Bahnchef entschuldigt sich bei Kunden: Mainzer Hauptbahnhof läuft vorübergehend im Normalbetrieb

Bahnchef entschuldigt sich bei Kunden: Mainzer Hauptbahnhof läuft vorübergehend im Normalbetrieb

Am Mainzer Hauptbahnhof ist nach dem Wirbel um massive Zugausfälle am Samstag ein bisschen Normalität eingekehrt. Für zwei Tage soll der übliche Fahrplan gelten.

Nach dem Bahnchaos der vergangenen Wochen am Mainzer Hauptbahnhof fahren die Züge an diesem Wochenende vorübergehend im Normalbetrieb. Seit Freitagabend gelte wie vorgesehen der sonst übliche Fahrplan, teilte ein Bahnsprecher in Berlin mit. Auch an den anderen August-Wochenenden sollen keine Züge ausfallen. Unter der Woche gilt allerdings noch bis Ende des Monats ein eingeschränkter Fahrplan. An den Anzeigetafeln am Mainzer Hauptbahnhof waren am Samstagmorgen die vielen „Fällt aus“-Banner der vergangenen Tage verschwunden, Verspätungen bewegten sich im üblichen Bereich.
Seit zwei Wochen fallen am Mainzer Hauptbahnhof Züge aus oder müssen umgeleitet werden. Grund ist ein Personalmangel im Stellwerk. Dies hatte zu einer bundesweiten Debatte über Engpässe bei der Deutschen Bahn geführt. Trotz des Notfallfahrplans soll zum Schulstart nach den rheinland-pfälzischen Sommerferien am Montag der Zugverkehr für die Schüler in den Stoßzeiten weitgehend gesichert werden.
Bahnchef Rüdiger Grube hat sich erstmals seit Bekanntwerden massiver Personalengpässe bei dem Staatsunternehmen an die Kunden gewandt und sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. „Ich entschuldige mich ausdrücklich für die entstandenen Probleme“, sagte er der „Welt am Sonntag“ (WamS). Die Zugausfälle seien „eine große Blamage für die Bahn“, so Grube in der „Bild am Sonntag“ (BamS). Er räumte ein, dass es schon Anfang 2013 aus dem Aufsichtsrat der Bahn-Netzsparte kritische Fragen zur Personalentwicklung gegeben habe.

Angesichts der Engpässe bei Fahrdienstleitern in Mainz werde das Management gemeinsam mit der Gewerkschaft prüfen, wo es Unterbesetzungen in dem Konzern gebe. Allerdings könne er nicht garantieren, dass es nicht mehr zu Ausfällen kommt. „Man kann die Situation nicht per Knopfdruck ändern. Fahrdienstleiter ist doch nicht irgendein Job wie Wurstwenden an der Frittenbude“, sagte Grube der „WamS“.
Gegenmaßnahmen seien jedoch eingeleitet: „Wir werden vor allem unser Frühwarnsystem zur Erkennung von Engpässen verbessern“, betonte Grube in der „BamS“.
Der Bahnchef verteidigte seine Entscheidung, Mitarbeiter um die Verschiebung ihres Urlaubs zu bitten. „Es war richtig, es ist richtig, und ich würde es genauso wieder machen. Wir haben hier eine Ausnahmesituation“, sagte der „Welt am Sonntag“. Druck habe er dabei nicht ausgeübt. Er selbst habe eine Urlaubsreise ins Ausland umgehend abgebrochen, als er von den Problemen erfuhr.

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Grube verteidigte die Personalpolitik der Bahn. „Wir sind zurzeit in Deutschland das Unternehmen mit den meisten Neueinstellungen“, sagte der 62-jährige Manager. Dem Konzern war vorgeworfen worden, sich zu wenig auf die Alterung der Belegschaft eingestellt zu haben. Es habe früher keine Bereiche gegeben, „die sich mit dem demografischen Wandel ausreichend beschäftigt haben“, räumte Grube ein. Dieses Manko sei aber nun behoben. „Die Bahn wurde zwei Jahrzehnte saniert, jetzt wird rekrutiert.“
Von Wochenbeginn an sollen in Mainz zwischen 6.00 und 8.00 Uhr 85 Prozent der Züge rollen. Für den Nachmittag hat die Bahn zusätzlich zum Notfallfahrplan zwei Verbindungen zwischen Mainz und Bingen angekündigt. Allein im Landkreis Mainz-Bingen sind nach Angaben des Landrates Claus Schick (SPD) 1200 Schulkinder auf die Bahn angewiesen.

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