Air Berlin und Etihad: Absurdes Tauziehen um die Gemeinschaftsflüge

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Air Berlin und Etihad: Absurdes Tauziehen um die Gemeinschaftsflüge

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Ein Airbus A330-200 der Fluggesellschaft Air Berlin.

von Christian Schlesiger

Deutschland und die Emirate verhandeln über die Zukunft von Air Berlin. Es geht um 9000 Arbeitsplätze. Und die Verhandlungsatmosphäre ist am Tiefpunkt. Doch am Ende könnten die Araber siegen.

140 Millionen Euro, das ist eine gewaltige Summe. Vor allem für eine Airline wie Air Berlin, die in gewaltigen Turbulenzen steckt. Die Zukunft der angeschlagenen Fluggesellschaft ist ungewiss. Vieles dreht sich in den diesen Tagen um die Codeshare-Flüge von Air Berlin und Etihad. Das sind Gemeinschaftsflüge, die jede Airline so verkauft, als wären es ihre eigenen Flugzeuge. Geflogen werden die Passagiere dann teilweise im Flieger des Partners. Diese Form der Kooperation bringt Air Berlin 140 Millionen Euro pro Jahr ein. Angeblich.                                            

Denn tatsächlich tobt hinter den Kulissen ein Streit darüber, ob die von Air Berlin und Etihad veranschlagten Umsatzzahlen realistisch sind. So wurde die Zahl etwa in einem offiziellen Schreiben der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September genannt. „Die Etihad Airways-airberlin Partnerschaft beinhaltet verschiedene Codeshare-Flüge, die airberlin ausführt und die mit mehr als 140 Millionen Euro für airberlin zu Buche schlagen“, heißt es in dem Brief des Wirtschaftsministers der Emirate, Sultan bin Saeed Al Mansoori, an Dobrindt. Der Brief liegt der WirtschaftsWoche vor.

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Darum geht es beim Code-Share-Streit

  • Was bedeutet Code-Sharing überhaupt?

    Beim Code-Sharing teilen sich mehrere Airlines einen Flug: Nur eine Linie führt ihn tatsächlich aus, stellt Flugzeug und Crew. Die andere verkauft allerdings auch Tickets  - unter ihrem Namen und mit eigener Flugnummer. Für die Passagiere heißt das: Am Gate steht ein Air-Berlin-Flieger, obwohl Etihad gebucht war.

  • Was ist das Besondere bei Air Berlin und Etihad?

    Mit den Air-Berlin-Flügen kann Etihad das Flugangebot künstlich erweitern. Für den Winterflugplan 2015/16 planen Air Berlin und Etihad Code-Share-Verbindungen zwischen. Die Funktion als europäischer Zubringer ist einer der Hauptgründe, warum die deutsche Krisen-Linie für Etihad interessant ist. Als Großaktionär (knapp 30 Prozent) hat die Fluglinie aus Abu Dhabi deshalb schon viel Geld in den Erhalt von Air Berlin gesteckt.

  • Wie wichtig sind die Code-Share-Verbindungen für Air Berlin?

    Für Air Berlin geht es nicht nur darum, Etihad bei Laune zu halten und deren Finanzhilfen zu sichern. Die Durchführung der Code-Share-Flüge bringt wichtiges Geld. “Der Wegfall dieser Einnahme ist für die Air Berlin existenzbedrohend”, erklärten die Betriebsräte der Fluggesellschaft jüngst. Wieviel Air Berlin am Ende tatsächlich verdient, ist nicht ganz klar. Der zusätzliche Umsatz durch die von Etihad verkauften Tickets soll bei bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr liegen.

  • Warum gibt es Zoff um die Code-Share-Verbindung?

