ThemaLuftfahrt

Airbus: Für die Army nach Alabama

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Airbus-Chef Fabrice Brégier im US-Bundesstaat Alabama.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Flugzeughersteller Airbus sichert mit seiner neuen Fabrik für Passagierjets in den USA seine Zukunft - nicht zuletzt im Militärgeschäft.

Schon das Wetter macht klar: Es war eine gute Idee, dass Airbus-Chef Fabrice Brégier am Montag nach Mobile im US-Bundesstaat Alabama gekommen ist. Während über der Zentrale des Flugzeugherstellers im südfranzösischen Toulouse dicke Regenwolken hängen, strahlt am Golf von Mexico die Sonne. Ebenfalls angenehm: Während sich Airbus zu Hause oft unangenehmen Fragen um den Ausbau seiner Produktion oder des Rüstungsgeschäft stellen muss, sind heute neben jede Menge Bewohner des Bundesstaates gekommen um zu jubeln. Gemeinsam mit dem Gouverneur und Gästen aus aller Welt feiern sie die Eröffnung der Fabrik am Airbus Way Nummer 320 - benannt nach der Modellfamilie A320, die hier vom Band laufen soll.

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Der Jubel ist kein Wunder. Die Fabrik sorgt nicht nur in den kommenden Jahren für viele Hightech-Jobs im trotz der Autowerke von BMW ansonsten recht strukturschwachen Süden. Der Bau sichert auch einen guten Teil der Zukunft von fast allen Teilen des Airbus-Konzerns – bis hin zum Rüstungsgeschäft.

Umsatzzahlen der Airbus-Geschäftsfelder

  • Zivilflugzeuge

    2014: 68 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 64 Prozent
    2011: 59 Prozent

  • Rüstung

    2014: 10 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 15 Prozent
    2011: 20 Prozent

  • Hubschrauber

    2014: 11 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 11 Prozent
    2011: 10 Prozent

  • Raumfahrt

    2014: 118 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 10 Prozent
    2011: 11 Prozent

    Quelle: Unternehmensangaben

Dabei macht die Airbus-intern FAL (Final Assembly Line) abgekürzte Fertigung rein von den Zahlen her erstmal wenig Sinn. Die FAL kostet weit über eine halbe Milliarde Euro, für die Zulassung und den Start der Fertigung werden mühsam Techniker und die Kontrolleure der europäischen Aufsichtsbehörde EASA nach Alabama geflogen.

Trotzdem rollen aus der rund 470.000 Quadratmeter großen Fabrik bis Ende 2016 gerade mal zwei Maschinen. Und die montieren die derzeit 260 Beschäftigten fast komplett aus europäischen Teilen, die bis zu drei Wochen aus den Werken in Deutschland, England und Frankreich per LKW und Schiff unterwegs waren.

Selbst wenn ab 2017 die Serienproduktion startet, wird gerade mal eine Maschine pro Woche gebaut. Die Stammwerke in Hamburg und Toulouse brauchen nicht mal einen Tag pro Jet.

Der große Airbus-Plan

Tatsächlich steht hinter Mobile ein weit größerer Plan. Zum einen soll die Fabrik helfen, das – neben dem etwas lahmen Verkauf des Superjumbos A380 - größte Probleme des Konzern zu lösen: den gegenwärtigen Orderstau im Brot- und Butter-Geschäft Mittelstreckenflugzeuge. Fast 5000 A320-Jets hat Airbus derzeit im Bestellbuch. Doch in den elf Monaten außerhalb der Werksferien im Sommer kann der Konzern lediglich gut 500 Stück bauen. Damit die Kundschaft nicht abwandert oder gar hohe Entschädigungen für verspätete Lieferungen fordert, sollen es bald 550 und bis 2018 wohl gut 700 werden.

Das geht nicht ohne Mobile. Zwar weist Brégier noch Ideen zurück, Mobile könnte bald acht Jets pro Monat bauen. Tatsächlich arbeiten die Planer seines Konzerns jedoch schon nach Kräften daran. Denn die Werke in Hamburg und Toulouse kommen an ihre Grenzen und das Werk im chinesischen Tianjin tut sich mit höheren Produktionszahlen als die aktuell vier im Monat noch etwas schwer.

Dazu ist das Werk am Golf von Mexico trotz seiner Baukosten am Ende für Airbus relativ günstig. Auch die Werke in Europa zu erweitern wäre teuer und stünde vor einem langwierigen Genehmigungsprozess. Dagegen ging der Bau der Alabama-FAL nicht nur schneller als in der alten Welt. Dank üppiger Starthilfen des Bundesstaats und der lokalen Regierung in den USA war der Bau am Ende deutlich billiger als die halbe Milliarde Euro. Dazu sind die laufenden Kosten im Betrieb geringer als Europa, weil die Produktion moderner ist und im tiefen Süden mangels Gewerkschaftern auch die Löhne niedriger sind als in der alten Welt.

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