ADAC: Pannenhelfer kriegen Bonus für verkaufte Batterien

ADAC: Pannenhelfer kriegen Bonus für verkaufte Batterien

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Ein Zangenmultimeter misst die Spannung an einer Autobatterie.

Die "Gelben Engel" sollen Autofahrern offenbar Batterien aufschwatzen, die sie gar nicht brauchen. Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" übt der Autoclub massiven Druck auf seine Pannenhelfer aus.

Immer neue Enthüllungen um den ADAC: Angeblich zahlt der größte Autoclub Europas den Pannenhelfern für den Wechsel von defekten oder leeren Batterien eine Prämie. Nach Medienberichten der Süddeutschen Zeitung und des NDR sollen die "Gelben Engel" so dazu angespornt werden, Autobatterien zu verkaufen - auch wenn die Kunden die gar nicht brauchen.

Dabei geht es nach Angaben des ADAC um einen mittleren einstelligen Prozentsatz des Gesamtvermögens. Der ADAC lässt von der Firma Varta eigene Batterien für seine Pannenhilfe produzieren. Sie sind mit dem ADAC-Logo gekennzeichnet. Die Batterien werden in den Wagen der "Gelben Engel" mitgeführt und den Mitgliedern angeboten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Folge des Prämiensystems sei, so behauptet es ein Straßenwachtfahrer gegenüber der Zeitung: "Autofahrern werden Batterien aufgeschwatzt, die sie nicht brauchen, oder die sie bei einem regulären Einkauf weit günstiger bekommen könnten." Herkömmliche Autobatterien kosten je nach Leistung zwischen 50 und 150 Euro.

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Damit verbindet der ADAC wirtschaftliche Interessen mit der Pannenhilfe. "Provisionssysteme schaffen immer einen Anreiz, um ein bestimmtes Produkt zu verkaufen. Wenn die Gelben Engel nach bestem Wissen und Gewissen handeln, dann stellt sich mir die Frage, wieso es ein Provisionssystem gibt", sagte der Marketing-Experte von der Universität Lüneburg, Professor Jürgen Lürssen dem NDR.

Laut Pannenstatistik gab es im Jahr 2012 685.751 Fälle, in denen Autofahrer mit Batterie-Problemen liegenblieben sind. Jedem vierten Fahrer verkaufte der ADAC nach eigenen Angaben eine neue Batterie. In der Summe waren es im Jahr 2012 rund 165.000 Autobatterien. Zum Umsatz macht der ADAC keine Angaben. Vor jedem Tausch würde dem Autofahrer ein Messprotokoll übergeben - um zu verhindern, dass Batterien unrechtmäßig getauscht würden. In Stichproben des NDR wurden diese Protokolle nie angefertigt.

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Pannenhelfer, die nicht namentlich genannt werden wollen, berichten dem NDR über internen Druck, Batterien zu verkaufen. So sei die Anzahl der jeweils ausgetauschten Batterien auch Thema in den Mitarbeitergesprächen. Wer wenig leiste und die Zielvorgaben verfehle, der werde in Vier-Augen-Gesprächen zur Rechenschaft gezogen, sagen Straßenwachtfahrer der Süddeutschen Zeitung. Wer überhaupt nicht spure, werde nicht weiterbeschäftigt. Andere überträfen sich währenddessen im Verkauf der Batterien: "Ich konnte manchmal keinen Beifahrer mehr mitnehmen, weil ich sogar vorne noch Batterien gelagert hatte", erzählt ein Pannenhelfer. Der ADAC bestätigte, dass der Batterie-Service Bestandteil der Mitarbeitergespräche sei - als "wesentliches Merkmal erfolgreicher Pannenhilfe vor Ort".

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