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Aus für Niki: Gespräche über Notverkauf sollen beginnen

, aktualisiert 13. Dezember 2017, 20:13 Uhr
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Ein Passagierflugzeug des Unternehmens Niki

Die österreichische Ferienfluglinie Niki fliegt nicht mehr. Auf der Agenda stehen nun Gespräche über Notverkäufe und die Organisation von Rückflügen von 10.000 Passagieren.

Die Zeit drängt Lucas Flöther, Insolvenzverwalter der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki: "Wir haben noch ein paar Tage Zeit, ehe Niki die Start- und Landerechte verlieren würde", sagte ein Sprecher Flöthers.

Niki hatte am Mittwoch den Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt ("Grounding"). Flöther hofft auf ein Umdenken bei der British-Airways-Mutter IAG oder dem Reiseveranstalter Thomas Cook, die bereits einen Blick in die Bücher von Niki geworfen hatten. Bei einem reinen Verkauf des Geschäftsbetriebs, wie er ihn plant, seien die Risiken für den neuen Eigentümer geringer. Auch Firmengründer Niki Lauda hatte erneut Interesse signalisiert.

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Die Air-Berlin-Tochter hatte am Mittwoch beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenzantrag gestellt, nachdem die Lufthansa wegen des Widerstands der EU-Kommission ihr Angebot zurückgezogen hatte. Der Antrag sei in Deutschland gestellt worden, weil Niki von Berlin aus gesteuert werde, erklärte der Sprecher.

„IAG teilte Air Berlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der Niki hat,“ sagte der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus. Auch von Thomas Cook sei kein passendes Angebot unterbreitet worden. „Die Kommission wusste also, dass es gar keine Alternative zum Verkauf der Niki an die Lufthansa gab“, sagte Kebekus. Er warf der Kommission vor, sie erreiche mit dem „unkontrollierten Zusammenbruch“ der Airline „das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt“.

Der Insolvenzverwalter, der auch Air Berlin abwickelt, ist am Donnerstag zunächst bei Niki in Wien. Allein dort stehen 790 Mitarbeiter vor dem Aus, insgesamt beschäftigt Niki 1000.

Nach dem Aus der Ferienfluglinie Niki richten sich die Bemühungen auch darauf, die Fluggäste der Airline nach Hause zu bringen. In den kommenden zwei Wochen müssen Plätze für bis zu 10 000 Passagiere organisiert werden, die derzeit im Ausland unterwegs sind. Die österreichische Regierung kündigte staatliche Hilfe an.

Air-Berlin-Tochter Niki-Verkauf an Lufthansa gescheitert

Die Lufthansa hat ihr Angebot zur Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki zurückgezogen. Jetzt setzt Airline-Chef Carsten Spohr auf „Plan B“. Was dahintersteckt.

Der Verkauf der Air-Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa ist gescheitert. Quelle: dpa

Die Regierung in Wien wolle die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines notfalls mit Charterflügen beauftragen, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Jörg Leichtfried der Tageszeitung „Die Presse“. „Mehrere Fluggesellschaften“ bereiteten derzeit einen Ersatz-Flugplan „auf Standby-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz“ vor, teilte Niki mit. Der „Presse“ zufolge sind rund 800 000 bereits verkaufte Tickets nun wertlos.

Niki wie auch der Mutterkonzern Air Berlin kritisierten die EU-Kommission. „Auslöser für den heute erfolgten Schritt ist das Nein der Europäischen Kommission zum Verkauf der Niki an die Lufthansa-Gruppe wegen angeblicher Einschränkungen des Wettbewerbs“, betonte das österreichische Unternehmen in einer Mitteilung. Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, sagte: „Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar.“

Die Chronik von Air Berlin

  • Sonderrechte im geteilten Berlin

    Vor 38 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch dann folgte eine jahrelange Krise.

  • 1970er- bis 90er-Jahre

    1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.

    1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

    1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

  • 2004

    Einstieg zu 25 Prozent bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda.

  • 2006

    Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba.

  • 2007

    Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge.

  • 2008

    Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

  • 2010

    Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

  • 2011

    Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

  • 2012

    Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

  • 2013

    Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.

  • 2015

    Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

  • 2016

    Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

  • 2017

    Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

  • 15. August 2017

    Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

  • 27. Oktober 2017

    Fast 40 Jahre nach dem Start der ersten Air-Berlin-Maschine in Berlin-Tegel landet am 27. Oktober 2017 um 23.45 Uhr der letzte Air-Berlin-Flieger dort. Die Zukunft der Angestellten und vieler Unternehmensteile ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Kebekus betonte, dass eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits in Höhe von 150 Millionen Euro „unwahrscheinlicher geworden“ sei. Ähnlich hatte sich zuvor in Berlin auch der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert geäußert.

Die Lufthansa hatte als Grund für den Rückzug angegeben, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne nicht vollzogen werden. Air Berlin ist seit August insolvent und hat den eigenen Flugbetrieb Ende Oktober eingestellt.

Die Air-Berlin-Tochter Niki beantragt Insolvenz und stellt ihren Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung ein. Grund ist der geplatzte Verkauf an die Lufthansa. Mitarbeiter und Passagiere stehen vor dem Nichts. Doch es könnte noch Rettung geben.

„Die Flüge der Niki werden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Weitere Flüge der Niki sind nicht mehr buchbar. Der Flugplan der Niki verliert seine Gültigkeit“, teilte die Airline weiter mit.

Die EU-Wettbewerbshüter bedauerten die neue Unsicherheit um Niki. „Zumal dies nicht das einzig mögliche Resultat seit Beginn des Verkaufsprozesses war“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Es sei von Beginn an klar gewesen, dass es auf vielen Strecken zwischen Lufthansa und Air Berlin Überschneidungen gegeben habe, mit Risiken für Verbraucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Aufgabe der EU-Kommission ist es, ihr präsentierte Transaktionen zu beurteilen. Wir müssen sicherstellen, dass Konsumenten durch Zusammenschlüsse nicht schlechter gestellt werden.“

Niki So profitiert die Lufthansa vom geplatzten Deal

Die Lufthansa speckt ihre geplante Übernahme von Air-Berlin-Teilen kräftig ab. Doch der Verlust des Ferienfliegers Niki kann Deutschlands größter Airline aus mindestens drei Gründen auch ganz recht sein.

Quelle: dpa

Am Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter will die Lufthansa hingegen festhalten. Dieser Kauf steht ebenfalls noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission. Die Prüffrist läuft bis 21. Dezember. Für Niki und LG Walter hatte die Lufthansa 210 Millionen Euro geboten.

Air-Berlin-Sachwalter Flöther prüft nach Informationen von „B.Z.“ und „Bild“-Zeitung, den ehemaligen Großaktionär Etihad für die Pleite haftbar zu machen. Die arabische Fluglinie habe Air Berlin Ende April schriftlich versichert, sie wolle sicherstellen, dass die Airline ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Dennoch hatte Etihad Mitte August die versprochenen Zahlungen eingestellt - daraufhin stellte Air Berlin einen Insolvenzantrag.

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