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Airlines: Letzter Aufruf für die Lufthansa

von Rüdiger Kiani-Kreß

Billigflieger und Wettbewerber aus der Golfregion bringen die Lufthansa und Air Berlin in Existenznot. Eine Exklusivstudie zeigt, was beide Airlines tun müssen, um zu überleben - und was das für die Fluggäste bedeutet.

Lufthansa

Hohe Betriebskosten: 6 Cent/Kilometer und Passagier - so teuer transportiert keine andere Airline ihre Fluggäste.

Geringe Gewinnmarge: Mit einem Anteil von mageren 4,2 Prozent wirft das Geschäft bei der deutschen Traditionsairline deutlich weniger Gewinn ab, als bei der Konkurrenz Ryanair (16,9 Prozent) oder Emirates (10,2 Prozent). Lufthansa fliegt auf den sechsten von sieben möglichen Plätzen.

Zu hohe Personalkosten: Ein Viertel aller Kosten entfallen bei der Lufthansa auf das Personal - damit liegt die Kranichlinie gleich auf mit der British Airways. Doch Emirates, Easyjet und Ryanair wenden mit einem Anteil von 11 bis 13 Prozent deutlich weniger für ihre Flugbegleiter und Piloten auf.

Kaum Umsätze außerhalb des Ticketverkaufs: Nur drei Prozent Umsatz generiert die Lufthansa mit Geschäft neben dem Ticketverkauf. Ein mageres Zubrot. Billigflieger wie Easyjet oder Spirit aus den USA machen ein Fünftel bis ein Drittel ihrer Umsätze mit Angeboten fern der Tickets.

Zu abhängig vom Heimatmarkt: Ein dicker Minuspunkt für die Lufthansa. Sie macht 47 Prozent ihres Umsatz im Heimatmarkt Europa. Während Konkurrent Emirates deutlich unabhängiger durch die Welt jettet: Nur 21 Prozent entfallen auf Ziele im Nahen Osten/Westasien/Indischer Ozean, 28 Prozent auf Europa, weiter 30 auf Fernost und Australien.

Quelle: Exklusivstudie der Unternehmensberatung A.T. Kearney für die WirtschaftsWoche

Bild: dpa

Christoph Franz kann die Aussicht von seinem Büro am Frankfurter Flughafen nicht so recht genießen. So viele seiner Flugzeuge mit dem Kranich auch vorbeiziehen, vom Superjumbo Airbus A380 bis zum kleinen Regionaljet: Der Lufthansa-Chef weiß, dass sie die Konzernkasse nicht so recht klingeln lassen.

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Analysten wie Neil Glynn von Credit Suisse rechnen damit, dass die Lufthansa nach 2011 auch 2012 Verlust schreibt. 2013 dürfte es zwar einen Gewinn geben, schätzungsweise unter einer halben Milliarde Euro. Doch eigentlich will Franz mit seinem Effizienzprogramm Score, das er im Februar vorstellte, das Ergebnis bis 2014 um eineinhalb Milliarden Euro auf gut zwei Milliarden Euro steigern – wohl ein aussichtsloses Unterfangen.

Noch weniger kann sich Hartmut Mehdorn über die vielen rot-weißen Air-Berlin-Flugzeuge am Himmel über seinem Büro in der Hauptstadt freuen. Sein Schrumpfprogramm „Shape & Size“ brachte zwar mehr als die erwarteten 200 Millionen Euro Ersparnis, die der Air-Berlin-Chef erhofft hatte. Doch das reicht nicht. Mehdorn musste gerade die zusätzliche Sparrunde „Turbine 2013“ einläuten. Denn trotz steigender Umsätze haben Verluste und die Kosten für die wachsenden Schulden das Eigenkapital der Fluggesellschaft stark geschrumpft und den 200-Millionen-Euro-Kredit vom arabischen Großaktionär Etihad fast ganz aufgefressen.

Wettbewerb als gemeinsames Grundproblem

So unterschiedlich die Probleme der beiden Airlines sind, so sehr quält sie ein gemeinsames Grundproblem. Nicht die Konjunktur, der hohe Kerosinpreis oder die deutsche Luftverkehrsabgabe drücken die Airlines auf den Boden. Es sind Wettbewerber, die Franz und Mehdorn mit überlegenen Geschäftsmodellen das Fürchten lehren. Im europäischen Kurzstreckenverkehr, ob von Berlin nach Mailand oder München nach London, nehmen ihnen Billigflieger wie Ryanair aus Irland und die britische Easyjet die Fluggäste weg. Und auf der Langstrecke von Europa nach Asien und Afrika saugen Emirates, Etihad und Qatar Airways mit ihren Superflughäfen in den arabischen Emiraten immer mehr Kunden aus dem internationalen Zubringer- und Fernliniennetz von Lufthansa, Air France-KLM und British Airways.

Wie groß die Defizite und damit die Bedrohung der Lufthansa ist, hat die Unternehmensberatung A.T. Kearney exklusiv in einer Studie über die größten Fluglinien in Europa und dem Nahen Osten für die WirtschaftsWoche untersucht. Das Ergebnis lässt sich auf Air Berlin übertragen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.11.2012, 23:11 UhrDerSchlaueFrank

    Willkommen im Superkapitalismus. Auf Teufel komm raus soll gespart werden, natürlich immer beim hart arbeitenden Kabinenpersonal. Und die Manager und Berater wollen dafür noch mehr Bonus, um diesen in überteuerte Luxuskarossen zu stecken und damit die Umwelt zu belasten. Und die Sicherheit am Himmel geht vor die Füße. Die Globalisierung entwickelt sich zu einer Kannibalisierung.

  • 05.11.2012, 20:53 UhrRobR

    Auch wenn es bei Lufthansa Baustellen gibt, die Firma Kearny hat auch einige! Vergelich der Lokalmärkte ist absurd, natürlich hat Emirates keine 47% Passagiere aus dem Heimatmarkt, wäre aus dem kleinen Dubai auch gar nicht möglich.
    Umsätze ausser Ticketverkauf: hat Lufthansa auch, nur nicht in dieser Höhe. Dafür gibts das Bierchen oder das Glas Wein noch umsonst, auch in der Economy. Ist auch etwas wert...
    Zwei Themen erwähnt Kearny gar nicht: während Lufthansa und Air Berlin mit Luftverkehrssteuer und hohe Kosten für alles Mögliche geknebelt werden, geniessen Emirates und Co "Service aus einer Hand" für wenig Geld, die Scheichs haben erkannt das Luftverkehr eine Wachstumsindustrie ist. In Deutschland werden nur Provinzairports die niemand braucht subventioniert, Hahn, Memmingen, Kassel, Lübeck... und da lässt sich dann Ryanair noch dafür bezahlen den Platz überhaupt zu bedienen.

  • 02.11.2012, 12:44 UhrLindi

    Man kann sich auch zu tode sparen. Bei meinem letzten Flug nach Moskau wurde mir erklärt dass die Lounge in Moskau nur noch für Gold und Biz Class Tickets ist und Silberkarten keinen Zugang mehr haben. Dafür daß Lufthansa hier doppelte Preise aufruft wie der Mitbewerb ist das schon ein sehr schwaches Zeichen - ich jedenfalls werde zukünftig billig fliegen da die Lounge der einzige Grund war diese Ticketpreise zu akzeptieren.

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