Architektur: Traditionelle Fassaden erleben Renaissance

ThemaImmobilien

Architektur: Traditionelle Fassaden erleben Renaissance

Bild vergrößern

Klassische Geste - Die Heinrich-Heine-Gärten in Düsseldorf

von Christopher Schwarz

Neuerdings schauen uns Häuser wieder an wie Gesichter. Mit der Wiederentdeckung der guten alten Fassade kehrt die traditionelle Formensprache der Architektur zurück.

Schon das Wort Fassade, das dem italienischen la facciata entstammt, erinnert daran: Häuser haben Gesichter. Über Jahrhunderte, von der Gotik bis zur Gründerzeit, wandten sie sich den Straßen und Plätzen zu, formten sie mit ihren Fenstern und Hauseingängen die Physiognomie der Stadt, ihren vorherrschenden Charakter. Erst seit der Moderne kehren uns Häuser den Rücken zu. Die Fassade wurde, weil konstruktiv nicht mehr notwendig, zur Lüge erklärt, zum überflüssigen Maskenspiel. Das Wohnen im Grünen, in der offenen Stadtlandschaft, wie es die Nachkriegsmoderne propagierte, machte die Gesichtslosigkeit schließlich zum Programm – und verzichtete auf die Fassade zugunsten des aufgelockerten Zeilenbaus.

Wohin das geführt hat, kann man allenthalben studieren, zum Beispiel in Düsseldorf, im Stadtteil Heerdt westlich von Oberkassel, entlang der Hansaallee: Die wenigen hellbeigen Häuserriegel aus den frühen Sechzigerjahren wenden sich reihenweise von der Straße ab.

Anzeige

Es geht auch anders

Doch auf der andern Seite der Allee zeigt Düsseldorf neuerdings, dass es auch anders kann. In kuriosem Kontrast zur eher tristen Umgebung erhebt sich auf breiter Front eine cremefarbene, historisch anmutende Fassade über dem Bürgersteig, in ihrer Mitte ein von zwei Türmen gekröntes Torhaus mit mächtigem, inwendig kassettiertem Rundbogen. Viel selbstbewusster kann man in Zeiten von Fortschrittsskepsis und Utopieverlust die Rückbesinnung auf das traditionelle Repertoire der Architektur nicht demonstrieren. Eine Schmuckfassade! Ein Portal!

Das Entree zu den Heinrich-Heine-Gärten, einem Wohn-Quartier der Luxusklasse, feiert den Eingang als Ort der Grenzüberschreitung. Es lädt ein und sperrt zugleich aus, macht neugierig und markiert die Schwelle jenseits derer der private Raum beginnt: 313 Wohnungen sollen hier auf fast 40.000 Quadratmetern Wohnfläche entstehen, mit einem Investitionsvolumen von 160 Millionen Euro, der Kern eines neuen Stadtteils, dessen erster Bauabschnitt gerade abgeschlossen worden ist.

Umso bemerkenswerter findet es der Berliner Architekturkritiker Bernhard Schulz, der jüngst den "konservativen Tendenzen in der Gegenwartsarchitektur" nachgespürt hat, dass die Heinrich-Heine-Gärten sich in ihrer Formensprache "geradezu ungeniert der Architektur der Wiener Wohnhöfe der Zwanziger bedienen" – für ein Bauprogramm, das statt des "neuen", sozialistischen Menschen freilich den Besserverdienenden Quartier bieten soll.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%