Arvato-Chef Achim Berg: "Wir sitzen auf einem Schatz"

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InterviewArvato-Chef Achim Berg: "Wir sitzen auf einem Schatz"

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Der Ex-Microsoft-Manager Berg soll der Dienstleistungssparte von Bertelsmann Beine machen

von Peter Steinkirchner und Jürgen Berke

Seit 15 Monaten ist Achim Berg Chef des milliardenschweren Logistik- und Druckkonglomerats Arvato. Jetzt will er den Großbetrieb digitalisieren - und Kundendaten zur Goldgrube machen.

„Ab Mittag fallen hier die Klapperschlangen runter“, sagt Achim Berg. Berg, mittlerweile seit 15 Monaten Vorstandschef von Bertelsmanns Dienstleistungssparte Arvato, urlaubte letztens in Amerikas wildem Südwesten. Ein gut 1,50 Meter breites, gestochen scharfes Foto hinter seinem Schreibtisch erinnert den Manager jeden Tag an den abenteuerlichen Trip. Das selbst geschossene Bild zeigt einen schmalen Canyon mit leuchtend orangefarbenen Felswänden. Doch die Schönheit birgt Risiken – der indianische Führer wies Berg auf die Gefahr durch die mitunter herabstürzenden Giftschlangen hin.

In Gütersloh wurde ähnliches Ungetier bislang eher selten gesichtet. Doch mancher Arvato-Manager wird es Berg heimlich an den Hals gewünscht haben. Denn der umtriebige Macher, zuvor in Diensten von Microsoft und Deutscher Telekom, unterzieht den Dienstleistungsriesen einem radikalen Umbau – obwohl die letzte große Umorganisation erst drei Jahre zurückliegt.

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Zahlen zu Arvato

  • Umsatz 2013

    4,4 Milliarden Euro

  • Gewinn

    244 Millionen Euro

  • Mitarbeiter

    66.440

Schneller, digitaler, vernetzter – so will Berg Arvato auf mehr Tempo und höhere Margen trimmen. „Wir müssen flexibler werden“, sagt Berg. Ob das gelingt? Kritiker rechneten Bertelsmann-Boss Thomas Rabe nach der Berufung von Berg flugs vor, sein Neuer an der Arvato-Spitze habe noch nie zuvor in seiner Karriere einen solchen Koloss geführt. 4,4 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 66.000 Mitarbeiter, mehr als 250 Tochterunternehmen zu orchestrieren ist kein Pappenstiel.

Berg ist gut vernetzt und erfahren

Überhaupt ist der Rheinländer der erste Arvato-Chef, der nicht erst die unteren Ränge des westfälischen Industrieriesen durchlaufen musste, sondern von Rabe direkt auf den Chefsessel berufen wurde. Diese Personalie muss sitzen: Rabe darf sich nach dem Flop mit Digital-Vorstand Thomas Hesse, den er von Sony Music holte und der Ende 2013 nach einem mäßig erfolgreichen Intermezzo nach nicht mal ganz zwei Jahren vorzeitig die Segel strich, keine weiteren Personalpannen bei Arvato erlauben.

Immerhin: Mit Berg holte sich Bertelsmann einen Spitzenmann ins Haus, der die Digitalwelt kennt wie kaum ein anderer deutscher Top-Manager. Hardware, Software, Telekommunikation – der 50-Jährige ist mit allen Facetten des Internets bestens vertraut. Bei vielen Schlachten um die besten Plätze in den Wertschöpfungsketten im Web war der gebürtige Siegburger an vorderster Front dabei, national bei der Telekom, international bei Microsoft.

Sein wichtigster Trumpf: Wenn Berg als Dienstleister für Web-Riesen wie Google, Microsoft oder Vodafone noch mehr Geschäft machen will, dann kennt er die zuständigen Vorstände. Die Lehrjahre bei der Telekom und bei Microsoft hat er genutzt, ein engmaschiges Beziehungsnetz aufzubauen. Hinzu kommt: Computerfreak Berg besitzt die Gabe, komplizierte Technik so zu umschreiben, dass auch Laien sie verstehen. Bevor Berg ein Produkt verkauft, testet er es ausgiebig. Das vernetzte Haus probierte er schon aus, als es für andere noch eine Vision war. Fernseher und Stereoanlage über den eigenen Rechner intelligent steuern und Alarmmeldungen auf dem Handy empfangen, wenn die Grundwasserpumpe im Keller ausfällt – das funktionierte bei Berg schon vor einigen Jahren.

Unternehmenswechsel im Fünfjahres-Takt

Als Hardwareverkäufer macht Berg schnell Karriere. Bereits mit 36 wird er Vorsitzender der Geschäftsführung bei Fujitsu Siemens Computer.

Ungebändigt ist seitdem sein Drang, sich auf ungewohntes Terrain vorzuwagen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Länger als fünf bis sechs Jahre hielt es Berg bisher bei keinem Konzern aus. Meist kam ein gutes Angebot, das „er nicht ausschlagen konnte“, genau dann herein, wenn es mal nicht so gut lief.

2002 übernimmt er den Posten des Vertriebschefs bei der Festnetzsparte T-Com der Telekom. An der Seite des damaligen Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke kämpft er gegen den Kundenschwund, kann ihn aber trotz großer Werbefeldzüge nicht stoppen.

Fünf Jahre später lockt ihn der Softwareriese Microsoft mit dem prestigeträchtigen Posten des Deutschland-Chefs. Konzernlenker Steve Ballmer ist so angetan von dem geselligen Rheinländer, dass er Berg nach drei Jahren in die Zentrale nach Redmond im US-Staat Washington holt. Berg ist einer der Geburtshelfer des Windows Phone, mit dem Microsoft den weit enteilten Konkurrenten Apple und Google im Smartphone-Geschäft Paroli bieten will. Er steuert den Vertrieb über die großen Mobilfunkkonzerne und jettet rund um den Globus.

Als der Dauerstress erste Spuren zeigt, flattert das Angebot aus Gütersloh herein. Nach Hardware, Telekommunikation und Software jetzt in die längst nicht so schillernden IT-Services einzutauchen – das verkauft Berg als logischen Karriereschritt. Der nächste wäre, an die Spitze eines großes Konzerns zu rücken. Mit 50 wäre die Zeit dafür langsam reif.

Lesen Sie ein Interview auf den folgenden Seiten ein Interview mit Achim Berg.

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