Amazon Locker: Warum Amazon mit Paketboxen experimentiert

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Amazon Locker: Warum Amazon mit Paketboxen experimentiert

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Ein Amazon Locker in Birmingham.

von Niklas Dummer und Jacqueline Goebel

Amazon testet in Deutschland eigene Packstationen. Die Paketdienste sind in Sorge – allen voran DHL. Denn ein eigenes Schließfachsystem gilt als nächster Schritt für Amazon zum eigenständigen Paketdienst.

Das Paket soll den Kunden finden, nicht umgekehrt, lautet die Maxime von Bernd Schwenger. Ein großer, gelber Kasten mit Schließfächern verschiedener Größe soll dem Chef von Amazon Logistics in Deutschland nun dabei helfen, die Mission zu erfüllen. Amazon Locker heißt das Schließfachsystem für Pakete, das der Onlinegigant bald auch in deutschen Innenstädten aufbauen könnte.

Kunden sollen die Fächer mit einem Zahlencode öffnen und so ihre Sendungen auch dann abholen können, wenn der Paketbote niemanden angetroffen hat. Schon im Frühjahr suchte das Unternehmen nach Managern, um das Projekt zu realisieren, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

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In seinen Büros und Logistikzentren testet Amazon die Schließfachsysteme mittlerweile auch hierzulande mit eigenen Mitarbeitern, bestätigte Schwenger nun der WirtschaftsWoche. „Wir werden bald darüber entscheiden, ob wir die Amazon Locker auch unseren deutschen Kunden anbieten“, sagt der Chef von Amazon Logistics in Deutschland und schiebt schnell nach: „Dabei sind wir in enger Absprache mit unseren Lieferpartnern.“

Das sind Amazons nächste Projekte

  • Einkaufsliste per Knopfdruck

    Unter Amazon Dash versteht der Internetkonzern eine Art Einkaufsliste auf Knopfdruck. Die kleinen Aufkleber mit Taste können die Kunden einfach im Haus an das Waschmittel oder an das Hundefutter kleben - und wenn die Packung leer ist, per Knopfdruck schnell bei Amazon eine neue bestellen. Bisher ist der Service nur für Kunden des Premiumdienstes Amazon Prime in den USA und in Großbritannien erhältlich - für 4,99 US-Dollar je Button.

  • Marktplatz für Selbstgemachtes

    Mit "Amazon Handmade" macht der Online-Händler Anbietern wie Etsy oder DaWanda Konkurrenz. Auf dem Marktplatz will Amazon Künstler und Bastler versammeln, die individualisierbare Produkte verkaufen: Selbstgeschneiderte Kleider und Taschen, Schmuck, Armbänder, Möbel. Die Plattform befindet sich in den USA noch im Aufbau. Wer dort verkaufen will, kann sich jetzt schon bewerben. Allerdings kostet ein professioneller Verkäufer-Account knapp 40 Dollar im Monat, und Amazon will bei jeder Bestellung zwölf Prozent Provision einstreichen. Bei anderen Plattformen sind diese Konditionen weitaus günstiger für die Verkäufer - allerdings erreichen sie dort wahrscheinlich nicht so viele Kunden. Ob und wann Amazon Handmade auch nach Deutschland kommen soll, ist nicht bekannt.

  • Plattform für Handwerker

    Über seine Plattform "Amazon Home Service" vernetzt der Online-Händler in den USA Techniker, Handwerker und Trainer mit seinen Kunden in den Großstädten. Wer bei Amazon einen neuen Fernseher kauft, kann also gleich einen Techniker beauftragen, der den Fernseher anschließt und einrichtet. Auch Yoga-Stunden und Gitarren-Lehrer lassen sich über die Plattform buchen. Bis zum Jahresende will Amazons einen Service in 30 amerikanischen Großstädten anbieten.

