Aufsichtsratsitzung der Deutschen Bahn: Die unbestimmte Zukunft der Bahncard

Aufsichtsratsitzung der Deutschen Bahn: Die unbestimmte Zukunft der Bahncard

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn will die Bahncard reformieren. Vor allem die 50-Prozent-Variante der Rabattkarte für Vielfahrer ist dem Konzern ein Dorn im Auge.

In der Dezemberausgabe der Mitarbeiterzeitung „DB Welt“ überrascht Rüdiger Grube die Belegschaft gleich auf der Titelseite mit einer ganz besonderen Botschaft: „Wir stehen vor dem größten Umbruch seit der Bahnreform“, schreibt der Konzernchef. Auf der Folgeseite ruft Grube dann die digitale Revolution für sein Unternehmen aus und warnt: „Einstige Marktführer geraten ins Taumeln, junge Start-ups schießen in die Höhe.“

Damit meint Grube auch die Bahn. Der Fernverkehr steht unter enormen Wettbewerbsdruck, seitdem die Fernbusse der Bahn Marktanteile abjagen. In diesem Jahr prognostiziert der Konzern ein Umsatzminus von 120 Millionen Euro. Im kommenden Jahr dürfte der Umsatz doppelt so stark zurückgehen. Die Fernbusse haben nicht nur Erfolg, weil sie preiswerter fahren, sondern auch, weil sie die digitalen Möglichkeiten voll ausschöpfen: buchen per Mausklick, kostenlos surfen an Bord, Filme anschauen im eigenen Multimediabereich. Die Bahn guckt da hinterher.

Anzeige

Debatte um die Bahncard

Nun will der Bahn-Konzern reagieren. Auf der Aufsichtsratssitzung der Sparte Fernverkehr ging es am Mittwoch daher vor allem um die Zukunft des Personenverkehrs. Das Management muss den Negativtrend bei den Passagierzahlen stoppen, die Auslastung der Züge erhöhen und die Einnahmen stabilisieren.

In der Mitte der Debatte steht auch die Bahncard. Rund fünf Millionen Vielfahrer nutzen die Plastikkarte, die einen Rabatt von 25 oder 50 Prozent auf den Normalpreis garantiert. Darunter besitzen rund 40.000 Nutzer eine Bahncard100, die sie als Flatrate für unbegrenztes Bahnfahren nutzen. Eine Abschaffung der Bahncard sei zwar nicht geplant, heißt es bei der Bahn, die eine entsprechende Meldung des Hessischen Rundfunks vergangene Woche zurückwies. Doch Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg gab anschließend zu, dass er plane, ergänzende Angebote zu machen.

Spekulationen um Bahncard-Aus Die Bahn muss den Fernverkehr reformieren

Berichte über das Ende der Bahncard sorgen für Aufsehen. "Quatsch", sagt die Bahn. Doch in ihrer jetzigen From bereitet die Rabattkarte dem Konzern Probleme - und steht zur Diskussion.

Die BahnCard soll aus Kostengründen abgeschafft werden. Quelle: dpa/dpaweb

Wie die ausschauen, ist noch unklar. Allerdings gilt vor allem die Bahncard50 dem Management ein Dorn im Auge. Mit ihr erhalten Nutzer, die einmalig 255 Euro zahlen, ein Jahr lang 50 Prozent Rabatt auf den Normalpreis in der zweiten Klasse. Das Problem: Die Reisenden steigen in den Zug, wann immer sie wollen. Der Bahn entgeht damit die Möglichkeit, die Auslastung der Züge auszusteuern. Vor allem am Freitagnachmittag sind die Züge voll.

Für die Bahn ist das ein Ärgernis. Die Bahn könnte Sitzplätze und Tickets etwa für den Freitagnachmittag oder vor Feiertagen deutlich teurer verkaufen – und den Umsatz nach oben treiben. „Die Bahncard50 tut der Bahn richtig weh“, sagt ein Insider des Konzerns. Weniger Sorgen machen die anderen beiden Varianten: Weil die Bahncard25 mit Sparpreisen kombiniert werden kann, lässt sich das Nutzerverhalten bei dieser Karte über die Sparpreise deutlich besser aussteuern. Und die Bahncard100 ist mit mehr als 4000 Euro pro Jahr so teuer, dass sie nur wenige Vielfahrer nutzen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%