Air Berlin und Air France: Anhaltend unangenehme Überraschungen

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Air Berlin und Air France: Anhaltend unangenehme Überraschungen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Air Berlin und Air France melden nach erfolgreichen Sparprogrammen für 2012 bessere Zahlen als im Vorjahr. Doch die Erfolgsmeldung der Deutschen täuscht. Am Ende sind bleiben beide Bilanzen weiterhin kritisch, besonders bei Air Berlin.

 

Wer jemals daran gezweifelt hat, dass Europas große Fluglinien in der Krise sind, wurde spätestens diese Woche eines Besseren belehrt. Montagabend verkündete die Lufthansa, dass sie im Betrieb erneut weniger Geld verdient hat, obwohl ihr Sparprogramm Score deutlich mehr Ersparnisse gebracht hat als erwartet. Und heute legen mit Air Berlin und Air France gleich zwei Linien ebenso beunruhigende Zahlen vor.

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Die größte Mühe gab sich die Linie aus der deutschen Hauptstadt. Sie verschickte gestern am späten Abend überraschend ihre vorläufigen Zahlen für 2012 und zwar erstaunlich detailliert auf drei Seiten. Lufthansa kam Montag mit einer Drittelseite aus.

Die Zahlen sind auf den ersten Blick erstaunlich positiv. „Air Berlin schließt 2012 mit Gewinn ab“, jubelt die Mitteilung. Das überrascht. Immerhin hat die die Linie im Rahmen ihres verschärften Sparprogramms Turbine diese Woche den ersten 100 von insgesamt gut 800 Beschäftigten gekündigt. Ob sich Airline mit der Erfolgsmeldung einen Gefallen in den Verhandlungen zum Personalabbau getan hat, bleibt abzuwarten.

Denn eigentlich signalisiert die Mitteilung: das Sparprogramm läuft gut und hat in 2012 mit 250 Millionen Euro mehr gebracht als ursprünglich geplant.

Dazu verkündet die Air-Berlin-Spitze, dass die Partnerschaft mit der Mutterlinie Etihad aus Abu Dhabi bombig läuft. Die Kooeparation hat 50 Millionen Euro mehr Umsatz gebracht, der wahrscheinlich größtenteils in den Gewinn geflossen ist. Was blieb, ist ein gewaltiger Sprung beim operativen Gewinn von 230 Millionen Euro und auch das Finanzergebnis ist mit einem Verlust von knapp 74 Millionen etwas besser.

Das beruht nicht allein auf Kostensenkungen, sondern wohl vor allem darauf, dass Air Berlin jedem ihrer 33,4 Millionen Passagiere im vergangenen Jahr im Schnitt mehr Geld abgeknöpft hat als im Vorjahr. Rein rechnerisch ergeben die neun Euro pro Kunde ein Plus von fast 300 Millionen Euro. Die erfolgreiche Ertragssteuerung, wie die Branche Preiserhöhungen nennt, bemerkte jeder beim Buchen, wenn er für die Sommerreise ans Mittelmeer teilweise bereits im Oktober auf Preise von mehr als 300 für den Hin- und Rückflug stieß.

Und das dürfte erst der Anfang sein. Weil die Zahl der Wettbewerber sinkt, dürften die Preise weiter steigen. Das gilt besonders im größten Feld innerdeutscher Verkehr, aus dem sich die Lufthansa fast komplett zurückgezogen und ihrer beim Service aufgerüsteten Tochter Germanwings überlassen hat. Die Erfahrung zeigt: die Preise steigen, wenn irgendwo statt drei nur noch zwei Wettbewerber unterwegs sind.

Doch trotzdem sollten die Anleger zumindest vorsichtig bleiben. Denn in ihrer Mitteilung hat Air Berlin leider ein paar wichtige Dinge im Kleingedruckten versteckt und vor allem eine ganz wichtige gar nicht erwähnt.

So sind die Schulden zwar gesunken. Doch am Ende steht die Linie mit 770 Millionen immer noch mit dem Elffachen des operativen Gewinns aus 2012 in der Kreide.

Wer ganz genau rechnet, sieht zudem dass der Netto-Gewinn am Ende wohl auch aus einer Steuerrückzahlung stammt. Denn vor Steuern schreibt Air Berlin einen – wenn auch kleinen – Verlust.

Dazu hat die Linie in der Mitteilung über die Bilanz noch eine unangenehme Wertberichtigung untergebracht, die das ohnehin schon beunruhigend niedrige Eigenkapital für 2011 rückwirkend auf kaum 100 Millionen Euro gedrückt hat.

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