Aktie stürzt ab: Lufthansa streicht Gewinnziele zusammen und schockt die Börsen

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Aktie stürzt ab: Lufthansa streicht Gewinnziele zusammen und schockt die Börsen

, aktualisiert 11. Juni 2014, 14:41 Uhr
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Die Lufthansa fliegt mehr und verdient trotzdem weniger.

Schwache Erlöse und schwindsüchtige Buchungszahlen nennt Lufthansa als Gründe für ihre deutlich gekappten Gewinnziele. Die Anleger reagierten geschockt und schickten die Aktie auf einen Sturzflug.

Einen Monat nach Amtsantritt beerdigt der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Gewinnziele des umstrittenen Sanierungsprogramms. Die Lufthansa hat wegen schwacher Geschäfte in den Kernmärkten Europa und Nordamerika ihre Gewinnziele dramatisch zusammengestrichen. Für dieses und das kommende Jahr wurden die Prognosen in einer Pflichtmitteilung an die Börse vom Mittwoch deutlich um bis zu einem Drittel zurückgenommen. Die Aktie der Kranich-Airline verlor 15 Prozent - das ist der größte Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Der Gewinnwarnung zufolge soll der operative Gewinn im Geschäftsjahr 2014 nur noch rund 1 Milliarde Euro betragen. Bislang waren 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro angekündigt worden. Für 2015 geht der Vorstand „bei stabilen Rahmenbedingungen“ noch von zwei Milliarden Euro aus, obwohl mit dem Ende des Sparprogramms „Score“ bislang 2,65 Milliarden angepeilt worden waren.

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Das Eingeständnis ist ein herber Schlag für die Lufthansa-Spitze. Für die schwachen Zahlen musste Finanzchefin Simone Menne geradestehen, während der im Mai angetretene neue Lufthansa-Chef Spohr weiterhin daran festhält, seine strategischen Planungen im Juli vorzustellen. Die nun revidierten Ziele stammten noch von seinem Ende April ausgeschiedenen Vorgänger Christoph Franz. Franz hatte dem Unternehmen vor zwei Jahren eine Rosskur verordnet, um das Gewinnziel bis 2015 zu erreichen. Da unter anderem viel gespart wird, Mitarbeiter in günstigere Töchter ausgelagert werden und 3500 Jobs wegfallen, rebelliert die Belegschaft bis heute - derzeit verhandeln etwa die Piloten über einen neuen Tarifvertrag. Auch Spohr hat das Programm durchgeboxt - vor seinem Wechsel in das Cockpit der Airline Anfang Mai leitete er das umsatzstarke Passagiergeschäft. Spohr habe die Ziele nun so gesteckt, dass er damit kein Risiko eingehe, meinte Analyst Jürgen Pieper von der Privatbank Metzler.

Carsten Spohr: Pilot und Lufthansa-Kenner

  • Zur Person

    Charismatisch, flugbegeistert und erfahren: Mit Carsten Spohr hat sich die Lufthansa für einen Favoriten auf den Chefposen entschieden. Seine steile Karriere bei der Airline findet so ihre Krönung.

  • Pilot aus dem Ruhrgebiet

    Carsten Spohr wurde 1966 in Wanne-Eickel im nördlichen Ruhrgebiet geboren. Nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Universität Karlsruhe erwarb er die Verkehrspiloten-Lizenz an der Fliegerschule der Lufthansa. Danach absolvierte er das Trainee-Programm bei der Deutschen Aerospace AG.

  • Steile Karriere bei Lufthansa

    Mit 27 Jahren kehrte Spohr zu der Airline zurück und schlug dort eine steile Karriere ein: Zunächst übernahm er die Leitung des zentralen Personalmarketings, später arbeitete er sich über verschiedene Funktionen zur Koordination der Regionaltöchter und dem Airline-Bündnis Star Alliance in die Spitze der Kerngesellschaft Lufthansa Passage empor. Zeitweise war er Assistent von Lufthansa-Legende Jürgen Weber.

  • Blendende Ergebnisse

    Als Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo lieferte Spohr bis zur Finanzkrise blendende Ergebnisse und zog schließlich 2011 gemeinsam mit dem scheidenden Lufthansa-Chef Christoph Franz in den Konzernvorstand ein. Gemeinsam setzten sie das harte Sparprogramm „Score“ durch.

  • Endlich Lufthansa-Chef

    Anfang Februar 2014 hat die lange Suche nach einem Nachfolger für Christoph Franz ein Ende: Lufthansa will Carsten Spohr zum neuen Vorstandschef machen. Der 47-Jährige galt im Vorfeld schon als Favorit.

  • Charismatischer Flieger

    Auch wenn seine Beliebtheit in der Belegschaft während der Sanierung abgenommen haben dürfte, gilt der begeisterte Flieger Spohr als charismatischer Gegenpol zu Franz. Dessen kühle, analytische Art verprellte viele Lufthanseaten. Spohr ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Es handele sich um eine strukturelle Krise und nicht um kurzfristige Entwicklungen, sagte Simone Menne am Mittwoch. Die Überkapazitäten vor allem auf den Nordatlantikverbindungen führten zu einem deutlichen Preisverfall vor allem im bislang lukrativen Segment der spät buchenden Geschäftskunden, die nunmehr eine weit größere Auswahl vorfänden. Der Verkehr über die Drehkreuze sei weit stärker betroffen als die Tochter Germanwings, die weiterhin auf Kurs sei, die Gewinnzone in diesem Jahr zu erreichen. In Europa leide man unter den zunehmenden Direktverkehren auch der Billigflieger, während auf der Langstrecke vor allem die Fluggesellschaften vom arabischen Golf Kapazitäten in den Markt drückten.

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