Bahn-Vorstand : Konzernchef Grube will den Umbau

Bahn-Vorstand : Konzernchef Grube will den Umbau

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, will im Vorstand des Staatskonzerns umbauen.

Bahnchef Grube steckt in der Klemme. Der Staatskonzern kommt mit seinen Geschäften nicht voran. Deshalb will Grube ihn umbauen. Im Aufsichtsrat muss er erklären, was dadurch wie besser werden soll.

Rüdiger Grube wird am Montag eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Der Bahnchef will in seinem Konzern einiges umstoßen, und dazu braucht er die Unterstützung des Aufsichtsrats. Deshalb hat er das Kontrollgremium der bundeseigenen Deutschen Bahn AG zu einer Sondersitzung zusammenrufen lassen. So viel ist durchgesickert: Grube will einige seiner Vorstandskollegen loswerden und durch andere ersetzen. Noch nicht sehr scharf zu erkennen ist, was das für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Kunden bedeutet.

Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats ist zu erfahren, dass dort am Montag die neue Besetzung des Vorstands beschlossen werden soll, aber noch keine Änderung der Konzernstruktur. Diese sei erst für Dezember geplant. In der Zwischenzeit soll der Umbau vorbereitet und ein detailliertes Konzept erarbeitet werden. Grube stehe erheblich unter Druck, sagt ein Aufsichtsratsmitglied vor der Sitzung: „Es wird enger für ihn.“ Er müsse die schwachen Erträge wieder steigern.

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Deutsche Bahn Warum Rüdiger Grube Ronald Pofalla braucht

Pofalla wirkt bei der Bahn bislang im Hintergrund – und bastelt an seiner Karriere. Nun soll er schon im Sommer in den Vorstand aufrücken. Dort will er zeigen, dass er das Zeug zur Nachfolge von Bahn-Chef Grube hat.

Ronald Pofalla rückt in den Vorstand der Deutschen Bahn. Quelle: dpa Picture-Alliance

Die wohl eher dürftige Geschäftsbilanz des ersten Halbjahres wird der Bahnchef am Tag nach der Aufsichtsratssitzung in Berlin vorstellen. Von Januar bis Ende Mai lag das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei 626 Millionen Euro, das sind 239 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2014 waren es 1,8 Milliarden Euro, weit entfernt vom Spitzenwert 2,9 Milliarden (2007) und selbst von Grubes Bestmarke 2,5 Milliarden Euro von 2012.

Auch beim Umsatz (2014: 39,7 Milliarden Euro) macht die Bahn seit 2012 keine großen Sprünge mehr. Ehrgeizig hatte Grube damals angekündigt, die Erlöse bis 2020 auf 70 Milliarden Euro verdoppeln zu wollen. 56 Milliarden davon sollten aus eigener Kraft erreicht werden, der Rest über Zukäufe. Nun werden nur noch 50 Milliarden Euro angepeilt.

Für große Akquisitionen fehlt derzeit die Finanzkraft, zumal die Bahn über eine Dividendenzahlung von mindestens 700 Millionen Euro jährlich einen Teil der Bundesmittel für Reparatur und Pflege des Schienennetzes selbst aufbringen soll. Fraglich wäre auch, ob der Eigentümer Bund eine starke Expansion des Konzerns mittrüge. Schließlich hat Grube selbst versichert, sich vor allem um das „Brot-und-Butter-Geschäft“ zu kümmern: den Schienenverkehr im Inland.

Unangenehme Fragen für Grube

Ein neues Vorstandsmitglied spielt dabei die entscheidende Rolle: Berthold Huber, Chef der Sparte Fernverkehr, werde im August nicht nur die Verantwortung für den gesamten Personenverkehr übernehmen, sondern auf für die Güterzüge, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Die Güterbahn DB Schenker Rail ist schon seit längerem ein Sorgenkind und rutschte zuletzt wieder in die Verlustzone. Im Regionalverkehr wird von Huber erwartet, möglichst viele der nächsten Ausschreibungen zu gewinnen.

