ADAC: Maulkorb für die Pannenhelfer

ADAC: Maulkorb für die Pannenhelfer

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ADAC will auf Kosten der Abschleppdienste die Einnahmen steigern.

von Rüdiger Kiani-Kreß und Claudia Tödtmann

Äußerlich gibt sich der ADAC nach Skandalen geläutert. Intern geht es ruppig zu: Der Club will auf Kosten der Abschleppdienste die Einnahmen steigern. Und wer gegen die neuen Regeln verstößt, muss zahlen.

Als August Markl im Mai 2016 erneut als ADAC-Präsident antrat, gab er sich geläutert. „Wir wollen wieder das werden, was wir vor der Krise waren: die vertrauenswürdigste Organisation Deutschlands“, sagte der 68-Jährige da. Verbal zog Markl damit einen Schlussstrich unter die im Jahr 2014 aufgedeckten Affären um manipulierte Umfragen und persönliche Bereicherung, die das Image des gemeinnützigen Vereins kräftig ramponiert hatten.

Um Deutschlands mit Abstand größten Verein ist es seither tatsächlich erstaunlich ruhig geworden. So stieg die Zahl der Mitglieder nach einem vergleichsweise kleinen Rückgang im Skandaljahr 2014 inzwischen wieder um fast 700 000 auf nunmehr 19,6 Millionen. Selbst eine Beitragserhöhung um rund zehn Prozent auf bis zu 89,50 Euro konnte den Aufwärtstrend nicht bremsen.

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Intern aber gärt es. Grund für den Aufruhr: Der Verein will den Partnerunternehmen, die für ihn die Pannenhilfe übernehmen, neue Verträge aufzwingen. Im schlechtesten Fall würden die als Gelbe Engel bekannten mobilen Nothelferbetriebe bei einem Einsatz nicht mal mehr die Hälfte des bisher üblichen Betrags kassieren. Die Differenz zum alten Tarif würde der Automobilclub selbst einstreichen.

ADAC Einnahmesteigerung auf Kosten der Abschleppdienste

Der ADAC will seine Einnahmen auf Kosten seiner Pannenhelfer steigern und die Betroffenen zum Stillschweigen verpflichten – gegen Strafzahlungen.

Der ADAC will seine Einnahmen steigern – auf Kosten der Abschleppdienste. Quelle: dpa

Betroffen wären bis zu 278 Unternehmen in Deutschland, die im Auftrag des ADACs liegen gebliebene Fahrzeuge reparieren oder abschleppen. Autofahrer, die nicht Mitglied im Verein sind, oder ihre Versicherungen kann das bis zu 160 Euro kosten. Bisher floss der Betrag komplett an die Partner, künftig sollen sie aber nur noch 63,20 Euro pro Auto kassieren. Den Rest bekäme der ADAC.

Völlig undurchschaubares Vertragswerk

Die Details des Vorstoßes hat der ADAC in einem 81 Seiten umfassenden Vertrag aufgeschrieben, das angehängte „Systembuch“ kommt auf 304 Seiten und enthält weitere Auflagen. Demnach müssen ADAC-Partner, die mehr als 20 Fahrzeuge am Tag abschleppen wollen, künftig eine eigene Werkstatt haben. Die einzurichten kostet laut Insidern aus der Branche mindestens 300.000 Euro. „Das Vertragswerk ist selbst für Juristen völlig undurchschaubar“, sagt der Münchner Vertriebsrechtsanwalt Andreas Meyer-Miethke. Deutlich bedenklicher als die Form findet er den Inhalt der Papiere. „Gerade ein marktbeherrschendes Unternehmen wie der ADAC muss darauf Rücksicht nehmen, dass seine Partner überleben können. Genau das Gegenteil geschieht hier.“

Welcher Skandal? Mitgliederzahlen des ADACs. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Welcher Skandal? Mitgliederzahlen des ADACs. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Offensichtlich ist die Angelegenheit dem ADAC selbst nicht ganz geheuer. Seinen Partnern will der Club strenges Stillschweigen über den Vertrag und alle Anlagen verordnen: „Für jeden Fall des schuldhaften Verstoßes der Firma und/oder der beteiligten ... Mitarbeiter ... verpflichtet sich die Firma zur Zahlung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro an den ADAC“, heißt es im Vertragsentwurf, den der ADAC den Partnern zur Unterschrift vorgelegt hat, obwohl die Gespräche noch laufen. Wer über den Vertrag plaudert, muss 10.000 Euro zahlen, bei Kontakten zu Medien kommen noch mal 5000 Euro dazu. Zahlen sollen die Partner auch dann, wenn sich ein Mitarbeiter verplappert. Oder etwas im Internet postet.

Der ADAC hält das für „nicht zutreffend“. Weder bekäme er durch die Verträge mehr Geld, noch untersage er Straßendienstpartnern den Umgang mit den Medien. „Ganz im Gegenteil: Wir setzen auch künftig auf eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Dienstleistern sowie eine faire Vergütung“, erklärte der ADAC der WirtschaftsWoche. „Das neue Vertragswerk beispielsweise bringt für den ADAC Mehrkosten in siebenstelliger Höhe mit sich.“ Mit den zuständigen Verbänden der Partner befinde er sich zur endgültigen Ausgestaltung der Verträge aktuell in sehr guten, konstruktiven Gesprächen.

Das sehen die Betroffenen anders. Aus Sicht eines Insiders lehnten in der vorigen Woche fast alle ADAC-Partner die Verträge ab, trotz Nachbesserungen. Dafür sorgt zum einen, dass aus Sicht des Insiders fast alle Abschleppunternehmer künftig weniger Geld vom ADAC bekommen. Zweiter Punkt ist der „Maulkorb“. Ein solches strenges „Medienverbot“, sagt Anwalt Meyer-Miethke, verlangten nicht mal große Autohersteller wie VW oder BMW.

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