Airline: Wie Etihad Air Berlin in fünf Schritten umbauen will

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Airline: Wie Etihad Air Berlin in fünf Schritten umbauen will

von Rüdiger Kiani-Kreß und Hauke Reimer

Air Berlin stehen tiefe Einschnitte bevor. Die Scheich-Airline Etihad dürfte ihre marode deutsche Tochter verkleinern und deren Anleger ausbooten. Branchenkenner gehen von einem Umbau in fünf Schritten aus.

Die künftige Arbeitsteilung ihrer Fluglinien haben Etihad-Chef James Hogan und Air-Berlin-Boss Wolfgang Prock-Schauer schon im Januar vorgestellt, lange vor den aktuellen Übernahmegerüchten: in Form eines Airbus in den Farben beider Airlines. Die Triebwerke waren rot wie Air Berlin. Das Heck, das die Richtung des Flugzeuges steuert, trug das Logo der Staatslinie aus dem Emirat Abu Dhabi.

Diesen Anspruch will Hogan nun auf die ganze Air Berlin übertragen und dort möglichst bald die Macht übernehmen. Etihad will laut Insidern die Linie von der Börse nehmen, die Kleinaktionäre abfinden und zusammen mit wohlgesonnenen deutschen Investoren die Führung übernehmen. Zwar ringt die Linie noch um die Einzelheiten und  hat deshalb bereits zum zweiten Mal die Vorstellung ihrer Bilanz für 2013 verschoben. Doch klar ist: „Dieser Umbau wird Air Berlin von Grund auf verändern“, sagt ein Insider. „Die Linie wird saniert, geschrumpft und zu einer Abteilung im Etihad-Konzern – nur der Name bleibt noch, vorläufig.“

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Es tut Not, dass die Scheichs die Zügel anziehen, gut zwei Jahre nachdem sie knapp 30 Prozent der Anteile übernommen haben. Air Berlin hat bei gut vier Milliarden Euro Umsatz in den vergangenen fünf Jahren ohne Finanzhilfen aus Abu Dhabi jeweils bis zu 420 Millionen Euro Verlust geschrieben. Dazu fressen die laut Analystenschätzung derzeit gut 800 Millionen Euro Schulden zu bis zu gut elf Prozent Zinsen fast 70 Millionen Euro. „Alleine kann es Air Berlin nicht mehr schaffen“, sagt der Gerald Wissel, Chef der auf die Flugbranche spezialisierte Beratung Airborne.

Mehr Geschäftsreisen, weniger Urlaubsflüge

Offiziell steht der Umbauplan noch nicht fest. „Doch die Richtung ist klar: Alles, was den Etihad-Verbund zur Weltmarke macht, wird gestärkt. Der Rest bleibt nur, wenn er Geld bringt“, sagt der Insider.

Aus Sicht von Kennern umfasst die Liste von Etihad-Chef Hogan fünf Blöcke und beginnt beim Management. Das Gerücht, Air-Berlin-Chef Prock-Schauer werde ersetzt, will niemand bestätigen. „Dafür dürfte vom Rest des oberen Dutzends gut die Hälfte gehen müssen“, so ein Kenner.

Etihad und ihre Beteiligungen an Airlines

Etihad und ihre Beteiligungen an Airlines. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Zweiter Schritt ist die Beschneidung des Flugnetzes. Bleiben sollen Routen für Geschäftsreisende sowie Zubringer für Etihad und die Air-Berlin-Drehkreuze Berlin und Düsseldorf. Dazu könnte Air Berlin auch in Frankfurt aktiv werden. „Da gibt es Platz und Kunden, die gut zahlen“, heißt es hinter den Kulissen. Ebenfalls beibehalten werden wohl auch die Flüge für den Reisekonzern – und Air-Berlin-Aktionär – TUI. „Die belohnten Air Berlin mit guten Preisen, weil die Linie ihnen die tiefroten eigenen Routen abnahm“, sagt ein Kenner des Hannoveraner Tourismuskonzerns.

Gekürzt werden dagegen Urlaubsflüge für Veranstalter, vor allem ans Mittelmeer. Eine Ausnahme sind Strecken, auf denen wie nach Mallorca viele Individualreisenden fliegen. „Die bringen im Schnitt deutlich höhere Preise“, sagt ein Insider. Zudem bräuchten Etihad und Air Berlin die Strecke, um ein attraktives Angebot zum Einlösen von Bonus-Meilen zu haben.

Gewinn der Gruppe steht im Vordergrund

Dritter Ansatzpunkt ist eine schlankere Verwaltung. Dafür soll der Abbau teurer Doppelstrukturen sorgen, die etwa bei der ehemaligen LTU auch fast acht Jahre nach der Übernahme noch existieren. Nachholbedarf gibt es auch beim Ertragsmanagement. Hier geht es darum, die Zahlungsbereitschaft der Kunden besser einzuschätzen, und nicht wie heute Tickets oft zu billig zu verkaufen oder umgekehrt Passagiere durch zu hohe Preise zur Konkurrenz zu treiben.

Vierte Veränderung ist eine tiefere Einbindung in Etihad und deren Töchter in aller Welt (siehe Grafik). „Dabei kann Air Berlin ruhig Verlust machen, wenn der Gewinn der Gruppe größer ausfällt“, so ein Insider. Dazu will Hogan vieles zusammenlegen sowie zentral aus Abu Dhabi steuern, etwa die Wartung, das Vielfliegerprogramm oder den Einkauf von Flugzeugen.

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