  • Ein Lkw voller Schätze

    In der Amazon-Heimatstadt Seattle fährt seit diesem Sommer der "Treasure Truck" - ein Lkw, vollgeladen mit Sonderangeboten. Kunden können die Waren auf dem Truck per App bestellen und direkt liefern lassen - zum Beispiel ein Surfboard für den Preis von 99 Dollar anstatt den üblichen 499 Dollar.

  • Musik-Streaming

    Prime Music ist der Musik-Streamingdienst von Amazon, eine Konkurrenz zu Spotify oder Apple. Wer Mitglied beim Amazon Premiumdienst Prime ist, kann den Service in den USA und auch in Großbritannien ohne Zusatzkosten nutzen. Allerdings verfügt Amazon bisher nur über eine Bibliothek von etwa einer Millionen Songs.

  • Eigene Serien, Filme und Video-Spiele

    Amazon begnügt sich schon lange nicht mehr, Medien zu verkaufen - der Online-Händler produziert sie mittlerweile auch selbst. Über seinen Streamingdienst zum Beispiel hat Amazon die ersten Folgen der Serie "The Man in the High Castle" veröffentlicht. Darin geht es um die Frage: Wie würde die Welt aussehen, wenn die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Auch einen eigenen Kinofilm mit dem Titel "Elvis & Nixon" produziert Amazon. Was danach kommt? Wahrscheinlich ein eigenes Videospiel. Laut Medienberichten hat Amazon Entwickler von bekannten Spielen wie World of Warcraft oder Halo verpflichtet.

Die sind in großer Sorge. Denn ein eigenes Schließfachsystem gilt als nächster Schritt für Amazon auf dem Weg, einen eigenständigen Paketdienst aufzubauen. Anbieter wie DHL und Hermes fürchten bereits, wichtige Aufträge von Amazon zu verlieren, seit der Konzern seine Pakete in einzelnen Regionen in Eigenregie ausliefert.

So stellt der Onlinehändler seit vergangenem Herbst bereits in München und seit Kurzem in Berlin Pakete zu. Auch in Hamburg hatte Amazon nach Standorten für Verteilzentren Ausschau gehalten. „In den Bezirken, in denen wir sind, wird nicht mehr viel von DHL ausgeliefert, vielleicht noch 10 bis 15 Prozent“, sagte Schwenger jüngst bei einem Rundgang durch das Berliner Verteilzentrum. Weitere Verteilzentren in deutschen Metropolregionen seien denkbar. Da hilft auch eine „enge Absprache“ nicht.

Logistik: Diese Anbieter dominieren das Paketgeschäft

  • Platz 5

    Der Paketdienst GLS ist der fünftstärkste Anbieter in Deutschland. Sein Marktanteil liegt bei acht Prozent.

    Quelle: MRU; Zahlen für 2014

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht an Hermes (13 Prozent).

  • Platz 3

    Mit einem Marktanteil von 17 Prozent landet UPS auf Platz drei im Ranking.

  • Platz 2

    Auf Rang zwei liegt DPD mit 18 Prozent Marktanteil.

  • Platz 1

    Marktführer ist die Deutsche Post-Tochter DHL mit einem Anteil von 44 Prozent.

Damit greift Amazon in das Hoheitsgebiet von Paketdiensten wie DHL oder Hermes ein. Doch Schwenger betont immer wieder: Man wolle die Paketdienste nur ergänzen, nicht ersetzen. Ihm geht es vor allem darum, mehr Kapazitäten in den Markt zu bringen. Denn gerade zur Hochsaison vor Weihnachten fehlen Paketboten, und in den Sortierzentren stauen sich die Pakete. Und das vor allem wegen Amazon.

„Das Gesamtvolumen an Paketen, das Amazon jeden Tag zustellen muss, ist so gewaltig, dass das in absehbarer Zeit nicht ohne DHL, DPD und andere Dienste zu bewerkstelligen ist“, sagt Michael Lierow, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

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