    Grundlage der Flüge ist das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es regelt in welchen Städten Linien aus den Emiraten, also Emirates aus Dubaí und Etihad aus Abu Dhabi, landen dürfen. Wichtigster Streitpunkt sind die Langstreckenflüge aus den Emiraten nach Deutschland. Aus deutscher Sicht bestimmt das Abkommen, dass die arabischen Linien nur in vier Städten landen dürfen. Derzeit sind dies Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg. Dazu, so die deutsche Interpretation, dürfen Emirates und Etihad auch Code-Share-Flüge mit einem deutschen Partner von einer der vier Städte nach Berlin und Stuttgart anbieten. Mehr nicht. Etihad und die Emirate sehen das anders. Für sie erlaubt das Abkommen auch Code-Share-Flüge aus den Emiraten nach Berlin und Stuttgart. Dazu dürfen Etihad und Air Berlin auch bei Anschlussverbindungen ab Berlin oder Düsseldorf kooperieren.

Doch aus deutschen Verhandlungskreisen gibt es erhebliche Zweifel an dieser Version. „Die Codeshare-Flüge bringen Air Berlin eher einen zweistelligen Millionenbetrag“, heißt es aus der Regierung: „Die VAE haben dies in den Gesprächen mit der deutschen Seite eingeräumt“, so ein Insider weiter.

Im Bundesverkehrsministerium (BMVI) in Berlin ist man jedenfalls sehr irritiert. Seit Monaten verhandelt das Haus von Verkehrsminister Dobrindt federführend für die Bundesregierung mit den Emiraten. Das Grundproblem: Rund die Hälfte der 60 Codeshare-Flüge sind mit dem derzeit laufenden Luftfahrtabkommen zwischen Deutschland und den VAE nicht gedeckt. Diese Rechtsauffassung der Bundesregierung ist den VAE seit einem Jahr bekannt.

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50.000 verkaufte Tickets

Seit 2014 genehmigte das verantwortliche Luftfahrtbundesamt die Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad deshalb nur unter Vorbehalt, weil damals schon ein Großteil von Tickets verkauft wurden. Eine Vereinbarung zwischen den beiden Ländern sollte eigentlich bis zum Winterflugplan, der am 25. Oktober beginnt, unter Dach und Fach sein.

Das Air-Berlin-Problem in Zahlen

  • 121 Millionen Euro

    ...netto hat Air Berlin im ersten Halbjahr operativ verloren.

  • 1865 Millionen Euro

    ...hat Air Berlin in den ersten 6 Monaten 2015 umgesetzt.

  • 2938 Millionen Euro

    ...Schulden aus Leasingverträgen hatte Air Berlin Ende 2014.

  • 767 Millionen Euro

    ...Schulden hat Air Berlin netto.

  • 889 Millionen Euro

    ...liegt das Eigenkapital im Minus, wenn man einen gut 300 Millionen Euro schweren Kredit von Etihad nicht als Eigenkapital einrechnet. Offiziell übersteigen die Schulden des
    Unternehmens das Vermögen um 575 Millionen Euro.

Doch die Gesprächsatmosphäre ist inzwischen an einem Tiefpunkt angekommen. Es hat seit Oktober 2014 nur wenige Gespräche gegeben. So traf man sich im Mai in Leipzig und erneut im August. Zuletzt gab es Gespräche am Freitag der vergangenen Woche und am Montag.

Doch die Emirate, so ist aus dem BMVI zu hören, bewegen sich nicht. „Die Gespräche mit den VAE zu Codeshare-Flügen, die über den zwischenstaatlich vereinbarten Rahmen hinaus durchgeführt werden sollen, sind bisher ohne Ergebnis verlaufen“, heißt es ganz offiziell. Und dann setzt das BMVI noch einen drauf: „Den Anstrengungen der Bundesregierung, eine luftverkehrsrechtlich tragfähige Lösung zu finden, haben sich die VAE verweigert“, sagte ein Sprecher von Dobrindt der WirtschaftsWoche.

Dabei nimmt der Zeitdruck minütlich zu. Ohne Einigung dürfte Air Berlin ab Sonntag auf knapp 30 Flügen die Passagiere, die über den Codeshare-Partner Etihad ihr Ticket gebucht haben, nicht an Bord begrüßen. Das gilt etwa auf Flügen von Abu Dhabi nach Berlin und Stuttgart. In dem Schreiben des arabischen Wirtschaftsministers ist von 50.000 bereits verkauften Tickets die Rede.

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