Bahn-Liberalisierung: Deutsche Blockadehaltung schadet dem Schienenverkehr

KommentarBahn-Liberalisierung: Deutsche Blockadehaltung schadet dem Schienenverkehr

Bild vergrößern

Für die Deutsche Bahn geht es um viel. EU-Kommissar Kallas will die Trennung von Schienennetz und Transportgesellschaften ab 2019 erzwingen.

von Christian Schlesiger

Hat Bahn-Chef Rüdiger Grube mit Rücktritt gedroht wie es Spiegel Online behauptet? Die Deutsche Bahn ließ per Pressemitteilung dementieren. So oder so scheint die Liberalisierung der Eisenbahnmärkte in Europa in weite Ferne gerückt.

Offenbar auf Druck der Bundesregierung will EU-Kommissar Siim Kallas seine geplante Bahn-Reform nicht mehr im Januar präsentieren. Es ist die zweite Verschiebung innerhalb von wenigen Monaten – eigentlich sollte schon im Dezember das Konzept vorliegen.

Anzeige

Für die Deutsche Bahn geht es um viel. Kallas will die Trennung von Schienennetz und Transportgesellschaften ab 2019 erzwingen. Die Deutsche Bahn würde dadurch die Möglichkeit verlieren, Gewinne aus dem Schienennetz dafür zu nutzen, um die eigene Wettbewerbsposition im Fern-, Nah- und Güterverkehr gegenüber Konkurrenten zu stärken. Auch Frankreich hält daran fest, dass der integrierte Konzern die beste Organisationsform ist. Es ist also nicht verwunderlich, dass Deutsche und Franzosen gegen die Kallas-Pläne lobbyieren.

Möglicherweise soll über das 4. Eisenbahnpaket nun im Februar beraten werden. Danach könnte es im Europäischen Parlament eingebracht werden. Die Zeit drängt. 2014 beginnt für viele EU-Parlamentarier der Wahlkampf um den Einzug ins Straßburger Parlament. Sollte ein Gesetz nicht bis Sommer dieses Jahres auf den Weg gebracht werden, könnte die weitere Öffnung der Bahnmärkte auf die nächste Legislaturperiode verschoben werden.

Die Bahn in Zahlen

  • Umsatz

    Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Umsatz von 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2011 auf einen Umsatz von 37,90 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 34,41 Milliarden Euro.

  • Gewinn vor Zinsen und Steuern

    Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) beträgt 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro).

  • Halbjahresergebnis

    Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro).

  • Mitarbeiter zum Jahresende

    Genau 284.319 hatte der Staatskonzern zum Jahresende 2011. Das waren gut 8000 mehr als ein Jahr zuvor. Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319).

  • Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

    Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen). 2011 fuhren täglich rund 5,43 Millionen Menschen mit der Deutschen Bahn. 2010 waren es noch rund 5,34 Millionen.

  • Personenverkehr

    Die Züge der Bahn legten im vergangenen Jahr 79,2 Milliarden Personenkilometer zurück. Ein wenig mehr als ein Jahr zuvor (78,6 Milliarden Personenkilometer).

  • Beförderte Güter im Schienenverkehr

    Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen).

  • Schienennetz

    Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter geschrumpft. 2011 waren es nur noch 33.576 Kilometer. Ein Jahr zuvor gab es noch 33.723 Kilometer Schiene.

So sehr die Position der Deutschen Bahn für sich genommen nachvollziehbar ist, so sehr schadet sie sich damit auch selbst. Denn neben Kallas' Plan, die Eisenbahnkonzerne in Europa zu trennen, stehen auch weitere Veränderungen an. So besteht das 4. Eisenbahnpaket aus insgesamt sechs Gesetzen. Unter anderem soll es darum gehen, die technischen Zulassungsverfahren für Lokomotiven und Waggons zu vereinfachen und die Personenverkehrsmärkte weiter zu öffnen. Darauf hatte die Deutsche Bahn immer gedrängt.

Verkehrsminister Ramsauer warnt Brüssel vor Attacken auf die Deutsche Bahn

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat die EU-Kommission vor zu großem Reformeifer gegenüber der Deutschen Bahn gewarnt.

Bahn auf Gleisen Quelle: dpa

Für die Wachstumsstrategie des Konzerns sind solche Verbesserungen daher ungemein wichtig. So kommt es beispielsweise immer noch vor, dass die Zulassung von Güterwagen sich wegen unterschiedlicher DIN-Normen von Bolzen in einigen Mitgliedsstaaten verzögert. Teilweise sollen auch absurd anmutende Probleme wie eingeschränkte Tankmöglichkeiten für Dieselfahrzeuge auf der Schiene in Belgien den Wettbewerb behindern.

weitere Artikel

Außerdem gibt es Unstimmigkeiten bei der Öffnung von Nahverkehrsmärkten und Trassenpreisen. All das will Kallas, der als Befürworter eines liberalisierten Eisenbahnmarktes in Europa gilt, ebenfalls verbessern. Das "Nein" aus Deutschland beziehungsweise "Non" aus Frankreich zur geplanten Novellierung führt damit auch dazu, dass die Schiene gegenüber anderen Verkehrsträgern wie Flugzeugen und Lkw im Nachteil bleibt.

Die Nebenwirkungen der Blockadehaltung für die Deutsche Bahn könnten daher unangenehmer sein als sie es derzeit erahnt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%