Airport Berlin Brandenburg: Was der Chaos-Flughafen Firmen kostet

ThemaLuftfahrt

Airport Berlin Brandenburg: Was der Chaos-Flughafen Firmen kostet

von Christian Schlesiger, Max Haerder und Nele Hansen

Welche Unternehmen unter der verspäteten Eröffnung des Flughafen Berlin Brandenburg am meisten leiden und wie sie sich dagegen wehren.

Der Eintritt zu Deutschlands peinlichster Baustelle kostet zehn Euro. Für dieses kleine Geld bietet die Berliner Flughafengesellschaft fast zwei Stunden große Unterhaltung: eine kurze Einführung vor einem Modell des Airports im Spielzeugformat, dann ausgiebige Blicke auf das echte unfertige Terminal, schließlich eine lange Busfahrt über das fertig betonierte Rollfeld mit einer Menge offener Worte. „Ein Geisterflughafen“, sagt der Fremdenführer. Im Terminal, dessen Brandschutzanlage mit keiner Planung und Genehmigung vereinbar ist, herrsche „Baustopp“, fast alle Mitarbeiter seien abgezogen. Der Eröffnungstermin stehe „in den Sternen“, sagt der Kenner. „Wir fallen selbst vom Glauben ab.“

Nicht vom Glauben, dafür umso mehr von erwarteten Einnahmen müssen sich zusehends Firmen verabschieden, die unter dem Chaos am Rande der Hauptstadt direkt leiden. Knapp 600 Aufträge im Volumen von insgesamt rund zwei Milliarden Euro hat die Flughafengesellschaft vergeben. 3000 Firmen haben Unteraufträge bekommen. 81 Unternehmen wollten mit ihren Geschäften, Hotels oder Cafés längst eingezogen sein. Inzwischen haben die meisten Unternehmen ihre Mitarbeiter von dem Durcheinander abgezogen. Und das Chaos droht noch größer zu werden, nachdem Mitte der Woche das Oberverwaltungsgericht Berlin die Flugroute über den Stadtteil Wannsee für nicht rechtens erklärt hatte.

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Die Deutsche Bahn schickt ihre Züge zwar bereits durch den Flughafenbahnhof, aber nur zur Belüftung der Tunnel. Unternehmen, die im Auftrag des Flughafens bauen, bleibt nur, sich in Geduld zu üben. Sie wollen ihre Aufträge nicht verlieren. Einige können auf Zusatzaufträge hoffen. Einzelhändler und Dienstleister hingegen, die rund um den Flughafen ihre Shops, Cafés oder Hotels eröffnen wollen, bringt das Hin und Her der Flughafenbetreiber und Politiker immer mehr in Bedrängnis: Kredite für Möbel oder Kücheneinrichtungen müssen abbezahlt, Investitionen in der Bilanz abgeschrieben werden.

Die Starttermine für den Flughafen BER

  • 30. Oktober 2011

    Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

  • 3. Juni 2012

    Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

  • 17. März 2013

    Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

  • 27. Oktober 2013

    Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

  • Starttermin 5

    Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Ursprünglich sollte der Flughafen im November 2011 nach fünf Jahren Bauzeit eröffnen. Mittlerweile wurde die Eröffnung zum vierten Mal verschoben. Frühestens 2014, eher 2015 sollen jetzt die ersten Flugzeuge abheben– zum Ärger vieler Unternehmer.

Gang zur Bank

Das Hamburger Handelsunternehmen Gebr. Heinemann, das weltweit mehr als 230 Duty-free-Shops betreibt, wollte am Flughafen Berlin Brandenburg eine weitere Filiale eröffnen. Als die erste Verschiebung bekannt wurde, war der Heinemann-Shop fertig. Doch die Mitarbeiter mussten die Möbel wieder einpacken. Architekten rechnen damit, dass die Raumdecken erneut ausgebaut werden müssen. Bisher erlitt Heinemann nach eigenen Angaben Umsatzeinbußen von mehreren Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen Abschreibungen für Möbel und Personalkosten von mehr als 100 000 Euro pro Jahr. Heinemann klagt nicht, ist aber in Gesprächen mit dem Flughafen.

Heinemann bringen die Kosten nicht in Existenznöte. Bei vielen kleinen Unternehmen ist das anders. Sechs Firmen sind nach Informationen der Industrie- und Handelskammer Cottbus finanziell in Schieflage geraten, weil sie Bankkredite für neue Einrichtungen tilgen müssen, ohne dass sie die geplanten Einnahmen erzielen. „Viele Firmen müssen noch einmal mit ihren Banken sprechen“, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Außerdem seien die technischen Einbauten problematisch. „Während der gesamten Gewährleistungszeit werden sie nicht genutzt“, sagt Busch-Petersen.

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