Air Berlin: Ein Weihnachtsgeschenk vom Golf

ThemaAir Berlin

KommentarAir Berlin: Ein Weihnachtsgeschenk vom Golf

Bild vergrößern

Hartmut Mehdorn (rechts), Vorstandsvorsitzender von Airberlin und James Hogan, Präsident der Flugesellschaft Etihad Airways - Durch die Investition von Etihad ist die Zukunft von Air Berlin vorerst gesichert

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Großaktionär Etihad sichert Air Berlin das Überleben für mindestens ein weiteres Jahr – diesmal durch die Übernahme des Vielfliegerprogramms. Nun muss die Sanierung gelingen, denn jetzt hat Deutschlands zweitgrößte Linie praktisch das letzte Tafelsilber losgeschlagen.

An Weihnachten verwöhnen wohlmeinende Eltern ihre Kinder auch dann mit üppigen Geschenken, wenn sie der Nachwuchs im vergangenen Jahr ein wenig enttäuscht hat. Da ist die Fluglinie Etihad aus Abu Dhabi mit ihrer deutschen Tochter Air Berlin keine Ausnahme. Nachdem die Airline aus dem Emirat im Dezember 2011 bereits mehr als 200 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung und einen üppigen Kredit in das Unternehmen gesteckt hat, kauft sie nun für 184 Millionen Euro einen Anteil von 70 Prozent am Air-Berlin-Vielflieger-Programm Topbonus.

Doch so sehr nun auch Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn oder Etihad-Boss James Hogan den Deal auch als strategisch preisen und als engere Bindung an die „Etihad-Markenfamilie“ aus der irischen Aer Lingus sowie demnächst wohl auch der indischen Linie Kingfisher: Es war eine Notaktion. Denn Air Berlin braucht dringend Geld. Die Etihad-Euros aus 2011 sind offenbar weg. Finanzchef Ulf Hüttmeyer musste jüngst unter fast abenteuerlichen Bedingungen Geld besorgen, indem er eine Anleihe mit einem Rekordcoupon von 11,5 Prozent nochmal aufstockte. Dabei nahm er sogar in Kauf frühere Zeichner der Anleihe zu verärgern, weil die Neu-Gläubiger ihr Geld früher zurück kriegen können als die bisherigen Geldgebern.

Anzeige

Und da war der Verkauf der Kunden-Datei an Etihad die einzige Möglichkeit.

  • Andere Wertgegenstände hat Air Berlin praktisch nicht mehr. Die Flotte, die früher mal komplett dem Unternehmen und seinen Anteilseignern gehörte, hat Finanzchef Ulf Hüttmeyer über die Jahre peu à peu verkauft. Das war die Kundendatei praktisch das letzte Tafelsilber.

  • Eine Kapitalerhöhung durch Etihad scheidet aus, weil die Gesellschaft dann mehr als 30 Prozent an Air Berlin hielte und den anderen Aktionären ein Abfindungsangebot machen müsste. Das wiederum könnte Air Berlin die Langstreckenflugrechte in Richtung USA, Osteuropa oder Asien kosten. Denn in der Flugbranche dürfen in der Regel zwischen zwei Ländern nur Airlines fliegen, die mehrheitlich Aktionären des Start- oder des Ziellandes gehören.

  • Ein weiterer Kredit der Golflinie wäre ein Eingeständnis, dass Air Berlin eine Art Fass ohne Boden und ein glatter Fehlkauf wäre. Und das käme für Etihad-Chef Hogan bei seinen Aktionären am Golf einem Gesichtsverlust gleich.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%