Ärger für Ryanair: Krankenkassen fordern Sozialabgaben für Piloten

ThemaLuftfahrt

Ärger für Ryanair: Krankenkassen fordern Sozialabgaben für Piloten

Die irische Billigairline Ryanair steht mal wieder in der Kritik: Deutsche Krankenkassen fordern einem Medienbericht zufolge die Nachzahlung von Sozialbeiträgen für Piloten.

Ein britischer Personalvermittler soll für Ryanair-Piloten Sozialabgaben in voller Höhe nachzahlen. Das fordern deutsche Krankenkassen, wie nun aus einem Schreiben des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) an Piloten hervorgeht, das WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung vorliegt. Im Fokus der Kritik steht das sogenannte Contractor-Modell – ein Beschäftigungssystem, bei dem Piloten dazu aufgefordert werden, in Irland eine Art Ich-AG zu gründen. Die Piloten werden vom Status her als selbstständig eingestuft und somit von dem Personaldienstleister an Ryanair vermittelt.

Die Billigairline spart damit enorme Sozialabgaben. Ein Großteil der Ryanair-Piloten werde auf diese Art beschäftigt, heißt es in dem Medienbericht. Ähnliche Modelle nutzen auch andere Billigairlines.

Anzeige

Deutsche Krankenkassen wehren sich gegen dieses Beschäftigungsmodell: Für sie gelten solche Piloten als Nicht-Selbstständige – und sind somit sozialversicherungspflichtig. Nach eingehender Prüfung, heißt es in dem GKV-Schreiben, komme man zu dem Schluss, dass ein früherer Ryanair-Pilot "sozialversicherungsrechtlich als Arbeitnehmer" des Personalvermittlers einzustufen sei. Der betroffene Pilot habe Ryanair-Uniform getragen und sich laut Vertrag verpflichtet, elf Monate im Jahr bereit zu stehen.

Fall Ryanair Das Geschäft mit scheinselbstständigen Piloten

Ryanair steht wegen zweifelhafter Vertragskonstruktionen in der Kritik. Seinen Erfolg soll der Billigflieger auch auf Kosten von scheinselbstständigen Piloten machen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen.

Wegen seiner Verträge mit Piloten steht Ryanair schon länger in der Kritik. Quelle: REUTERS

Die Einsatzzeiten würden vom Auftraggeber vorgegeben. Der Pilot hätte kein Recht gehabt, Einsätze abzulehnen. Deshalb erkenne man "kein nennenswertes unternehmerisches Handeln". Zudem liege eine "vollzeitige Verfügbarkeit" sowie eine Urlaubsregelung wie bei Arbeitnehmern vor, schreibt der Spitzenverband. Die Piloten werden damit sozialversicherungsrechtlich als ganz normale Beschäftigte des Personalvermittlers eingestuft – mit allen Pflichten für Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung.

weitere Artikel

In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen rund 50 Piloten und den Personalvermittler, der die selbständigen Piloten an Ryanair vermittelt. Auch andere Länder haben schon eingegriffen: In Italien und Frankreich wurden die Iren bereits rechtskräftig verurteilt und mussten mehrere Millionen an die Sozialkassen nachzahlen.

Der Personalvermittler wollte sich dem Bericht nach auf Anfrage nicht äußern. Ryanair schreibt laut WDR, NDR und SZ: "Wir kommentieren keine Dokumente, die wir nicht kennen. In jedem Fall bleibt der Einsatz von Contractor-Piloten legal und ist weiter üblich in der Luftfahrtbranche."

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%