Bahn-Tarifverhandlung: EVG droht mit Streiks bei Misserfolg

Bahn-Tarifverhandlung: EVG droht mit Streiks bei Misserfolg

Bild vergrößern

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zeigt Gesprächsbereitschaft

Für einige Wochen herrschte Ruhe im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn. Ob Reisende demnächst wieder vor leeren Bahnsteigen stehen, entscheidet sich möglicherweise in Frankfurt.

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft EVG mit Streiks gedroht, falls bei der Verhandlungsrunde am Freitag kein Ergebnis erzielt wird. Grundsätzlich gehe es der EVG aber nicht um „Eskalationsdrohungen“ wie bei der konkurrierenden Lokführer-Gewerkschaft GDL, sagte der EVG-Chef Alexander Kirchner am Donnerstag am Rande des „Bayerischen Lokführertags“ seiner Organisation in Nürnberg.

„Wir haben immer gesagt, wenn wir am Verhandlungstisch weiter kommen, bedarf es keines Streiks. Die Ultima Ratio ist dann notwendig, wenn die Gegenseite sich nicht mehr bewegt.“ Leider sei das letzte Angebot unzureichend gewesen. Die EVG erwarte von der Bahn einen spürbaren Schritt nach vorn, sagte Kirchner.

Anzeige

Was die GDL erreichen will

  • Worin besteht der Kern des Tarifkonfliktes?

    Wie immer geht es zwischen Arbeitgeber und den Gewerkschaften um Einkommen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen. Das Besondere an diesem Tarifkonflikt ist jedoch, dass zusätzlich die GDL (34 000 Mitglieder) mit der viel größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG (210 000 Mitglieder) um die Vertretungsmacht bei einem Teil der Belegschaft konkurriert. Die Bahn wiederum will Tarifkonkurrenz vermeiden. Für eine Berufsgruppe soll ihrer Meinung nach nur ein Tarifvertrag gelten.

  • Wen zählt die GDL außer den Lokführern noch zum Zugpersonal?

    Die GDL will die Verhandlungsmacht auch für rund 8800 Zubegleiter, 2500 Gastronomen in den Speisewagen, 3100 Lokrangierführer sowie 2700 Instruktoren, Trainer und Zugdisponenten. Das macht zusammen 17 100 Mitarbeiter. Mit den rund 20 000 Lokführern bildet die GDL daraus die Gruppe „Zugpersonal“ mit 37 000 Mitarbeitern. In dieser Gruppe habe sie die Mehrheit der Mitglieder. Die EVG hält von der GDL vorgenommene Zusammenführung für willkürlich und bezweifelt deren Zahlenangaben.

  • Welche Gewerkschaft verhandelt denn nun für wen?

    Das ist der heikle Punkt, weil die Gewerkschaften aus dem Organisationsgrad ihr Verhandlungsmandat für die jeweiligen Berufsgruppen ableiten. Wer stärker ist, soll in Tarifverhandlungen das Sagen haben. Die Frage ist jedoch, welche Organisationseinheit man dabei betrachtet: Einen Betrieb, ein Unternehmen im Konzern, eine Berufsgruppe? Je nach dem kann die Mehrheit mal bei der einen, mal bei der anderen Gewerkschaft liegen.

  • Und wie stark sind EVG und GDL bei der Deutschen Bahn?

    Bei den Lokführern ist die Sache klar: 20.000 sind bei der Bahn beschäftigt. Die GDL reklamiert 78 Prozent von ihnen als ihre Mitglieder, das wären etwa 15.500. Die EVG gibt ihre Mitgliederzahl unter den Lokführern mit 5000 an, davon seien 2000 Beamte. Das geht nicht ganz auf, selbst wenn alle Lokführer gewerkschaftlich organisiert wären. Aber: Das Kräfteverhältnis ist eindeutig, drei zu eins für die GDL. Schwieriger und umstritten ist es bei den übrigen rund 17.000 Mitarbeitern, die nach GDL-Definition zum Zugpersonal zählen. Die EVG sagt, 65 Prozent der Zugbegleiter und 75 Prozent der Lokrangierführer seien bei ihr organisiert. Das wären zusammen allein bei diesen beiden Berufsgruppen 9860 Beschäftigte. Die GDL macht eine andere Rechnung auf: 37.000 Beschäftigte (inklusive Lokführer) gehörten zum Zugpersonal. Davon seien 19.000 GDL-Mitglieder, das sei eine Mehrheit von 51 Prozent.

  • Welche Rolle spielt die Absicht der Bundesregierung, ein Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg zu bringen?

    Für die GDL ist das sehr bedeutsam. Denn ein solches Gesetz könnte ihre Handlungsmöglichkeit einschränken. Möglicherweise verlöre sie in bestimmten Ausgangslagen das Streikrecht. Damit wäre die GDL wie andere Berufsgewerkschaften in ihrer Existenz bedroht. Die GDL hat bereits angekündigt, dass sie ein solches Gesetz vom Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen würde.

  • Warum hat sich die Koalition das Gesetz überhaupt vorgenommen?

    Streiks in rascher Folge, Lähmung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft sollen erschwert werden. Die Diskussion hatte durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes schon vor vier Jahren an Fahrt gewonnen. Die Richter stärkten die Tarifvertrags-Vielfalt und die Konkurrenz unter großen und kleinen Gewerkschaften. Der Grundsatz „Ein Betrieb - ein Tarifvertrag“ wurde damals hinfällig.

Die Gewerkschaft beharrt auf einer höheren Einmalzahlung auch für rund 17.500 Servicekräfte. Unter anderem das Wach- und Reinigungspersonal müsse mit den übrigen Tarifbeschäftigten gleich behandelt werden, verlangte Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Mit der Einmalzahlung soll das Tarifjahr 2014 abgeschlossen werden, um sich dann der komplizierteren Materie für das laufende Jahr widmen zu können, erläuterte ein Bahn-Sprecherin in Frankfurt.

Eine derartige Einmalzahlung in Höhe von 510 Euro hat die Bahn bereits in den Parallelverhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL vereinbart und auch für die meisten EVG-Bahner angeboten. Für die rund 17.500 Servicekräfte sollte es aber nach dem letzten Bahn-Angebot wegen der kürzeren abzudeckenden Laufzeit im Jahr 2014 und dem geringeren Durchschnittslohn nur 340 Euro geben. Die EVG hatte beide Beträge als zu niedrig abgelehnt.

Weitere Artikel

Die Bahn zeigte sich optimistisch, einen Teilabschluss zu erreichen. Das Unternehmen hoffe darauf, am Freitag einen Schritt voranzukommen, sagte die Sprecherin. „Wie die EVG bisher auch will die DB keine Spaltung der Belegschaft, die abhängig ist von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft.“

Das Unternehmen verfolgt das Ziel, mit den konkurrierenden Gewerkschaften jeweils deckungsgleiche Abschlüsse auch für die Folgezeit hinzubekommen. Die Lokführer hatten im vergangenen Jahr mehrfach den Schienenverkehr lahmgelegt. Die EVG hat hingegen noch nicht gestreikt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%