ADAC-Jahresbilanz: Krise kostet mehr als 30 Millionen Euro

ADAC-Jahresbilanz: Krise kostet mehr als 30 Millionen Euro

von Matthias Kamp

Die Schummeleien um den „Gelben Engel“ kosten den ADAC noch immer viel Geld. Mit einer neuen Compliance-Beauftragten will der Automobilclub solche Krisen in Zukunft vermeiden.

Gut 16 Millionen Euro hat der ADAC im vergangenen Jahr für die Bewältigung der Compliance-Krise ausgegeben. Im laufenden Jahr könnte noch einmal ein ähnlich hoher Betrag anfallen, sagte Klaus-Peter Reimer, ADAC-Vizepräsident für Finanzen, heute in München. Im Januar 2014 war bekannt geworden, dass der Automobilclub Ergebnisse des Automobilpreises „Gelber Engel“ manipuliert hatte.

August Markl, Präsident des krisengeschüttelten Vereins, weist allerdings darauf hin, es sei von München aus nicht ein einziger Cent der Mitgliedsbeiträge zur Bekämpfung der Folgen der Krise ausgegeben worden. Die Vereinstochter Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH (BuW), in der die kommerziellen Aktivitäten – wie etwa Versicherungen – des ADAC gebündelt sind, hat der Mutter rund 16 Millionen Euro überwiesen. Ob allerdings einer der deutschlandweit 18 Regionalclubs Mitgliedsbeiträge zur Bewältigung der Ansehenskrise aufgewendet hat, können weder Reimer noch Markl sagen.

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Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

Insgesamt mehr als eine Million Deutsche haben im vergangenen Jahr ihre ADAC-Mitgliedschaft gekündigt, fast doppelt so viele wie 2013. Dazu kamen im Jahr 2014 226.000 erloschene Mitgliedschaften durch Sterbefälle. Erfreulich für den Automobilclub allerdings: Gut eine Million Autofahrer sind im vergangenen Jahr dem ADAC neu beigetreten. So liegt die Zahl der Mitglieder heute, so wie vor Ausbruch der Krise bei fast 19 Millionen. Ernsthaft sorgen müssen sich die Münchner also kaum.

Intern ist der ADAC immer noch mitten in der Erneuerung. Markl will Auswüchse wie in der Vergangenheit verhindern. Derzeit arbeitet der ADAC an einer komplett neuen Strategie. Markl spricht von einer „Dachstrategie“, unter der weitere, etwa eine Markenstrategie, zusammengefasst sind. Organisiert wird der ADAC künftig in drei Säulen: dem ADAC e.V., einer Aktiengesellschaft mit den geschäftlichen Aktivitäten und einer Stiftung für gemeinnützige Aufgaben. Bis Ende des Jahres soll das neue Gerüst stehen.

Als Konsequenz aus der Krise wird die BuW des ADAC ihre Luxemburger Versicherungstochter, die Arisa, verkaufen oder abwickeln. Der Versicherer hat wenig mit den Kernaktivitäten des ADAC zu tun, sondern verkauft vor allem Kfz-Versicherungen an Privatkunden, etwa in Frankreich. Zuletzt stand die hundertprozentige Tochter Arisa für weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes der BuW in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. „Arisa passt nicht mehr zu uns“, sagt Marion Ebentheuer, Mitglied der Geschäftsführung und zuständig für das Geschäft mit Finanzdienstleistungen.

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Ähnlich wie große Konzerne baut auch der ADAC zurzeit an einem organisatorischen Rahmen, der die Einhaltung der kürzlich  verabschiedeten Compliance-Richtlinien überwachen soll. Schon bald will der ADAC dazu eine Compliance GmbH gründen. Dort sollen sechs Mitarbeiter sitzen. Ihnen steht eine Compliance-Beauftragte vor, die der Automobilclub in der kommenden Woche vorstellen will. Fündig geworden sind die Münchner bei einem deutschen Konzern. Zusätzlich gibt es einen Compliance-Ausschuss, besetzt unter anderem mit Präsidiumsmitgliedern und Vertretern der Regionalclubs. Insgesamt sollen künftig haupt- und nebenberuflich 50 ADAC-Mitarbeiter die Einhaltung der Compliance-Regeln überwachen.

Die Compliance-Beauftragte soll bei Verdachtsfällen unangemeldet bei den Regionalclubs auftauchen können und Zugang zu Unterlagen und Dateien bekommen. Außerdem will München in den Regionalclubs ein Whistleblower-System implementieren. Gegen beides gibt es heftigen Widerstand aus den Regionen. Eines der Haupteinfallstore für Filz und Vetternwirtschaft kann Markl denn auch nicht schließen: die föderale Struktur des ADAC mit den weit reichenden Befugnissen der Regionalclubs.

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