Airbnb: Vom Zimmervermittler zum Städteführer

Airbnb: Vom Zimmervermittler zum Städteführer

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Airbnb: Das ist das wertvollste Start-up der Welt.

von Matthias Hohensee

Airbnb ist eines der wertvollsten Start-ups der Welt. Aber weltweit wehren sich Kommunen sich gegen den Wandel von Wohnraum in Ferienunterkünfte. Das Geschäftsmodell soll nun um Touren und Flüge erweitert werden.

Klack, klack, klack pulsiert der grüne Laser über die Stirn, bleicht die Konturen des dort tätowierten keltischen Kreuzes aus. Der junge Mann unter dem Laser atmet schwer, versucht, den Schmerz und den Geruch nach verbranntem Haar zu ignorieren. 15 Minuten dauert die Behandlung in der Zentrale von Homeboy Industries im Osten von Los Angeles. Im Nebenraum warten bereits zwei Männer und drei Frauen darauf, ebenfalls den populärsten Service der Stiftung wahrzunehmen – das kostenlose Entfernen von Gangtattoos.

„Sie sind wie eine Zielscheibe“, sagt John, dessen Gesicht noch vor anderthalb Jahren vollständig mit Symbolen überzogen war, die ihn als Gangmitglied auswiesen. Mit 17 wurde der Amerikaner mit indianischen Vorfahren lebenslang ohne Aussicht auf Entlassung verurteilt. 18 Jahre saß der Hüne ein, zuletzt im berüchtigten Pelican-Bay-Hochsicherheitsgefängnis im Nordwesten Kaliforniens. Als im Frühsommer 2015 seine Strafe aufgehoben wurde, legte er sich gleich am ersten Tag in Freiheit unter die Laser von Homeboy Industries, lernte in Kursen, seine Wut zu beherrschen und Streit zu schlichten. Nach mehr als 50 Behandlungen sind die Insignien seiner Vergangenheit restlos von seinem Antlitz getilgt. „Seitdem fühle ich mich erstmals richtig frei, nicht mehr stigmatisiert“, sagt der 35-Jährige, der für die Stiftung als Sicherheitskraft arbeitet.

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Deren Gründer, der Jesuitenpfarrer Gregory Boyle, hält die Therapiestätte für Gangaussteiger seit fast 25 Jahren mit unternehmerischem Gespür am Laufen. Da macht es Sinn, dass der kreative Pfarrer als einer der Ersten bei Airbnbs neuestem und ehrgeizigstem Projekt mitmacht. Es heißt Trips.

So reisen die Deutschen

  • Die Planung

    Die Mehrheit der Deutschen (64 Prozent) informiert sich laut einer repräsentativen Befragung des Portals lastminute.de über das Internet über ihren Urlaub. Etwas mehr als jeder Zehnte frage Freunde und Bekannte nach Reisetipps.

    Die Umfrage wurde im Auftrag von lastminute.de durch OnePoll online durchgeführt. Teilgenommen haben 1000 Deutsche.

  • Reiseziele

    Besonders beliebt bei deutschen Reisenden sind laut Befragung die Städte-Hotspots: Amsterdam (51 Prozent), Paris (48 Prozent) und London (47 Prozent).

  • Begleitung

    Am liebsten verreisen die Deutschen mit Freunden und Bekannten. Sechs von zehn Reisenden gaben an, mit den Liebsten in den Urlaub zu fahren. Jeder Fünfte verreist laut Umfrage auch gerne alleine – aber nur, wenn er jederzeit sein Smartphone bei sich haben kann.

  • Kosten

    Pro Jahr bucht ein Drittel der Deutschen laut Befragung zweimal für jeweils elf bis 20 Tage Urlaub und gibt etwa 2400 Euro aus.

  • Reisen im Alter

    Auch im Alter von 80 Jahren gab jeder Zehnte an, noch ins Ausland reisen zu wollen. Im Alter von 90 Jahren möchten genauso viele Deutsche laut Befragung zumindest noch im eigenen Land verreisen.

Seit Mitte November vermittelt das milliardenschwere Start-up aus San Francisco nicht nur Zimmer, Apartments, Villen und Schlösser. Sondern offeriert auch in zunächst zwölf Metropolen handverlesene Touren für Reisende, die abseits der Touristenpfade einmalige Eindrücke sammeln möchten – vom Gespräch mit Nelson Mandelas Exgefängniswärter in Kapstadt, von Übungsstunden mit einer Ballerina in San Francisco, dem Musizieren mit aufstrebenden Bands in London bis hin zu Boyles Lebenswerk der Wiedereingliederung von Exgangmitgliedern in Los Angeles.

40 weitere Städte sollen bis Mitte nächsten Jahres folgen, darunter auch Berlin. Airbnb genehmigt die Touren, versichert ihre Teilnehmer und kassiert 20 Prozent Vermittlungsgebühr.

Noch klingt es wie Beiwerk. Doch das täuscht. Mit den Insidertouren will der Konzern seine nächste große Wachstumsphase zünden: vom reinen Vermittler von derzeit drei Millionen Unterkünften in 191 Ländern zum auf Erlebnisse spezialisierten Reisebüro, das mit Millionen von Kunden hinter sich die ganze Kette einer Branche besetzen will, die jährlich 7,2 Billionen Dollar weltweit umsetzt; nach Restaurantreservierungen sollen künftig auch Flugbuchungen hinzukommen. Eine Kampfansage an die Marriotts und Hiltons dieser Welt, Tourismuskonzerne wie Thomas Cook oder die Onlinekonglomerate Expedia und booking.com.

Der neue Plan ist aber nicht nur eine Offensive, sondern auch eine gut inszenierte Flucht nach vorn. Denn im achten Jahr seiner Existenz sehen viele Politiker Airbnb als eine sich rasant ausbreitende Landplage, die Mieten in die Höhe treibt, illegale Hotels fördert, Gesetze ignoriert und vor allem in populären Reisezielen viele Einwohner durch gezielte Wohnraumspekulation verdrängt. Ob in New York, Barcelona, Berlin und selbst in Airbnbs Heimatstadt San Francisco – immer mehr Städte wehren sich gegen die scheinbar unkontrollierbare Umwandlung von Wohnungen in Ferienunterkünfte, drohen empfindliche Strafen an und bedrohen damit das bisherige Geschäftsmodell der Plattform.

Deren Reaktion auf den wachsenden politischen Druck ist aber doppelt heikel. Zum einen, weil Airbnb damit in einen ohnehin schon umkämpften Markt dringt, zum anderen, weil es auch eine lange gehegte Illusion beendet: die von einer neuen Form des Wirtschaftens, der sogenannten Sharing Economy, in der Teilen das neue Haben sein sollte und als deren Speerspitze sich Airbnb stets inszenierte. Der nun geplante Geschäftsbereich aber hat mit dem Teilen scheinbar leer stehender Privatwohnungen nichts mehr zu tun.

Aber Airbnb hat kaum eine andere Wahl, muss deshalb schon rein zwangsläufig zusätzliche Einnahmequellen erschließen, um weiter rasch wachsen und seine derzeitige Bewertung von 30 Milliarden Dollar rechtfertigen zu können.

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