Air Berlin und Etihad: Bund genehmigt Codeshare-Flüge bis Januar

Air Berlin und Etihad: Bund genehmigt Codeshare-Flüge bis Januar

, aktualisiert 23. Oktober 2015, 19:08 Uhr
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Verlängerung für die Gemeinschaftsflüge: Air Berlin und Etihad sollen nun Zeit für eine organisatorische Lösung finden.

Neuer Aufschub für die Fluggesellschaften: Noch bis Mitte Januar dürfen Air Berlin und Etihad ihre 31 umstrittenen Strecken gemeinsam fliegen. Das hat die Bundesregierung am Freitag genehmigt.

Die arabische Fluglinie Etihad darf nach einer Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums die umstrittenen Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin bis Anfang 2016 fortsetzen. Etihad dürfe im beginnenden Winterflugplan die Codeshare-Verbindungen befristet bis zum 15. Januar im Flugprogramm behalten, teilte das Ministerium am Freitagabend mit. Bis dahin sollten die Fluglinien andere Arten der Zusammenarbeit finden. Die Genehmigung sei "letztmalig" verlängert worden.

Zuvor errang Etihad vor Gericht einen Etappensieg, mit dem Flüge für die nächsten zwei Wochen rechtlich abgesichert gewesen wären. Ohne die Einstweilige Verfügung wären die Routen ab diesem Sonntag illegal gewesen. Bei Codeshare-Flügen erhalten Air-Berlin-Verbindungen eine Flugnummer von Etihad. Air Berlin erhöht damit die Auslastung der Flugzeuge, während Etihad mehr Ziele weltweit anbieten kann.

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Darum geht es beim Code-Share-Streit

  • Was bedeutet Code-Sharing überhaupt?

    Beim Code-Sharing teilen sich mehrere Airlines einen Flug: Nur eine Linie führt ihn tatsächlich aus, stellt Flugzeug und Crew. Die andere verkauft allerdings auch Tickets  - unter ihrem Namen und mit eigener Flugnummer. Für die Passagiere heißt das: Am Gate steht ein Air-Berlin-Flieger, obwohl Etihad gebucht war.

  • Was ist das Besondere bei Air Berlin und Etihad?

    Mit den Air-Berlin-Flügen kann Etihad das Flugangebot künstlich erweitern. Für den Winterflugplan 2015/16 planen Air Berlin und Etihad Code-Share-Verbindungen zwischen. Die Funktion als europäischer Zubringer ist einer der Hauptgründe, warum die deutsche Krisen-Linie für Etihad interessant ist. Als Großaktionär (knapp 30 Prozent) hat die Fluglinie aus Abu Dhabi deshalb schon viel Geld in den Erhalt von Air Berlin gesteckt.

  • Wie wichtig sind die Code-Share-Verbindungen für Air Berlin?

    Für Air Berlin geht es nicht nur darum, Etihad bei Laune zu halten und deren Finanzhilfen zu sichern. Die Durchführung der Code-Share-Flüge bringt wichtiges Geld. “Der Wegfall dieser Einnahme ist für die Air Berlin existenzbedrohend”, erklärten die Betriebsräte der Fluggesellschaft jüngst. Wieviel Air Berlin am Ende tatsächlich verdient, ist nicht ganz klar. Der zusätzliche Umsatz durch die von Etihad verkauften Tickets soll bei bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr liegen.

  • Warum gibt es Zoff um die Code-Share-Verbindung?

    Grundlage der Flüge ist das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es regelt in welchen Städten Linien aus den Emiraten, also Emirates aus Dubaí und Etihad aus Abu Dhabi, landen dürfen. Wichtigster Streitpunkt sind die Langstreckenflüge aus den Emiraten nach Deutschland. Aus deutscher Sicht bestimmt das Abkommen, dass die arabischen Linien nur in vier Städten landen dürfen. Derzeit sind dies Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg. Dazu, so die deutsche Interpretation, dürfen Emirates und Etihad auch Code-Share-Flüge mit einem deutschen Partner von einer der vier Städte nach Berlin und Stuttgart anbieten. Mehr nicht. Etihad und die Emirate sehen das anders. Für sie erlaubt das Abkommen auch Code-Share-Flüge aus den Emiraten nach Berlin und Stuttgart. Dazu dürfen Etihad und Air Berlin auch bei Anschlussverbindungen ab Berlin oder Düsseldorf kooperieren.

Gelöst ist der politische Streit um die Rechtmäßigkeit der engen Partnerschaft zwischen Air Berlin und dem Geldgeber aus dem Öl-Emirat Abu Dhabi damit nicht, sondern nur aufgeschoben. Etihad-Chef James Hogan, dessen Airline seit vier Jahren größter Aktionär und Geldgeber der schwerangeschlagenen Air Berlin ist, äußerte sich in deutlich Worten: Die Codeshare-Flüge seien einer der entscheidenden Faktoren für die Investitionen bei Air Berlin gewesen. Das Versäumnis der deutschen Regierung, die Codeshare-Flüge nicht rechtzeitig zu genehmigen, werde Air Berlin schwerwiegend und wahrscheinlich sogar nachhaltig schädigen, sagte Hogan.

Die zweitgrößte deutsche Fluglinie nach der Lufthansa steckt seit längerem in der Krise - auch mehrere Sanierungsrunden und Chefwechsel brachten keine Wende zum Besseren. Voriges Jahr flogen die Berliner mehr als eine Million Euro Verlust ein - pro Tag.

Air Berlin und Etihad Aufschub im Code-Share-Streit

Im Streit um Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad können die Fluggesellschaften aufatmen. Das Verwaltungsgericht hat den Fluglinien Aufschub gewährt.

Stewardessen der Fluggesellschaft Etihad Airways und Air Berlin. Quelle: dpa

Der aktuelle Streit um die Codehshare-Routen entbrannte vor einem Jahr zwischen dem Bundesverkehrsministerium und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach Ansicht der deutschen Seite erlaubt ein Vertrag zwischen den Ländern nur etwa die Hälfte der 65 von Etihad für den Winter beantragten Codeshare-Flüge. Die Verhandlungen zogen sich ohne Lösung hin, obwohl der Winterflugplan bereits am Sonntag beginnt. Erst eine Klage von Etihad in Deutschland brachte wieder Bewegung in die Sache.

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