Bahn-Streik: Die Mitarbeiter sind die Leidtragenden

KommentarBahn-Streik: Die Mitarbeiter sind die Leidtragenden

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Schriftzüge von Deutscher Bahn und GDL

von Christian Schlesiger

Die Lokomotivführer drohen mit dem größten Streik ihrer Geschichte. Die Auseinandersetzung ist derartig zerfranst, dass kaum einer noch durchblickt – am wenigsten die, um die es eigentlich geht. Bei den Beschäftigten herrscht Frust.

Vier Tage also. So lange könnte der kommende Ausstand der Lokomotivführer dauern. Vier Tage Frust bei Pendlern, Logistikchefs und ICE-Reisenden. Keine Frage: So ein Streik nervt gewaltig. Eine Entscheidung will die GDL bald treffen.

Doch nicht nur für die Kunden wäre so ein Bahn-Streik ein Ärgernis. Die Mitarbeiter haben schon längst aufgegeben, den Sinn hinter diesen Aktionen zu verstehen. Natürlich geht es den Lokomotivführern darum, dass sie in Zukunft auch für das gesamte Zugpersonal verhandeln dürfen. Und bei der Forderung nach mehr Geld sind die Beschäftigten natürlich dabei.

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Das sind die Bahngewerkschaften GDL und EVG

  • Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer

    Die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete GDL hat rund 34.000 Mitglieder. In ihr sind nach Gewerkschaftsangaben rund 80 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn und zahlreiche Zugbegleiter organisiert. Die GDL gehört dem Deutschen Beamtenbund an.

  • Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

    Die EVG entstand 2010 aus der Fusion von Transnet und GDBA und hat rund 210.000 Mitglieder. Die Vorgängerin Transnet wurde 1896 gegründet und gehörte zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die 1948 gegründete Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamter und Anwärter (GDBA) hatte Mitglieder aus allen Sparten von Bahn bis Bus. Sie gehörte dem Deutschen Beamtenbund an, kooperierte zuletzt aber in einer Tarifgemeinschaft mit Transnet.

Doch warum eine Annäherung, geschweige denn eine Einigung, zwischen Bahn, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) so schwer fällt, versteht keiner mehr. Nicht einmal die Profis.

Bei der EVG-Führung klingt das so: Selbst Insider „verstehen das Ganze nicht mehr“, sagte jüngst Alexander Kirchner in einem Pressegespräch. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte heute in einem Interview zu den Gründen der gescheiterten Gespräche der letzten Verhandlungsrunde: „Das kann ich nicht erklären, weil ich es nicht verstehe.“

Worum geht es eigentlich?

Normalerweise streiken Mitarbeiter für mehr Geld, geringe Arbeitszeiten und auch mal um mehr Macht. Ihr gemeinsamer Feind ist der Arbeitgeber. Doch Bahn und Gewerkschaften haben sich in Grabenkämpfe verstrickt, die nicht einmal für die Eingeweihten nachvollziehbar sind.

Da wurde bis Ende Januar etwa Monate lang über eine Abschlagszahlung für 2014 gestritten, die ohnehin am Ende eines Tarifvertrages verrechnet wird. Die eigentlichen Themen wurden gar nicht behandelt. Zum Glück konnten sich Bahn und EVG bei dem Punkt dann doch irgendwie einigen.

Nicht nur um Inhalte, auch um Macht

Und jetzt die GDL. Ihr Chef labt sich in markigen Sprüchen. Im Kern geht es ihm nicht nur um Inhalte, sondern auch um Macht. Aktueller Streitpunkt: die Lokrangierführer, also jene Mitarbeiter, die Züge in den Rangierbahnhöfen aneinanderkoppeln und die Züge oft nur in Gehgeschwindigkeit fahren. Diese Berufsgruppe wird von der EVG tarifiert. GDL-Boss will sie zu sich holen. Im Kern nachvollziehbar: Warum ein Lokrangierführer anders entlohnt werden soll als ein Streckenlokomotivführer im ICE ist schwer nachvollziehbar. Wer einen Lkw auf einem Hof fahren kann, kann schließlich auch einen Lkw auf der Straße fahren – mit Führerschein natürlich.

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Die Mitarbeiter leiden unter dem ganzen Zoff mit am meisten. Bei den letzten Aufsichtsratswahlen haben die Kandidaten der freien Listen punkten können. GDL und EVG wurden mehr oder weniger abgestraft. Ein Indiz für die „Unzufriedenheit der Mitarbeiter“, so ein Insider.

Ein Mitarbeiter der Deutsche Bahn meldete sich bei der WirtschaftsWoche vor kurzem zu Wort. „Was sich diese beiden Gewerkschaften leisten, auf wessen Rücken sie es sich leisten, ist ungeheuerlich. Die Betroffenen im Zug, auf dem Bahnsteig, im Reisezentrum haben für diese Ränkespiele immer weniger Verständnis“, schrieb er dort. Er betitelte die Mail mit „Tarifkomödie bei der Bahn“.

Man würde am liebsten lachen, wenn es nicht so ernst wäre.

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