Air Berlin: Zum ersten Mal seit drei Jahren keine operativen Verluste

ThemaLuftfahrt

exklusivAir Berlin: Zum ersten Mal seit drei Jahren keine operativen Verluste

Bild vergrößern

Ein Flugzeug der Gesellschaft Air Berlin am Flughafen Tegel.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin wird im Sommer erstmals seit drei Jahren keine operativen Verluste einfliegen. Doch noch ist die Sanierung nicht geschafft.

Die WirtschaftsWoche berichtet unter Berufung auf Firmeninsider von einer positiven Geschäftsentwicklung: „Wir verbrennen operativ im zweiten und wohl auch im dritten Quartal kein Geld und schaffen einen zumindest ausgeglichenen Cash-Flow, vielleicht sogar einen positiven Mittelzufluss“, sagte ein Air-Berlin-Insider der WirtschaftsWoche.

Air Berlin Wenn außer Vertrauen nichts mehr bleibt

Bei seiner ersten Hauptversammlung hat der neue Air-Berlin-Chef Stefan Pichler kaum mehr zu bieten als Durchhalteparolen. Die angeschlagene Linie steckt in einer Übergangsphase. Erste Erfolge sind rar.

huGO-BildID: 43917016 ARCHIV - Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin rollt am 07.07.2013 in Berlin über den Flughafen Tegel. Foto: Daniel Reinhardt/dpa (zu dpa "Air Berlin fliegt Rekordverlust ein - Hoffen auf 2016" vom 30.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Anzeige

Gleichzeitig hat Air Berlin noch eine ungenutzte Kreditlinie von fast 250 Millionen Dollar vom Hauptaktionär Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi. Ein ähnlich hoher Betrag könnte durch eine Milliardenanleihe fließen, die Etihad mit Hilfe von Goldman Sachs und der Nationalbank von Abu Dhabi platzieren will. Das dabei erlöste Geld könnte die Linie dann an ihre europäischen Töchter wie Air Berlin oder Alitalia weiter reichen. „So können wir unsere Rechnungen bezahlen und weiter fliegen, bis die Sanierung greift“, unterstrich der Insider.

Die Chronik von Air Berlin

  • Sonderrechte im geteilten Berlin

    Vor 38 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch dann folgte eine jahrelange Krise.

  • 1970er- bis 90er-Jahre

    1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.

    1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

    1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

  • 2004

    Einstieg zu 25 Prozent bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda.

  • 2006

    Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba.

  • 2007

    Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge.

  • 2008

    Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

  • 2010

    Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

  • 2011

    Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

  • 2012

    Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

  • 2013

    Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.

  • 2015

    Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

  • 2016

    Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

  • 2017

    Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

  • 15. August 2017

    Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Noch ist die Sanierung jedoch nicht geschafft. Air Berlin drücken gut 500 Millionen Euro negatives Eigenkapital. Im November wird eine Anleihe von knapp 200 Millionen Euro fällig. Zudem fehlt noch immer die Genehmigung des Bundesverkehrsministers für lukrative Gemeinschaftsflüge mit Etihad, mit denen Air Berlin mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr erlöst.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%