Autovermieter: Sixt sucht neue Standbeine

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KommentarAutovermieter: Sixt sucht neue Standbeine

von Hans-Jürgen Klesse

Der Autovermieter Sixt hat ein gutes Jahr hinter sich, Umsatz und Ergebnis sind auf Rekordniveau. Aber die hohe Abhängigkeit vom deutschen Firmengeschäft bleibt ein Risikofaktor.

Erich Sixt kann zufrieden sein: Auf der heutigen Hauptversammlung des größten deutschen Autovermieters konnte der Vorstandsvorsitzende und Hauptaktionär wieder ein Rekordergebnis vortragen: Über 1,5 Milliarden Euro Umsatz, ein Wachstum von gut sechs Prozent, eine Umsatzrendite von knapp zehn Prozent und ein Ergebnis vor Steuern von fast 140 Millionen Euro – das kann sich sehen lassen.

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Auch der Start in das neue Geschäftsjahr ist vielversprechend, mit knapp acht Prozent Zuwachs beim Umsatz und sogar fast 20 Prozent Plus beim Ergebnis. Der Höhenflug der Sixt-Aktie mit einem Kursanstieg von fast 50 Prozent im vergangenen Jahr hat sich mit einem Plus von nochmals 34 Prozent auch im ersten Quartal 2014 fortgesetzt. Besonders gut laufen die Geschäfte in den USA und im übrigen Ausland, wo Sixt mittlerweile rund ein Drittel seiner Umsätze erwirtschaftet.

Das Geschäft von Sixt

  • Das Unternehmen

    Die Sixt SE ist Deutschlands größter Autovermieter sowie einer der größten banken- und herstellerunabhängigen Leasinganbieter. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über mehr als 150.000 Fahrzeuge und rund 2000 Filialen weltweit. Das Unternehmen aus Pullach wurde 1912 gegründet und 1986 an der Börse notiert. Der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt ist der Nachkomme des Firmengründers Martin Sixt.

  • Geschäftszahlen

    2013 erwirtschaftete Sixt einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro (2012: 1,5 Milliarden). Gut eine Milliarde Euro sind Erlöse aus dem Mietgeschäft. Knapp 400 Millionen stammen aus dem Leasinggeschäft. Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen 2013 einen Konzernüberschuss von 94,4 Millionen Euro.

  • Autovermietung

    Mit mehr als 30 Prozent Marktanteil ist Sixt in Deutschland Marktführer unter den Autovermietern. Zudem baut das Unternehmen sein Stationsnetz in anderen Teilen der Welt aus. In europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Großbritannien ist Sixt mit eigenen Tochter-Unternehmen vertreten. In anderen Ländern kooperiert das Unternehmen mit Partnern und Franchisenehmern. Zurzeit versucht Sixt insbesondere seine Position in den USA zu stärken.

    Die Kernzielgruppe des Geschäftsbereichs Autovermietung sind Geschäfts- und Firmenkunden, zunehmend aber auch Privatkunden und Urlauber. Die klassische Autovermietung hat Sixt mittlerweile um verschiedene Zusatzdienste erweitert.

  • Von Trucks bis Luxus-Wagen

    Transporter, Lieferwagen, LKW, Ferienwagen: Sixt versucht mit speziellen Angeboten alle Bereiche des Mietwagenmarktes abzudecken. Für wohlhabende Kunden hat Sixt auch Limousinen (mit Fahrer) und Oberklasse-Fahrzeuge, Sportwagen und SUVs im Angebot. Während das Unternehmen sonst mit günstigen Preise wirbt, hat die Positionierung als Premiumanbieter für Sixt vor allem im Ausland an Bedeutung gewonnen.

  • Drive Now

    In Kooperation mit BMW betreibt Sixt den Car-Sharing-Anbieter Drive Now. Beide Unternehmen sind zu 50 Prozent beteiligt. Das Angebot gibt es bislang in den deutschen Großstädten Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf und Köln. Laut Sixt haben sich mittlerweile mehr als 280.000 Kunden registriert. Damit gehört Drive Now zu den größten Anbietern in Deutschland.

  • myDriver

    Seit 2013 betreibt Sixt den Chauffeurservice myDriver und verspricht eine Luxus-Alternative zu Taxis und klassischen Limousinen-Services. Anders als bei Taxis wird nicht nach Minuten abgerechnet, sondern ein Festpreis angesetzt. Der soll - je nach Limousinen-Modell - nur knapp über dem Taxis-Preis liegen. Nach einjähriger Sondierungsphase, in der Sixt nur als Vermittler für rund 1000 Vertragspartner agierte, will das Unternehmen jetzt seine eigene Flotte ausbauen.

    Derzeit gibt es myDriver in Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Leipzig, Hannover, Bremen, Nürnberg und Dresden verfügbar. Europäische Städte wie Zürich, Wien und Amsterdam sollen folgen.

  • Leasing

    Abseits des Mietwagenmarktes ist das Leasing-Geschäft das zweite Standbein von Sixt. Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeiten liegt dabei auf Angeboten für Firmen- und Geschäftskunden sowie dem Flottenmanagement. Zudem baut Sixt seine Leasing-Angebote für Privat-Kunden aus.

Das ist die eine Seite. Die Bilanz des vor allem durch seine freche – und manchmal geschmacklich grenzwertige – Werbung bekannt gewordenen Autovermieters weist allerdings auch einige Ungleichgewichte und damit Problembereiche auf.

Die hohe Abhängigkeit vom klassischen Vermietgeschäft zum Beispiel: Zwei Drittel der Umsätze stammen aus dem Autoverleih, auch das Wachstum ist hier mit 7,5 Prozent am höchsten. Das liest sich besser als es bei näherem Hinschauen ist, weil rund 60 Prozent dieser Umsätze aus dem deutschen Markt kommen.

Die hohe Abhängigkeit vom Inlandsgeschäft ist ebenfalls nicht ganz ungefährlich: Autovermietung in Deutschland ist vor allem Firmengeschäft - und das ist extrem anfällig für Konjunkturschwankungen. Das trotz gut laufender Konjunktur vergleichsweise geringe deutsche Umsatzwachstum von gerade mal einem Prozent macht das deutlich.

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