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

  • S-Bahn Berlin

    Von Mitte Januar bis Anfang Mai wird auf der Nord-Süd-Verbindung der Oberbau, die Leit- und Sicherungstechnik und der Tunnel unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorkstraße gesperrt. Von Ende August bis Ende November wird außerdem eine Brückenkonstruktion am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof saniert. Fernzüge halten dann im unteren Teil des Kreuzungsbahnhofs.

  • Hannover-Göttingen

    Mitte Mai sollen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwölf Weichen erneuert werden. Während der Bauzeit wird die Strecke gesperrt. Der Fernverkehr wird von Hannover über die alte Strecke nach Göttingen umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

  • Köln-Frankfurt

    Von Mitte April bis Mitte Mai werden auf der ICE-Strecke 44 Kilometer Schienenstrang ausgewechselt. Dazu wird die Strecke durch den Westerwald an vier Wochenenden gesperrt. Die Züge werden dann am Rhein entlang fahren. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 Minuten.

  • Köln-Aachen

    Die Strecke bekommt von Ende Juni bis Mitte August auf 22 Kilometern neue Gleise. Fernzüge fahren einen Umweg über Venlo und brauchen dafür 45 Minuten länger. Auf der Route Köln-Siegen werden im gleichen Zeitraum 35 Kilometer Gleise renoviert. Davon sind in der Bauzeit 77 Nahverkehrszüge betroffen, die durch Busse ersetzt werden.

  • Mannheim-Stuttgart

    Von Mitte September bis Ende Oktober werden auf der Schnelltrasse Gleise und Weichen ausgetauscht. Dafür wird die Strecke zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen zeitweise gesperrt. Die Umleitung über die alte Strecke kostet 40 Minuten Fahrzeit.

  • Nürnberg-Ansbach

    Von Anfang März bis April wird ein zehn Kilometer langer Streckenabschnitt saniert. Zeitweise ist eine Sperrung nötig. Die Fernzüge der Linie Nürnberg-Karlsruhe werden über Treuchtlingen umgeleitet. Das dauert 40 Minuten länger als sonst.

  • München-Ingolstadt

    Auf dieser Route wird voraussichtlich noch bis August 2015 die Schienentechnik erneuert, damit Züge künftig dort mit Tempo 200 fahren können. Dabei muss ein alter Damm saniert, Gleise erneuert und neue Signalkabel verlegt werden. Ein Teil der Fernzüge muss über Augsburg umgeleitet werden. Das führt zu einer 30 Minuten längeren Fahrzeit.

Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer soll nach unbestätigten Berichten künftig zusätzlich als Stellvertreter Grubes fungieren. Auch Finanzvorstand Richard Lutz wird noch größeres Gewicht als bisher erhalten: Er soll sich um die europaweit aktive Bustochter Arriva und Schenker Logistics kümmern, also das Frachtgeschäft auf der Straße, zur See und in der Luft. Beide Bereiche steuern große Beiträge zum Gewinn bei. Sie sollen rechtlich so organisiert werden, dass ein Verkauf notfalls möglich wäre, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats.

Der Teilkonzern DB Mobility Logistics soll wohl im Dezember aufgelöst werden. Das Relikt, das für den 2008 gescheiterten Börsengang gegründet wurde, wird nicht mehr gebraucht und kostet viel Geld für die Verwaltung. Bislang ist darin alles untergebracht mit Ausnahme der Infrastruktur (Fahrwege, Bahnhöfe, Energie).

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Unangenehme Fragen im Aufsichtsrat dürften auf Grube wegen Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla warten. Pofalla soll im Konzern aufsteigen und Gerd Becht vorzeitig auf dem Vorstandsposten für Datenschutz, Regeltreue und Konzernsicherheit ersetzen, obwohl dessen Vertrag noch bis Februar 2017 läuft. Becht habe in Kartellprozessen viele Millionen Euro für die Bahn herausgeholt und den internen Datenschutz weit vorangebracht, berichtet ein Insider.

Grube wird schließlich zu begründen haben, warum er sich nach nur 20 Monaten schon wieder von der Hoffnungsträgerin Heike Hanagarth verabschiedet. Die Technikchefin ist bislang die einzige Frau im Bahn-Vorstand und geht Ende des Monats.

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