten an dieser Stelle zum Thema beitragen durften – eine Diskussion zum Vortrag über den Reformprozess gab es nicht. Die wäre dabei durchaus angebracht gewesen, denn bei allem, was Markl an Richtigem und Wichtigem sagte: Er setzte die falschen Schwerpunkte.

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Während das Amtsgericht München aktuell darüber befindet, ob der ADAC mit seinen umfangreichen Wirtschaftsaktivitäten den Status als Idealverein behalten darf, sprach Markl über alte Fehler und das neue Selbstverständnis, er redete ausführlich über Leistungen und Produkte, Studien, Tests und Preise, über Management- und Aufsichtsstrukturen, ein Compliance-System. Keine Frage, eine Neuordnung des Clubs ist unumgänglich, eine transparente Struktur mit klarer Verantwortung und Kontrolle muss her. Was hierzu gesagt wurde ist schön und gut, vor allem aber: Es ist zuallererst auf die wirtschaftlichen Aktivitäten gemünzt. Der eigentliche Kern des Vereins, die Mitglieder und deren künftige Beteiligung, ging im Vergleich dazu unter. Nur zwei Absätze widmete Markl dem Thema Mitgliedereinbindung – und präsentierte an diesem Punkt statt einer Reform noch nicht einmal ein Reförmchen.

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