Australischer Wein: "Unser Erfolg ist beängstigend"

Australischer Wein: "Unser Erfolg ist beängstigend"

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Weinmacher und Botschafter - Peter Gago bei einer Veranstaltung in New York. (Photo by Donald Traill/Invision for Penfolds Wine/AP Images)

von Thorsten Firlus

Das australische Weingut Penfolds gehört zu den großen internationalen Marken der Weinwelt. Sein Chef Peter Gago über Luxus, Markenpflege und die Zahl 888.

Mr. Gago, was ist…

...lassen Sie mich Ihnen erst kurz diese Liste zeigen – es ist eine Liste von einem Tasting, bei denen Weine aus den 70er Jahren von Fachleuten aus aller Welt bewertet wurden. Da ist alles dabei, was Rang und Namen hat in der Weinwelt von Dom Pérignon über Vega Sicilia, Château Petrus bis zu Château d’Yquem.

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Und Australien ist Weltmeister.

Richtig, unser Grange aus dem Jahr 1971. Die ganze Probe war blind, sprich, die Juroren wussten nicht, was sie im Glas haben. Oft ist es so, dass bei Wettbewerben der beste Australier gegen einen Bordeaux aus einem schlechteren Jahrgang antritt oder andersrum. Hier waren aber die Besten der Besten der Dekade vertreten. Und unser Grange ist Nummer 1.

Zur Person

  • Peter Gago

    Peter Gago ist Chef-Weinmacher des bekanntesten australischen Weinguts Penfolds. Bekannt wurde das 1844 gegründete Weingut vor allem durch seinen Topwein Grange.

Da ihr Wein vor Giganten der Weinwelt liegt: Macht sie das nicht nervös?

Ja, es ist beängstigend auf eine Art, aber es ist auch ein beruhigendes Signal. Für eine sehr lange Zeit stand australischer Wein in Europa vor allem für eine Menge Frucht, für eine Menge Aromen und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Wir versuchen seit mindestens 25 Jahren, dieses Image zu erweitern. Wir nehmen die besten australischen Weine und stellen sie den besten europäischen gegenüber. Und zwar nicht nur aktuelle Jahrgänge, sondern alte Weine, um zu zeigen, dass sie auch gereift in der Weltspitze mithalten können. Dabei darf man nicht vergessen, dass die neun anderen Weine unter den besten 10 in diesem Ranking deutlich teurer waren als der Grange 1971. Wenn Sie also Wein auch als Geldanlage sehen ­ - dann erzielen Sie vermutlich mit einer Kiste Grange mehr Rendite in 10 Jahren als mit so manchem renommierten Wein aus Frankreich.

Müssen Sie nicht vor allem asiatische Sammler überzeugen, die in den vergangenen Jahren die Preise für Bordeaux in die Höhe getrieben haben?

Ja, und sie lieben Penfolds. Der Name „Grange“ ist leicht zu merken, die Zahlen statt Lagenbezeichnungen. Wir haben Bin 311, Bin 389 ­– das hilft uns sehr.

Haben Sie je überlegt, einen 888 zu produzieren, nach der chinesischen Glückszahl 8?

Wir wurden gefragt.

Und?

Wyndham Estate hat schon einen. Aber wir haben einen Bin 8. Aber einige Kritiker meinen, wir würden uns an die Chinesen verkaufen. Aber wir haben einen Bin 28 – seit 1959. Bin 128 – seit 1962. Sicher hat keiner von uns damals an einen wachsenden Markt in China gedacht - manchmal braucht es auch einfach nur Zufall und Glück. Und wir hatten mit einigen Dingen sehr viel Glück. Neben all dem bin ich selber sehr gerne in China und Singapur, um dort zu arbeiten: Kein Jetlag. Gleiche Zeitzone. Wenn ich in Europa bin, dauert es zwei, drei Tage, bis ich ganz angekommen bin. Das erklärt auch, warum wir seit sehr langer Zeit in diesen Märkten präsent sind. Die gleiche Art von Kritik bekamen wir, als wir vor einigen Jahren unser Projekt Ampule vorstellten. Eine Skulptur, in der die Menge einer Flasche Wein enthalten ist und die 150.000 Dollar kostet und die wir in Moskau vorgestellt haben. Da hieß es, wir würden uns den Russen anbiedern. Nein. Wir stellen mal in London vor, mal in Shanghai. Wir betrachten uns als globale Marke, deshalb müssen wir überall in der Welt sichtbar sein. Und wir müssen in den klassischen Märkten erfolgreich sein, um in den neueren Märkten wahrgenommen zu werden.

Führen Sie ein Weingut oder eine Luxusmarke?

Eine Fine-Wine-Marke. Luxus ist ein missverständliches Wort und oft falsch genutztes. Luxus bedeutet für verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge. Und für mich ist Luxus nicht wie ein Lichtschalter  - sie können ihn nicht einfach anstellen. Luxus fühlen sie, sie riechen ihn, sie essen ihn, sie spüren ihn. Luxus ist umfassend. Nicht viele Weine schaffen das. Aber neben unserem Flaggschiff Grange und einigen anderen Sorten sind wir Teil des Marktes für sehr hochwertigen Wein. In einer der jüngsten Ausgabe des Magazins „Fine Wine“ sind fünf Seiten über Penfolds. Nicht eine, nicht zwei – fünf. Luxus ist wichtig, aber es kann heute eine Glitzertasche sein, morgen eine ohne Steine. Hochwertiger Wein ist heute ein Erlebnis und wird es in zwanzig Jahren sein. Wein ist da weniger Moden unterworfen.

Penfolds ist die bekannteste Marke des Konglomerats  Treasury Wine Estates, ein Konzern mit 54 Weingütern. Dennoch führen Sie Penfolds wie ein normales Weingut, sondern wie eine Marke in einem Unternehmen?

Technisch gesehen, ja. Aber für mich ist Penfolds eher eine Art zu Leben, eine Lebenskultur.

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