Anti-Korruptionsexperte : Pieth fordert Zwanziger als FIFA-Interimschef

Anti-Korruptionsexperte : Pieth fordert Zwanziger als FIFA-Interimschef

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Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Der frühere FIFA-Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth fordert den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als Interimschef der FIFA. Gegen den aktuellen Präsidenten, Joseph Blatter, ermittelt die Schweiz.

Der frühere FIFA-Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth schlägt den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als Interimschef der FIFA vor und kritisiert dessen Nachfolger Wolfgang Niersbach. Es solle im Falle des Rücktritts von Weltverbands-Boss Blatter ein Übergangspräsident bestimmt werden, „der aus den eigenen Reihen stammt, akzeptabel ist und beispielsweise zwei Jahre bleibt, um für Ruhe zu sorgen“, forderte Pieth in der „NZZ am Sonntag“ und plädierte für Zwanziger. „Er war Exekutivmitglied, in die Reformen involviert und ist integer. Zudem ist er entscheidungsfreudig.“

Sollte Blatter nach der Eröffnung eines Strafverfahrens selbst zurücktreten oder suspendiert werden, würde der skandalumwitterte FIFA-Vize Issa Hayatou satzungsgemäß vorerst den Weltverband anführen.

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FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

  • Präsidentschaftswahl 1998

    Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

  • ISL-Skandal (1)

    Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

  • ISL-Skandal (2)

    Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

  • WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

    Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

  • WM-Vergabe (2)

    Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (1)

    Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (2)

    Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

  • WM-Tickets (1)

    Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

  • WM-Tickets (2)

    Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

  • WM-Tickets (3)

    2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Wer auf Blatter folgt, hat aus Sicht von Pieth auch Auswirkungen auf die umstrittene WM 2022 in Katar. „Wählt man - was ich hoffe - Theo Zwanziger als Übergangspräsidenten für zwei Jahre, dann verhindert er Katar - aus arbeitsrechtlichen Gründen“, erklärte der renommierte Schweizer Rechtsprofessor im „Sonntagsblick“. Sollte UEFA-Präsident Michel Platini an die Spitze der FIFA rücken, „gibt es die WM in Katar.“

Zwanziger saß als DFB-Präsident auch im Exekutivkomitee der FIFA, diesen Platz hat nun Niersbach inne. „Zwanziger hat mehr Profil und mehr Durchsetzungsvermögen“, erklärte Pieth. „Niersbach ist bisher nicht bereit, zu Vorgängen innerhalb der Fifa klar Position zu beziehen.“

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